28.11.2018

Die Natur kennt keinen Abfall

Foto: Fotolia/Romolo-Tavani

Klaus Pöttinger ist Eigentümer der One World Gruppe im oberösterreichischen Grieskirchen. global° sprach mit dem Unternehmer und Visionär über seine ganz persönlichen Klimaziele und die Arbeit im Spannungsfeld von Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

 

Sie betonen, die Trockenfermentation sei die beste Art, Bioabfall zu verwerten: Wie begründen Sie das genau?

Klaus Pöttinger: Das Verfahren lehnt sich ganz nah an das Vorbild Natur an. Und es hat gegenüber anderen Methoden wie Verbrennung oder Kompostierung eine besonders gute Ökobilanz. Das klimaneutral gewonnene Methan ersetzt fossile Energieträger und spart, wenn die Technik einmal konsequent angewendet wird, Kohlendioxid (CO2) im großen Stil ein.

 

Das betrifft jetzt die klimatische Seite des Verfahrens. Gibt es weitere Vorztüge?

Am Ende des Prozesses steht kein Entsorgungsprodukt, sondern hochwertiger Rohkompost, der in Folge dem Humusaufbau der Böden zu Gute kommt. Und schließlich, und das ist entscheidend für die breitere Anwendung: Die Trockenfermentation ist im Betrieb kostengünstig, da die Reststoffe während des Prozesses nicht behandelt und bewegt werden..

 

Klaus Pöttinger Foto: Pöttinger Entsorgungstechnik

Das heißt?

Sie ist die wettbewerbsfähigste Möglichkeit, mit einem Potential die Treibhausgase eines Industrielandes um vier Prozent zu senken.

 

Lohnen sich Fermenter auch für Privathaushalte oder Gruppen von privaten Nutzern und ab welcher Abfallmenge?

Für den einzelnen Privatkonsumenten lohnen sich Fermenter nicht. Zukünftig könnten aber Lösungen beispielsweise schon für „Urban Gardening“-Projekte denkbar sein, sofern genügend Ausgangsmaterial anfällt. Hier prüfen wir, welche Lösungen sinnvoll sein können. Aktuell sind die Fermenter etwa in der landwirtschaftlichen Nutzung ab etwa 50 Tieren attraktiv oder auch als Ergänzung kommunaler Entsorgungsanlagen und für den Lebensmittelhandel.

 

Ist überall die nötige Infrastruktur (Anbindung ans Gasnetz) vorhanden oder erfordert dies doch noch zusätzliche Investitionen, die eine Wirtschaftlichkeit schmälern?

Die Anbindung ans Gasnetz ist die Achillesferse des Biogases generell...

 

Warum ist das so?

Gas muss zum Zeitpunkt und zugleich am Ort der Produktion verwertet oder eingespeist werden. Genau an diesem Punkt setzen wir an: Zum einen, indem wir an Lösungen zur Speicherung arbeiten, wie etwa der Verflüssigung des Gases in speicherfähiges LNG und zum anderen ist etwa gerade in der landwirtschaftlichen Nutzung der Eigenbedarf so hoch, dass eine autarke Lösung wie mit einem Hoffermenter, das Ziel ist, und nicht die Einspeisung ins Netz und die „Verstromung“.

 

 

Biogasanlage im Garten spart Müll macht frei

Biogas-Anlage für zuhause: Mit einer tollen Idee mischen drei Ingenieure und Tüftler aus Israel die Karten neu. Ihr Credo: „Verschwende keinen Abfall“ – ihre Lösung: die Biogasanlage im eigenen Garten.

weiter...

 

Sie schwören auf das Kreislaufprinzip der Natur: Warum ist dieses für Sie so unschlagbar?

Ein natürlicher Kreislauf kennt keinen Anfang und kein Ende und ist ungeheuer effizient. Mit unserer Vision folgen wir diesen Gesetzmäßigkeiten der Natur, um eine lebenswerte Welt zu erhalten. Wir sehen unsere Zukunft auf der Erde, nicht auf dem Mars.

 

Noch stehen Sie am Beginn Ihrer Vision, eine Million Tonnen CO2 einsparen zu wollen: Wann glauben Sie, können Sie Erfolg vermelden?

Wir liegen sehr gut im Rennen. Nach mittlerweile zwei Jahren haben wir ein Fünftel der Reise geschafft. Innerhalb einer Dekade werden wir unser Ziel erreichen, davon sind wir nach wie vor überzeugt.

 

Grafik: Pöttinger Entsorgungstechnik

Mit welcher Komponente Ihres dreistufigen Plans erreichen Sie Ihr Reduktionsziel am besten?

Derzeit über die Müllverdichtung und die damit erzielte Einsparung von fossilem Treibstoff. Aber die Fermenter-Technologie hat sich bereits auf die Überholspur begeben. Aufforstung ist ebenfalls wichtig und wird in unserem Drei-Säulen-Plan immer eine wichtige und vernünftige Begleitmaßnahme bleiben.

 

Wie stark ist Ihre Vision als Marketingargument einsetzbar? Ist es den Kunden wichtiger als das Preis/Leistungsverhältnis der Produkte?

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist immer das ausschlaggebende Argument. Die Leistung definiert aber jeder anders. Für den einen sind nachhaltiges Wirtschaften, ein möglichst kleiner ökologischer Fußabdruck und eine positive Auswirkung auf öffentliche Güter Leistungskriterien, für den anderen spielen diese Dinge weniger eine Rolle und es zählen ausschließlich finanzielle Aspekte.

 

Was zählt für Sie?

Unsere Vision ist beides: wirtschaftlich und zugleich nachhaltig.


pit

Most Wanted

Screenshot: UNU

Süßwasserproduktion als Umweltproblem

Frischwasserproduktion verschmutzt die Meere: Immer mehr Entsalzungsanlagen produzieren dringend...


Foto: Pixabay CC0

Umweltanwälte verklagen französischen Staat

Knapp zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger wollen die französische Republik verklagen, weil sie...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Chinas Kampf gegen die Diesel-Stinker

Es muss auch ohne Diesel-Lastwagen laufen: Die chinesische Regierung will ernst machen. Sie plant,...


Neu im global° blog

Screenshot: Camargue Video ESA/Euronews

Der Klimawandel bedroht die Camargue

Aufnahmen der Copernicus Sentinel-Satelliten machen in dem Video von ESA und Euronews sehr...


Kinoplakat

Kinotipp: "Gegen den Strom"

Die 50-jährige Halla ist eine unabhängige und warmherzige Frau mit zwei Gesichtern: eine...


Anton Hofreiter (MdB) Foto: Wikimedia CC3.0/Gerd Seidel

Hofreiter fordert: Klimaschutz ins Grundgesetz

"Wir brauchen eine Gesamtstrategie, an deren Anfang steht, dass wir den Klimaschutz im Grundgesetz...


Folgen Sie uns: