Ethische Banken: Das zeichnet „grüne Banken“ aus

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Angesichts niedriger Zinsen drehen viele Banken an der Gebührenschraube. Wer nach einer Geldanlage sucht, mit der sich mehr verdienen lässt als die Inflation auffrisst, oder nach einem Konto mit geringen Kosten, hat wenig Auswahl. Ist es da überhaupt noch möglich, auf ethische Anlagegrundsätze zu schauen? Alternativbanken treten an, die etablierte Konkurrenz zumindest in diesem Punkt zu schlagen.

Die Klassifizierung von Geldanlagen als ethisch, ökologisch oder nachhaltig ist vielschichtig. Große Einigkeit besteht dahingehend, Investitionen in geächtete Waffen (das sind Landminen und Streumunition), in Geschäfte, die Menschenrechte und grundlegendes Arbeitsrecht verletzten (zum Beispiel Kinderarbeit) und in Kernenergie zu unterlassen. Allerdings liest sich dieser Ausschlusskatalog sehr dünn. Andere Waffenhersteller sind also zulässig, zumal es sich häufig um Mischkonzerne handelt, die auch zivile oder sogenannte Dual-Use-Güter herstellen, also etwa Lkw, die zivil oder militärisch ausgerüstet werden. Auch fossile Energieträger wären nach den Mindeststandards ok, und auch Staatsanleihen, auch wenn die Länder auf Kernkraft setzen.

 

Wem es Ernst ist mit der verantwortungsbewussten Geldanlage, der muss die Filter strenger setzen. Auf der Ausschlussliste steht dann jedwede Rüstungsindustrie einschließlich ihrer Zulieferer, Atomenergie und solche Energieunternehmen, die durch fossile Brennstoffe unsere CO2-Bilanz verschlechtern, intensive Landwirtschaft ebenso wie Pharmaunternehmen, die auf Gentechnik oder Tierversuche setzen, und schließlich Tabakwaren, Alkohol, Glücksspiel und Pornografie. Zudem darf sich die echte Ökobank nicht an Spekulationen mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen beteiligen.

 

Kostensituation günstig beeinflusst

 

Da bleibt nicht viel übrig? Doch. Erneuerbare Energien sind wichtige Zukunftsbranchen, ebenso die ökologische Landwirtschaft und die Waldbewirtschaftung. Im Gesundheitssektor und im sozialen Bereich lässt sich auch bei Anwendung der oben genannten Ausschlusskriterien Geld verdienen. Ganz generell gibt es viele Unternehmen mit Kapitalbedarf, die Fair Trade und nachhaltiger Wirtschaft verpflichtet sind. Und das sind nicht nur Kleinstbetriebe mit Businessplänen, die keiner seriösen Kreditwürdigkeitsprüfung standhalten. Dennoch, das nachhaltige Geldgeschäft ist eher ein Nischenprodukt. Die kleinen Banken wissen das und pflegen gute Kontakte untereinander, die mit Kostenvorteilen verbunden sind. Ein Beispiel für international ausgerichtete Kooperation ist das Institute for Social Banking (ISB), 2006 von zwölf Ethik-Banken in Bochum gegründet.

 

Ein heikles Thema sind die Vergütungen. Presseberichte über millionenschwere Abfindungen für Vorstände wird man bei ethischen Banken vergeblich suchen – sie wären ein Desaster hinsichtlich des Vertrauens von Kunden und Öffentlichkeit, würden aber auch in keiner Weise zur Größe der Unternehmen passen. Andererseits darf eine Ökobank aber auch nicht nur Hungerlöhne zahlen, sonst bekommt sie kein qualifiziertes Personal. In der Summe wird der Einfluss der Personalkosten auf die Ergebnissituation der Bank und damit auf die Konditionen eher neutral sein.

 

Alternativen zur Ökobank

 

Viele ethisch-ökologisch ausgerichtete Banken sind Vollbanken, halten also das komplette Angebot für Privat- und Geschäftskunden bereit. Sie vergeben Kredite, bieten verschiedene Geldanlage-Formen und Konten an, beraten zu Finanzdienstleistungen und geben Kreditkarten aus. Wer mit einem Girokonto dort trotzdem nicht glücklich ist, zum Beispiel weil er gerne Filialen in seiner Umgebung haben möchte, kann es auch mit einer Geldanlage in ethisch bzw. nachhaltig orientierte Investmentfonds versuchen. Die Kriterien, denen der Fondsmanager folgt, sind im Prinzip dieselben wie oben erläutert. Auch hier lässt sich ausfiltern, wie streng die Begriffe Ethik, Ökologie und Nachhaltigkeit auszulegen sind.


28.02.2019 12:55
Silke Walter

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