Erwachsene gefährden Zukunft der Kinder

Grafik: Bertelsmann Stiftung

Die Rechnung berappen die Jüngsten: Ihren Wohlstand erkaufen sich die Erwachsenen in den Industrieländern auf Kosten der nachfolgenden Generationen. „Sie gefährden damit nicht nur ihre eigene Zukunftsfähigkeit, sondern handeln auch ungerecht“, urteilen Wissenschaftler der Bertelsmann Stiftung über eine internationale Vergleichsstudie zur Generationengerechtigkeit in 29 OECD-Staaten.

Schulden und Umweltfrevel nennt die jetzt vorgestellte Studie als größtes Handicap für die Zukunft der Kinder: „Schulden, Raubbau an der Natur und eine tiefe Kluft zwischen armen Kindern und wohlhabenden Senioren“, verschärften den Generationenkonflikt.

 

Schuldenlast erdrückt die Kinder schon heute

 

„Auch Deutschland schneidet in dieser Vergleichsbetrachtung nur mittelmäßig ab“, fasst die Gütersloher Stiftung das Ergebnis der Untersuchung zusammen. Während beispielsweise in Estland auf jedes Kind unter 15 Jahren nur 4.600 Euro Staatsschulden entfallen, müsste jedes deutsche Kind bereits heute rund 192.000 Euro an öffentlichen Verpflichtungen schultern. „Das sind im Vergleich nur etwas weniger als im hochverschuldeten Griechenland mit rund 215.000 Euro oder Italien mit 222.000 Euro öffentlichen Schulden pro Kind“, schreibt die Bertelsmann Stiftung über das Ergebnis der Untersuchung.

Die Experten nahmen sich die Verschuldung als Indikator für die Gerechtigkeit der Gesellschaften vor. „Staatsschulden pro Kind sind ein wichtiger Indikator für die zukünftigen Belastungen der arbeitenden Generationen“, beschreiben sie ihren Ansatz. Und die Folgen der hohen Schuldenstände: „Dabei besteht die Gefahr, dass die Belastungen durch weiter steigende Verschuldung und höhere Zinsen bei einer gleichzeitig schrumpfenden Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter noch zunehmen werden.“

Zu den Geldschulden häufen wir auf den Rücken unserer Kinder auch noch die Umweltschäden. OECD-Gesellschaften „verbrauchen“ mehr Natur und ökologische Ressourcen, als es die planetaren Kapazitäten mittelfristig hergeben und belasten dabei auch die nachfolgenden Generationen ihrer und anderer Länder, bringen dies die Wissenschaftler auf den Punkt. Der ökologische Fußabdruck dürfte „mit Blick auf ein generationengerechtes Handeln im globalen Maßstab durchschnittlich eigentlich nicht größer als 1,8 Hektar pro Person sein“. Tatsächlich verbrauche Deutschland derzeit rund 4,6 Hektar pro Person.

 

Kinderarmut ist schon heute eion drängendes Problem

 

Kinderarmut nennt der OECD-Bericht als drittes Kriterium zur Beurteilung der Zukunftschancen der Kinder. Sie schlage sich meist in schlechteren Bildungs-, Arbeits- und Einkommenschancen nieder. Es zeige sich, „dass die nordeuropäischen Staaten die geringste Kinderarmut mit Werten zwischen 3,7 und 7 Prozent aufweisen, während die südeuropäischen Staaten Portugal, Spanien und Italien die untersten Ränge belegen“.

Zu dieser Gruppe gehören auch die USA mit einer Kinderarmutsquote von über 21 Prozent. Deutschland liegt im Vergleich mit einer Quote von 8,3 Prozent dabei relativ weit vorn.

Die Bertelsmann Stiftung sieht Nachholbedarf für Politiker. So sollten etwa umweltbezogene Steuern vermehrt zur Aufrechterhaltung des Wohlfahrtstaates in Zeiten des demographischen Wandels verwendet werden. Sonst sehe die Zukunft unserer Kinder düster aus und werde von „Verschuldung, Armut und ökologischen Krisen“ geprägt, sagt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. „Für die Politik sind diese Ergebnisse ein klares Signal: Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit gehören im 21. Jahrhundert ganz oben auf die Agenda.“

 

 

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