Hocheffiziente Biogasanlagen von 50 bis 250 KW

1. 2,5 Tonnen Biobrot nimmt die 100 KW-Biogasanlage in Niederbayern pro Tag neben knapp einer Tonne silierten Grünschnitt auf. FOTOS: URBAN

2. Die 850.000 Euro teure Anlage (von oben) amortisiert sich binnen vier Jahren: Vorne rechts die Fütterungseinheit mit Pump- und Steuercontainer.

Die hocheffiziente 100 KW-Biogasanlage, die diesen September in Niederbayern in Betrieb ging, betreibt ein Biobäcker und Biolandwirt, der im süddeutschen Raum Großhändler beliefert. Die Folge: 2,5 Tonnen Brot und Backwaren kommen täglich als Retouren, die er nun verwerten kann, um Strom, Wärme und Bio-Dünger zu erzeugen.

Da der Biobäcker eigene Flächen für seine Backzutaten bewirtschaftet, kommt täglich knapp eine Tonne silierter Grünschnitt hinzu. In einem 14-tägigen Durchsatz setzt seine 850.000 Euro teure Anlage Biogas frei, das in einem Blockheizkraftwerk bei 8200 Betriebsstunden pro Jahr 820.000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Mit diesem Biogas kann er Strom, idealerweise für den Eigenverbrauch, erzeugen oder Backöfen betreiben und damit Fremdenergie einsparen. Hinzu kommen Wärme zum Heizen, erzeugter Biodünger, der im Handel bis zu 15 Euro das Kilogramm kostet, und er spart massiv CO2 ein.

 

Der Biobäcker und Biobauer verkauft seinen Dünger nicht, sondern führt ihn ertragssteigernd auf seine Anbauflächen zurück. „Wir gehen von einer Amortisation der Investition von vier Jahren aus,“ sagt Thomas Schmidt. Bei allen erwähnten Nebeneffekten produziere die Anlage rund um die Uhr sieben Tage die Woche die Kilowattstunde Strom zudem für sechs bis acht Cent.

 

Im Fall der Eigenstromnutzung entsteht dadurch ein Preisvorteil von 20 und mehr Cent je kWh. Der Geschäftsführer der Goffin Energy GmbH in Köln hat mit seinem Team das Verfahren 2016 auf kleine Größen skaliert und nun als vollautomatische Anlage marktreif gemacht.

 

Die Anlagen sind modularisiert auf Container-Basis in Leistungsklassen von 50 bis 250 KW lieferbar und eignen sich überall, wo bisher Pflanzen- und Speisereste teuer entsorgt werden mussten, also etwa in der Gastronomie, Kantinen, Altenheimen oder in der Lebensmittelindustrie und dem -großhandel. Was Schmidts Kalkulation so optimistisch macht: Abfälle werden zu Wertstoffen, Transport- und Entsorgungskosten entfallen, das stapelbare Containersystem braucht wenig Platz und kann versetzt werden.

Die vollautomatisierte Biogasanlage ist so programmiert, dass sie sich ihr Material selbst zuführt. „Wenn der Nachschub knapp wird, bekommt der Betreiber eine SMS auf sein Handy,“ sagt Schmidt, der bereits mit etlichen weiteren Interessenten verhandelt. Der Vorteil des hochflexiblen Prozesses: Seine Anlagen sind „Allesfresser“ und können durcheinander mit altem Pommes-Fett, Altfleisch, Grünschnitt, Backwaren oder schwer verarbeitbarem Pferdemist bedient werden. Auch die Zuführmenge ist je nach Bedarf von Grund- über Volllast bis zum Stillstand variabel.

 

„Die Lebensdauer liegt bei mehr als 20 Jahren und aufgrund der Containerbauweise kann die Anlage jederzeit erweitert, reduziert oder versetzt werden,“ sagt Schmidt.

Im Verfahren wird der Abfall oder Reststoff zunächst mit Wasser auf 13 Prozent Festigkeit verdünnt, um den Brei durch die Anlage zu pumpen. In diesem hydrolisierenden Zustand bleibt der Brei je nach Ausgangsmaterial zwei bis vier Tage, danach dauert die restliche Fermentation zwölf Tage. Aus der Brotmasse wird ein Drittel Biogas erzeugt und es verbleiben Wasser und Nährstoffe in Form von Flüssigdünger. Bei Kleegras läge der Biogasanteil bei einem Fünftel und der Rest ist Flüssigdünger.

Seine Energiebilanz formuliert Schmidt so: „Sehr ergiebig sind Fettabscheidungen aus Großküchen und der Lebensmittelindustrie.“ Futtermais, der eigens für die Anlage angebaut würde, erübrigt sich bei dieser Lösung. Er geht deshalb davon aus, dass seine kleinen, bedienerfreundlichen Anlagen die Agrarwirtschaft gerade bei den kleineren Betrieben dauerhaft verändern. Die Pilotanlage nennt er eine „Bio-Biogas-Anlage“, da hier nur biologische Abfälle verwertet werden. Auch sie könne ein Schrittmacher sein, dass Biolandwirtschaft noch attraktiver wird in Deutschland, wenn sie ihren eigenen Dünger selbst erzeugt.

 

www.goffin-energy.de

 


06.09.2018 14:42
Hendrik Stüwe

h.stuewe.work@gmail.com