Deutschland braucht keinen Atomstrom-Import

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Behauptung der Atomstrom-Lobby widerlegt: „Nach der Abschaltung von acht Atomkraftwerken 2011 sind die Importe von Atomstrom nach Deutschland nicht gestiegen.“ Das belegt jetzt eine neue Studie, die das Ökoinstitut im Auftrag der Umweltschützer von Greenpeace machte und der Öffentlichkeit vorstellte.

„Keiner kann mehr mit der falschen Behauptung Stimmung machen, ausländische Atomenergie habe die deutsche ersetzt“, kommentiert Niklas Schinerl, der Energieexperte von Greenpeace die Studie.

Die Zahlen der Wissenschaftler zeigen ein deutlich anderes Bild als die Atomlobby es zeichnet: „Der Stromaustausch mit Tschechien – einem Land mit erheblichem Atomkraftanteil – veränderte sich kaum“, schreiben Ökoinstitut und Greenpeace. Zwar sei aus Frankreich im Jahr 2011 etwas mehr Strom nach Deutschland geflossen, räumen auch die Umweltschützer ein, „allerdings in einem Umfang von nur einem Prozent der deutschen Stromerzeugung, und ohne dass die Produktion der französischen Atomkraftwerke angestiegen wäre“. 2012 habe Frankreich weniger Strom nach Deutschland geleitet als vor dem deutschen Ausstieg aus der Kernenergie-Erzeugung.

 

 

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Seit 2012 liefert Deutschland Strom ins Ausland

 

Die neue Studie korrigiert auch ein zweites, vorschnelles Urteil: „Entscheidender Treiber für Importe und Exporte ist der aktuelle Preis an der Strombörse, nicht etwa ein angeblich drohender Versorgungsengpass.“

„Ausschlaggebend ist die Kostenoptimierung des Kraftwerkeinsatzes am europäischen Strommarkt. Die Kraftwerke mit den niedrigsten Produktionskosten kommen zuerst zum Zuge“, sagt Charlotte Loreck, Autorin der Studie und Energieexpertin am Öko-Institut. „An diesem Mechanismus hat auch die Stilllegung von acht AKW nichts geändert.“

Deutschland sei ohnehin auf Stromeinfuhren kaum angewiesen, machen die Wissenschaftler und die Umweltschützer noch einmal klar. Sie beziehen sich dabei sogar auf den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Laut dessen Zahlen habe „Deutschland im Jahr 2012 so viel Strom wie nie zuvor“ ins Ausland geliefert.

„Der internationale Handel mit Strom ist in letzter Zeit zu Unrecht in Verruf gekommen. Denn Importe und Exporte sorgen für zusätzliche Flexibilität – ein großer Vorteil beim Ausbau der Erneuerbaren Energien“, sagt Schinerl. Er erinnert daran, dass Deutschland vor dem Atomausstieg im Sommer mehr Strom importiert als exportiert habe. „Doch im Jahr 2012 exportierte Deutschland – erstmals seit zehn Jahren – auch im Sommer Strom“, schreibt das Ökoinstitut in einer Meldung zu seiner neuen Studie.

Der Grund: Der Ausbau der erneuerbaren Energien lieferte im Sommer 2012 den meisten Strom in den frühen Nachmittagsstunden ins Ausland.

 

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