Gentech Soja: Durch die Hintertür auf unseren Tisch

Foto: flickr/HEN Magonza

Beschwerde gegen Gentech-Soja: Das Europäische Netzwerk kritischer WissenschaftlerInnen (European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility, ENSSER) will verhindern, dass die EU-Kommission gentechnisch verändertes Soja von Monsanto genehmigt. Unter dem Markennamen Intacta soll die Bohne vor allem in Brasilien angebaut und als Futter- und Lebensmittel nach Europa importiert werden. Die EU aber habe die Ackerfrucht nur unzureichend geprüft, behaupten die Beschwerdeführer.

Die genetisch manipulierte Pflanze produziert laut Testbiotech „ein Insektengift und ist unempfindlich gegenüber dem Unkrautvernichtungs¬mittel Glyphosat, das unter dem Markennamen Roundup bekannt ist. „Die EU-Kommission hatte die Soja Ende Juni für die Verwendung in Futter- und Lebensmitteln zugelassen, ohne dass die Risiken zuvor ausreichend untersucht worden waren“, schreibt Testbiotech in einer Pressemeldung. Dies gehe aus einem Dossier der Organisation und einem Rechtsgutachten hervor, die der Kommission vorgelägen. „Bei Zurückweisung der Beschwerde besteht nach EU-Verordnung 1367/2006 die Möglichkeit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof“, betont Testbiotech.

 

EU verlangte nur einfache Risiko-Prüfung

 

„Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA winkt die gentechnisch veränderten Pflanzen in einem vereinfachten Prüfungsverfahren durch und die EU-Kommission versagt bei der Kontrolle. Hier wird eklatant gegen geltende EU-Bestimmungen verstoßen“, sagt der Chef der Verbraucherschutzorganisation, Christoph Then. „Unsere Beschwerde soll die EU-Kommission und die EFSA dazu bewegen, dem Schutz von Verbraucherinnen und der Umwelt endlich mehr Gewicht zu geben.“ Es bedeute ein „schwer kalkulierbares Risiko“, dass beispielsweise das Risiko für die Entstehung von Allergien und mögliche Kombinationswirkungen nicht ausreichend untersucht wurde.

Die Beschwerdeführer argumentieren, dass etwa die Rückstände von Spritzmitteln und deren Wechselwirkungen mit dem in den Pflanzen produzierten Insektengift nicht getestet wurden. „Obwohl in verschiedenen Dokumenten der EFSA auf ein möglicherweise erhöhtes Allergierisiko für Kleinkinder und VerbraucherInnen hingewiesen wurde, gab es keine diesbezüglichen Untersuchungen.“

 

Gefahr für Gesundheit nicht ausgeschlossen

 

Weiter führen sie an, Monsanto habe bei mehreren Studien die gängigen wissenschaftlichen Standards nicht eingehalten. Die EU-Kommission habe ebenfalls nicht - wie vorgeschrieben - die Überwachung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen nach der Marktzulassung verlangt.

„In der EU werden gentechnisch veränderte Sojabohnen bisher fast nur als Tierfutter verwendet“, schreibt Testbiotech. Die meisten Lebensmittelhersteller hätten sich verpflichtet, keine gentechnisch veränderten Pflanzen in ihren Produkten zu verarbeiten. Die Marktzulassungen der EU umfasse aber die Verwendung der Pflanzen sowohl in Futter- als auch in Lebensmitteln. Selbst „Hersteller von Babynahrung könnten also gentechnisch veränderte Soja in ihren Produkten einsetzen“, sagen die Verbraucherschützer. „Deswegen müssen entsprechende Risiken von der EFSA bewertet werden, bevor diese Produkte auf den Markt kommen.

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