„Bio-Eier“ mit falschem Siegel?

Erst Pferdefleisch in der Lasagne, jetzt Bio-Eier, die keine sind? Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen 150 landwirtschaftliche Betriebe im Land Niedersachsen. Weitere 50 Fälle erstrecken sich vermutlich auf Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und das europäische Ausland. Der Vorwurf: Die Kennzeichnung der hofeigenen Eier mit dem Biosiegel- in dem Wissen, dass sie dieses Siegel nicht verdienen.

 

Foto: flickr/Bio7H

Nach Aussage der Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen bereits seit September 2011. Der Verdacht richtet sich nicht nur gegen Biobetriebe, sondern gegen die gesamte Bandbreite der Eifabriken, von der Freiland- bis zur Käfighaltung. „Zu viele Hühner auf zu wenig Raum“, lautet die gemeinschaftliche Anklage. Zudem verstießen die Landwirte möglicherweise auch gegen Tierschutz- und Umweltauflagen sowie das Futtermittelgesetzbuch. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer erklärte: „Das ist kein Kavaliersdelikt, hier geht es um Verbrauchertäuschung.“ Bestätige sich der Betrugsverdacht, drohe den betroffenen Landwirten der Entzug der Betriebserlaubnis, so Meyer weiter.

 

Landwirtschaft zu industriell

 

Laut Renate Künast liegt das Problem in den zu laschen Kontrollen der Hühnerfarmen. „Wir müssen einen Weg finden, die Tiere zu zählen- es reicht nicht aus, die Betriebe nur auf Freilandhaltung und die Bioqualität des Futters zu überprüfen“, appellierte die Grünen-Politikerin. Laut EU-Öko-Verordnung stehen jedem Bio- und Freilandhuhn vier Quadratmeter Auslauffläche zu, die jedoch bei der Kennzeichnung der Eier offensichtlich großzügig „übersehen“ wurden.

Foto: flickr/Kinderhotel Lärchenwald

Nach Ansicht der AbL (Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft) ist auch die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft ein Teil des Problems. Ökologischer Landbau und eine artgerechte Tierhaltung seien nur in flächengebundenen, mittelständisch-bäuerlichen Strukturen mit überzeugten Bio-Bauern möglich, ließ der Verband gegenüber der Frankfurter Rundschau verlauten.

 

Verbraucher sind bedient

 

Laut einer Umfrage des Bundesverbraucherministeriums ist es 89 Prozent der deutschen Kunden wichtig, ihre Lebensmittel aus artgerechter Tierhaltung zu beziehen. Beim Preis sprachen hingegen nur 66 Prozent von dessen wichtiger Rolle beim Einkauf. Schließt man daraus, dass etliche Verbraucher bereit sind, für Bioprodukte etwas tiefer in die Tasche zu greifen, könnten die Drahtzieher des Bio-Ei-Skandals bereits jetzt ein Millionengeschäft gemacht haben.

 

Bereits im Jahr 2012 hatte der Skandal um dioxinbelastete Bioeier die Gemüter der Verbraucher erschüttert. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte als Konsequenz aus dem neuerlichen Fall von Etikettenschwindel schärfere Kontrollen durch die zuständigen Behörden, „und zwar nicht nur vom Schreibtisch aus. Ich erwarte, dass die Justiz diesen Fall zügig aufklärt und die Verantwortlichen auch strafrechtlich zur Rechenschaft zieht", sagte sie im Gespräch mit dem Focus. NISO

 

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