Chinas Problem mit Schwermetall-Belastungen

Ein Zehntel aller Äcker Chinas ist verseucht: Die Böden im Reich der Mitte enthalten mehr Blei, Quecksilber, Cadmium und andere Schwermetalle als dies offizielle Grenzwerte erlauben, behauptet die chinesische Zeitung „Southern Metropolis Daily“ unter Berufung auf Regierungsdaten.

„Zwischenfälle mit Vergiftungen durch Schwermetalle haben in den vergangenen Jahren wiederholt stattgefunden. Allein zwischen Januar und August 2011 waren es elf Fälle, neun davon mit Blei im Blut“, wird Wan Bentai, Chefingenieur im chinesischen Umweltministerium, von der Agentur Pressetext zitiert. Über Details wie etwa das genaue Niveau der Schwermetall-Belastung in den Ackerflächen liefert der Bericht keine Angaben. Auch Rolf Häßler, Sprecher der oekom research AG, kann die zehn-Prozent-Behauptung nicht bestätigen. „Die Berichtslage in China ist insgesamt sehr schwierig: Von Seite des Staates gibt es wenig Informationen und das Publikmachen von Missständen durch die Zivilgesellschaft ist noch unterentwickelt. Nur fallweise gibt es allerdings Berichte von NGOs zu Umweltverschmutzungen“, sagt der Experte.

 

Plausibel sind die Zahlen allerdings, zumal das Grundproblem bekannt ist. „Die Luft- und Wasserverschmutzung durch die Industrie ist in China massiv. Das hat nicht nur mit schlechten Standards und fehlender Regulierung zu tun, sondern auch mit mangelnder Umsetzung und Kontrolle bestehender Vorgaben, die zum Teil durchaus streng sind“, betont Häßler. Belastet werden die Böden vor allem durch Staubpartikel in der Luft, die im Regen wieder auf die Erde kommen, durch Bewässerung mit Wasser, das durch ungeklärte Einleitung aus Fabriken kontaminiert wurde, sowie durch Auswaschung aus Mülldeponien.

Wie der oekom-Experte darlegt, sind gleich mehrere Branchen an dieser Umweltverschmutzung beteiligt: „Metallunternehmen setzen viele Schwermetalle frei, die in Erzen als Beimengung enthalten sind. Einen großen Anteil hat die Energiebranche, da etwa Kohlekraftwerke ähnlich wie die Zement- und Chlorproduktion die Umwelt mit Quecksilber verunreinigen. Doch auch die metallverarbeitende Industrie setzt in der Batterieproduktion und bei Lötverbindungen Blei und Kadmium frei“, so Häßler.

Weitere wichtige Verursacher sind der Verkehr aufgrund des Bleis im Benzin sowie die IT-Industrie. Jüngste Vorfälle veranschaulichen die Folgen der Belastung. Im September stoppten die Behörden die Produktion mehrerer Batterieerzeuger Shanghais, nachdem 32 Kinder in Fabriknähe Blei im Blut aufwiesen. Auch eine Solarpanel-Firma in Haining musste wegen Protesten vorübergehend geschlossen werden. Im Oktober hatten hunderte Dörfer nahe der Stadt Xima kein Trinkwasser, da unbehandelte Chromresten einer Chemiefirma ihre Brunnen vergifteten. Illegale Chromentsorgung in der Provinz Yunnan belastete schon im Sommer über zehn Mio. Menschen und tötete 77 Stück Weidevieh.

Europa darf die Augen vor den Zuständen in den Erzeugerländern nicht verschließen, verdeutlicht der oekom-Sprecher. „Da China eine Art verlängerte Werkbank des Westen ist, tragen industrielle und private Kunden aus Europa sicherlich eine Verantwortung. Gerade die Unternehmen sollten darauf achten, Rohstoffe und Produkte nur von chinesischen Firmen zu beziehen, die strenge Umweltstandards einhalten.“

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