EU will Klarheit am grünen Finanzmarkt

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Die EU setzt auf neue Klarheit im grünen Finanzsektor: Laut bizz-energy will Klima- und Energiekommissar Arias Canete schon im Mai der Kommission Pläne für ein neues Label für Finanzprodukte vorlegen. Ab Herbst 2019 soll die Kennzeichnung Anlegern als Orientierung dienen.

Das Magazin berichtet über ein Gespräch mit dem EU-Kommissar: Demnach will die EU schon im Mai 2018 "den Begriff Nachhaltigkeit klären sowie umweltfreundliche und emissionsarme Investitionen identifizieren".

 

Bessere Orientierung und mehr Investment in Klimaschutz

 

Ziel der Initiative sei es, mit dem EU-Kennzeichen für nachhaltige Finanzprodukte sowohl das Vertrauen der Anleger zu stärken als auch der Staatengemeinschaft einen grünen Investitionsboom bescheren, schreibt bizz-energy. Das Ziel ist klar: Es soll mehr Geld in erneuerbare Energien und den Klimaschutz lenken.

In der EU klaffe, so das Magazin, nach Berechnungen der Kommission eine Investitionslücke von jährlich 180 Milliarden Euro. Sie soll mit dem Vorhaben geschlossen werden, um das Pariser Klimaziel von 40 Prozent weniger CO2 bis 2030 zu erreichen. „Das ist weit jenseits der Kapazitäten des öffentlichen Sektors“, zitiert bizz-energy dazu Arias Canete.

Umso mehr als die Investitionen in den Klimaschutz seit Jahren eher zurück gehen. In Deutschland sanken sie laut Bundeswirtschaftsministerium - so beschreibt das Magazin die Lage von Wind- und Solarinvestitionen - von 25 Milliarden Euro 2010 auf 12 Milliarden im Jahr 2016. "Die Ausgaben der Industrie für Klimaschutz stagnieren bei 2,5 Milliarden Euro jährlich."

„Ohne politischen Rückenwind werden Green Bonds weiter nur ein Nischendasein fristen“, zitiert das Magazin einen Berater von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Green Finance sei für den ehemaligen Premier des Finanzplatzes Luxemburgs ein besonderes Anliegen. Junker knüpfe daran die Hoffnung, nach dem Ausscheiden Großbritanniens neue Finanzgeschäfte auf den alten Kontinent zu holen. Obwohl die Europäische Investitionsbank (EIB) schon 2007 die erste grüne Anleihe herausgab, erreichten Green Bonds erst 2015 ein Emissionsvolumen von 100 Milliarden Euro. In diesem Jahr könnten es nach EIB-Schätzungen 120 Milliarden Euro werden.

 

 

Neues Label soll grüne Investitionen auch lohnender gestalten

 

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Auch Unternehmen stützen das Vorhaben.Bizz-energy: So suchten etwa Kirchen, Stiftungen und Pensionsfonds häufig händeringend nach ethisch und ökologisch unbedenklichen Anlagen. Auch der Industrie sei das Thema nicht gleichgültig. 20 weltweit agierende Konzerne forderten, schreibt bizz-energy, in einem Brief, die EU solle bei der Finanzierung des Klimaschutzes globale Führerschaft übernehmen.

Grund jedoch für den mangelnden Durchbruch grüner Finanzprodukte sei eben gerade das Fehlen eines verlässlichen Regulierungsrahmens. In der Tat kkönnen Anbieter derzeit definieren, was nachhaltig ist. "Um sich ein grünes Etikett umzuhängen, reicht es oft schon, Investitionen in Rüstung, Pornografie, Glücksspiele, Tabak und Atomenergie auszuschließen", beschreibt das Magazin die aktuelle Lage. Zudem scheuten sich Banken und Fonds immer noch, ihren Kunden grüne Finanzprodukte anzubieten. „Auf Grund des höheren Verwaltungs- und Beratungsbedarfs sind sie kostspieliger“, zitiert bizz-energy Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management. Deshalb soll es nun künftig laut EU-Vorgaben das neue Öko-Label für Finanzprodukte Investoren erleichtern, nachhaltige Anlagen zu erkennen, anstatt selbst aufwändige Recherchen anzustellen. Zudem sollen geänderte Rechenschafts- und Eigenkapitalregeln dämpfend auf die Preise grüner Wertpapiere einwirken. Die Kommission umschreibe es vorsichtig mit „Vorsichtspflichten institutioneller Anleger und Vermögensverwalter“ sowie „Feinabstimmung der Kapitalanforderungen für Banken“. Im Klartext: Wenn Banken und Fonds bei Investitionsentscheidungen stärker Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen, erhalten sie einen Bonus auf das Eigenkapital, das Institute vorhalten müssen, um Ausfälle ohne schädliche Folgen für den europäischen Finanzsektor verkraften zu können. Die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards erhöhe den Erfolg grüner gegenüber konventionellen Anlagen und rechtfertige deshalb unterschiedliche Eigenkapitalvorschriften, sagt der Juncker-Berater dem Magazin.


pit

 

 

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