23.11.2018

“Coffee Circle zeigt die positive Seite des Kapitalismus“

Martin Elwert Foto: Coffee Circle

Martin Elwert ist Gründer und Kopf des Unternehmens Coffee Circle. Er denkt nicht nur an die Qualität seiner Bohnen, ihm ist wichtig, dass er die Kaffeebauern, deren Rohstoff er seinen Kunden verkauft, fair bezahlt. Im Interview mit global° spricht er übe seine Motivation, wie er den Weltmarktpreis für Kaffee in einen fairen Preis wandeln will.

 

Macht es Sinn, mit einigen (wenigen?) Bauern über faire Preise zu reden - müsste nicht vielmehr das "System Kaffee" überdacht werden, und haben Sie dafür einen Vorschlag?

 

Martin Elwert: Doch absolut. Genau das haben wir zum Ziel. Das aktuelle System basiert auf dem kolonialen Handel, der darauf ausgelegt war, unfair zu sein, zum Vorteil der Kolonialmächte...

 

Und wie machen Sie es jetzt?

...wir handeln deshalb Kaffee nicht klassisch, wie ein Commodity, wo Kaffee unabhängig von der genauen Herkunft anhand einfacher Kriterien kategorisiert und dann weltweit gehandelt wird. Wir pflegen direkte Handelsbeziehungen zu den Kaffeefarmern. Wir kreieren Transparenz zum Ursprung des Kaffees, arbeiten direkt mit den Produzenten, Kaufen nach Varietät, Verarbeitung, in Erntezyklen und vor allem de facto Qualität des Kaffees ein.

 

Und das heißt dann?

Dafür zahlen wir einen viel höheren Preis als für börslich gehandelten Kaffee. Darüber hinaus müssen wir mit den Farmern gemeinsam erarbeiten, ob dieser Preis ihren Aufwand gerecht entlohnt. Wir errechnen gemeinsam, welchen Preis wir zahlen müssen, um fair zu entlohnen.

 

Und warum dieser Aufwand?

Stellen wir diese Transparenz her, können unsere Partner beispielsweise evaluieren, ob sie in Zukunft mehr in Kaffeeanbau investieren, oder gegebenenfalls auch in andere landwirtschaftliche Erzeugnisse.

 

Sie leisten mit Ihrem Unternehmen vor Ort – etwa in Äthiopien - Hilfe zur Selbsthilfe: Ist das nicht eigentlich eine öffentliche Aufgabe?

Das sehe ich nicht so. Unternehmertum fördert den Umgang mit knappen Ressourcen und versucht, daraus Wert zu schaffen. Das ist die Basis für ökonomisches Wachstum. Das ist die positive Seite des Kapitalismus, an die wir glauben. Die Verantwortung der öffentlichen Hand liegt für mich etwa im Aufbau oder der Verbesserung von Infrastruktur.

 

Was macht Ihr Unternehmen besser als staatliche Entwicklungshilfe?

Ich glaube wir können besser auf den individuellen Bedarf einzelner Bedürftiger eingehen, da wir kleiner und damit flexibler sind. Wir können schneller auf Änderungen reagieren.

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir nicht projektbasiert nach vorab definierten Kriterien und Budgets arbeiten müssen. Wenn wir z.B. feststellen, dass Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt haben, oder unterwegs feststellen, dass wir andere Maßnahmen als die ursprünglich gedachten, umsetzen möchten, können wir das einfach entscheiden.

Staatliche Gelder sind sehr strikt an klare Richtlinien und Budget gebunden.

 

Wie lange und bis zu welcher Summe sind Ihre Kunden bereit, Kaffeebauern (die ja Marktteilnehmer sind) finanziell stützen?

Wir haben unterschiedliche Projektgrößen. Die Tatsache, dass wir den Farmern keine Mittel zur Verfügung stellen, sondern unsere Zuwendung in Form von konkreten Projekten passiert, zum Beispiel dem Bau einer Schule, können wir auch nicht von einer Subventionierung eines Marktteilnehmers sprechen. Ich denke, unsere Kunden verstehen den Unterschied.

 

Sie nutzen Ihr Engagement auch fürs Marketing: Ist es ein - kalkulierter – Kundenfang?

Ja, das tun wir, der immense Aufwand und die Gelder, die wir in die Entwicklungsarbeit stecken, würden aber in keiner Weise den Marketingeffekt rechtfertigen, die wir dadurch haben.

Aber selbst wenn es keinen Effekt hätte, würden wir an unserem Modell festhalten. Es war von Anfang an unsere intrinsische Motivation, etwas zu verändern. Würden wir das stoppen, wäre Coffee Circle bedeutungslos.

 

 

Wie teuer ein wirklich fairer Preis für Kaffee ist

Martin Elwert, Gründer von Coffee Circle, denkt viel über die Preise nach, die sein Unternehmen seinen Rohkaffee-Partnern zahlt. Grund hierfür ist die bedenkliche Entwicklung des Weltmarktpreises für Kaffee.

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Der Preis ist das eine, Kaffee soll Kunden vor allem aber schmecken: Wie garantieren Sie das und was haben Ihre Projekte damit zu tun?

Das ist korrekt. Geschmack ist das wichtigste, aber nicht das einzige worauf wir achten...

 

Was nämlich noch?

...der Handel auf Augenhöhe und der Respekt für die Arbeit der Farmer, ist tief in unserer Überzeugung verankert.

 

Das klingt nach einem ziemlich hohem Anspruch.

Um beides sicherzustellen, reisen wir das ganze Jahr um den Kaffeegürtel, um jeweils vor Ort die besten Kaffees der aktuellen Ernte zu finden, zu verkosten und direkt bei den Produzenten einzukaufen. So weit gehen die wenigsten Röster, aber nur dadurch können wir persönliche Beziehungen aufbauen, faire Preise selbst mit den Farmern festlegen und ihre Situation verstehen.

Unsere Projekte haben nur zum Teil etwas mit der Qualität zu tun, wenn wir z.B. Kooperativen dabei unterstützen, ihre Qualität zu verbessern (wodurch wir dann auch höhere Preise zahlen). Wir finanzieren aber auch Projekte im Bereich Gesundheit, wie zuletzt ein großes Projekt im Bereich „WaSH“ (Water Sanitary and Hygiene) für 19.000 Menschen in West-Äthiopien.


pit

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