Die Seil-Retterin aus Rosenheim

Bettina Jungersdorf Screenshot: Newseed.de

Kletterseile sollen Leben schützen: Bettina Junkersdorf rettet Seile. Die Jungunternehmerin (Newseed) aus Oberbayern verwertet ausrangierte Nylon-Taue und macht daraus Utensilien, die Trendsportler wie Kletterer brauchen können oder die einfach nette Accessoires für trendige Zeitgenossinnen und -genossen sein können - Armbändchen oder Schlüsselanhänger.

Mit global° sprach Junkerdorf über Ihre Motivation als Upcyclerin.

 

Wo kam Ihnen die Idee zu Newseed: Beim Klettern an einer (Fels-)Wand oder beim Ausblick vom Gipfel?

Bettina Junkersdorf : Ich wünschte es wäre so spannend…

 

War's das nicht?

Natürlich bin ich übers Klettern auf die Idee gekommen was aus alten Seilen zu basteln…aber der Zeitpunkt an dem ich wusste, "das will ich machen, da kann ich was Sinnvolles bewegen und so setze ich es um" - also der Kern des Konzeptes… das war am Bahnsteig in Rosenheim auf dem Weg nach München…

 

Also auch ein recht ungewöhnlicher Anfang...

Ja, aber wohin ich unterwegs war, welcher Tag, Monat, keine Ahnung. Ich weiß aber: Ich war unglaublich happy und motiviert.

 

Welchen Seil-Mengen fallen jährlich an und was könnten Sie alles daraus produzieren?

2017 war unser erstes Jahr. Seit März ist mit der "Werkstätte für Menschen mit Behinderung" über eine halbe Tonne nur an Kletterseil zusammengekommen.

 

Wie ging's weiter?

Bis Juli 2018 haben wir bereits weit mehr als eine halbe Tonne Kletterseile gesammelt. Dazu kommen noch haufenweise Klettergurte und weiteres Equipment. Aber trotzdem befinden wir uns noch am Anfang, denn pro Jahr kann man grob geschätzt allein in Deutschland mindestens 11.800 Kilogramm Kletterseil einer neuen Verwendung zuführen und das ist unser Ziel.

 

Wie viele Sammeltonnen wollen Sie noch und wo wollen Sie die aufstellen?

Am besten hat zukünftig jede Kletterhalle nicht nur einen normalen Mülleimer sondern auch eine Recyclingstation für gebrauchtes Equipment. Damit würden wir natürlich riesige Mengen einsammeln können. Diese allerdings müssen dann wiederum auch wieder als neue Produkte unter die Leute, sonst trägt sich die ganze Idee nicht.

 

Sind Ihre Kunden Kletterfreaks oder wer kauft sonst Ihre Armbänder und Beutel?

Zum Teil sicherlich. Wir bieten natürlich auch Produkte nur für Kletterer.

 

Und?

Na ja, die Produkte sind einfach wunderschön! Sogar eine Freundin meiner Grosseltern trägt Kletterseilarmbändchen.

 

 

Upcycling – der neue Trend für mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit gewinnt an zentraler Bedeutung in den Köpfen der Menschen. Sie beginnen nicht nur damit, Produktions- und Anbauprozesse zu hinterfragen, sondern versuchen, Nachhaltigkeit in ihr Leben zu integrieren. Wer der heutigen Wegwerfgesellschaft den Kampf ansagen will, sollte es unbedingt mit Upcycling probieren.

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Gibt es weitere Ideen: Was würden Sie gerne sonst noch alles upcyceln?

Produktideen habe ich haufenweise. Die meisten neuen Produkte schaffen es nicht in den Shop, weil sie vorher schon weg sind.

 

Zum Beispiel?

Unser Fokus liegt definitiv beim Kletterequipment. In den Recyclingstationen können außer Seilen auch noch alte Zelte, Karabiner, Klettergurte oder Bandschlingen entsorgt werden. Zusätzlich sammeln wir Textilien, die als Verschnitt in Firmen anfallen, Verpackungs- oder Lagermaterial und auch der Produktaussteller war einmal ein alter Pfosten. Das sind nette und kreative Ideen, eine greifbare Veränderung zum Thema Nachhaltigkeit, Müllverwertung können wir hier natürlich nicht leisten. Deswegen konzentrieren wir uns im Kern auf eine Sache.

 

Hat Ihr Wirken also "erzieherischen" Einfluss auf Kletterer: Der bewussste Umgang mit der Umwelt scheint nicht immer gut zu funktionieren (Stichwort Müll am Berg, oder Plastik im Ozean)?

Das ist richtig, jedoch würde ich es nicht als erzieherisch bezeichnen.

 

Sondern?

Klettern wird immer mehr zum Boomsport. Die meisten Kletterer sind aber totzdem naturbewusste Menschen und möchten sich die Berge in all ihrer Schönheit bewahren. Wer es nicht ist, bewegt sich zumindest in einer Community, die kein Verständnis dafür hat, Müll zu hinterlassen und wird demnach durch diesen Sport positiv geprägt .

Wir bekommen aber haufenweise Seile, die uralt sind und jahrelang ihr Dasein im Keller gefristet haben, weil jemand eben das Material zu schade findet, um es wegzuwerfen. Nur wissen die meisten nicht, wohin damit.

Ich würde also sagen, ich liefere mit meiner Idee nur eine Möglichkeit das Equipment sinnvoll zu entsorgen. Die zahlreiche Teilnahme am Recycling von Kletterern und das ohne Gegenleistung unsererseits, zeigt das für mich ganz deutlich.


pit

 

 

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