Zukunft des Stahls – Eine Industrie im Wandel

Stahlindustrie

Die Stahlindustrie in Europa und weltweit ist ein Industriezweig im Wandel. Regulierungen und Wettbewerbsdruck machen den Unternehmen zu schaffen. Doch eigentlich bringt Stahl beste Voraussetzungen mit.

„Die deutsche Stahlindustrie hat schon einige Krisen überstanden. Doch nun geht es an die Substanz“, „Stahlindustrie in Europa warnt vor dem eigenen Aus“ oder „Dieses Rennen kann die deutsche Stahlindustrie nicht gewinnen“: Beschäftigt man sich mit der Zukunft der Stahlbranche könnte man meinen, es stünde düster um sie. Überkapazitäten, Preisdumping, Klimaschutzkosten und Strafzölle werden als größte Herausforderungen der traditionellen Branche genannt. Doch es gibt auch Lichtblicke.

 

Die Stahlindustrie in Deutschland und Europa

 

Mit durchschnittlich rund 170 Millionen Tonnen Rohstahl pro Jahr ist die Europäische Union nach China der zweitgrößte Stahlproduzent der Welt. Deutschland ist dabei der größte Stahlstandort in Europa. Jährlich werden hier ca. 40 Millionen Tonnen Rohstahl im Hochofen, Konverter & Co. hergestellt. Der Großteil davon kommt in der Bauindustrie, im Maschinenbau, bei Autoherstellern und für Konsumgüter zum Einsatz. Zweifelsfrei wird Stahl auch in der Zukunft ein wichtiger Werkstoff sein.

Doch der harte Wettbewerb, insbesondere durch Produzenten aus China und Russland, und andere Herausforderungen machen der Branche zu schaffen. Aber auch Regulierungen von Seiten der Politik zwingt die europäische Stahlproduktion in die Knie, so die Kritiker. Hier spielt insbesondere der sogenannte Emissionsrechtehandel eine Rolle. Dieser besagt, dass Unternehmen, die viel CO2 verursachen, Zertifikate für den Ausstoß von Treibhausgasen kaufen müssen. Der Preis hierfür soll in den kommenden Jahren stetig deutlich steigen und könnte immense Kosten für die Stahlbranche in Europa bedeuten.

 

Suche nach alternativen Produktionsverfahren

 

Obwohl die CO2-Emission pro Tonne Stahl in Deutschland zwischen 1960 und 2017 bereits um fast zwei Drittel reduziert werden konnte, ist man, auch angesichts der drohenden Kosten, auf der Suche nach weiteren Einsparungen. Forschungen laufen, Stahl ohne Kokskohle und dafür mit Wasserstoff zu produzieren. Doch die Entwicklung und Umrüstung ist zeitintensiv und teuer.

Um nicht nur ökologischer und effizienter, sondern auch konkurrenzfähiger zu bleiben, rücken viele große Unternehmen von der reinen Stahlerzeugung ab. Sie bieten stattdessen komplexe Produkte, bei denen der reine Wertanteil des Materials Stahl nur ein Bruchstück ausmacht. So werden beispielsweise Schienen und Weichen mit Sensoren für den neuen Gotthard-Tunnel geliefert.

Auch die steigende Nachfrage im Bereich der Elektromobilität gilt in der Stahlindustrie als Lichtblick, schließlich kann der Stahl hier seine Vorteile ausspielen. Er ist günstiger als andere Materialien, beispielsweise Carbon, bietet meist eine höhere Qualität und schnellere Bauzeiten. Ohnehin gilt Stahl als wirtschaftlichster Werkstoff für die industrielle Verarbeitung. Schließlich ist das Material, wie der nichtrostende Duplex-Stahl Werkstoff 1.4462, dank eines geschlossenen Recycling-Kreislaufs immer wieder verwertbar. Studien haben ergeben, dass Produkte aus Stahl sechsmal mehr CO2 einsparen, als ihre Herstellung verursacht.

Mit Blick auf die immer wichtiger werdenden Klimaziele in den Industriestaaten, sollten die Zukunftsaussichten der Stahlindustrie folglich doch weniger düster aussehen, als es manches mal scheint. Auch wenn die Herausforderungen der Branche nicht zu unterschätzen sind.


08.10.2019 14:12
Dirk Schwarzer

dirk.schwarzer.82@gmx.de