Giftige Brötchen – dank Glyphosat!

Foto: Wikimedia commons/Bala

70 Prozent der deutschen und fast die Hälfte der europäischen Großstädter haben Glyphosat im Urin. Diese schockierende Nachricht überbrachte jetzt eine Studie des BUND in Zusammenarbeit mit seinem europäischen Dachverband Friends of the Earth (FOE).

 

„Glyphosat, was ist das?“ fragt sich jetzt vielleicht der eine oder andere beunruhigt. Die Unruhe ist berechtigt: Glyphosat ist der Hauptwirkstoff im meist verwendeten Breitbandherbizid der Welt, bestens bekannt unter dem Namen „Roundup“. In Deutschland sind nach Informationen der Albert-Schweitzer-Stiftung weitere 81 glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel zugelassen. Um sich mit dem Pflanzengift zu „infizieren“, braucht es, wie sich nicht erst jetzt herausstellte, noch nicht einmal direkten Kontakt.

 

„Entsprechend seiner Auskunft hatte keiner der von uns untersuchten Stadtbewohner – zum Beispiel in seinem Garten – selbst Glyphosat eingesetzt. Folglich stammen die Belastungen aus Quellen, die der Einzelne nicht zu verantworten hat,“ erläutert Heike Moldenhauer, Expertin für Gentechnik beim BUND. Die Höchstbelastungen sind neben Deutschland in Malta, Polen, Großbritannien und den Niederlanden zu verzeichnen, also vor allem in den Ländern mit der intensivsten Landwirtschaft auf Kosten der Umwelt. „Es wird höchste Zeit, den Pestizideinsatz im Agrarsektor deutlich zu reduzieren“, fordert BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.

 

Die Mär vom harmlosen Gift

 

In den letzten Jahren mehrten sich die Hinweise, dass Glyphosat bei weitem nicht so harmlos ist, wie es tut. Das Unkrautvernichtungsmittel „lähmt“ ein bestimmtes Enzym im Stoffwechsel seiner „Opfer“. Da dieses bei Tieren und Menschen nicht existiert, propagierten Hersteller, Politiker und Landwirte lange Zeit die Mär vom harmlosen Gift. Ein fataler Irrtum, wie sich jetzt nach und nach herauskristallisiert.

 

Foto: Wikimedia commons/Victor M. Vicente Selvas

„Schon in geringen Mengen schädigen Glyphosat und ‚Roundup‘ die menschlichen Embryonal- und Plazentazellen sowie die DNA von Menschen und Tieren. In menschlichen Zellen kann ‚Roundup‘ innerhalb von 24 Stunden zum vollständigen Zelltod führen“, schreibt die Albert-Schweitzer-Stiftung auf ihrer Homepage. Daneben könnten ein Zusammenhang mit Missbildungen bei Neugeborenen und Fehlgeburten sowie ein erhöhtes Risiko für Krebs, Depressionen, Alzheimer oder Diabetes bestehen. Regenwürmer meiden glyphosatverseuchte Böden und auch die giftige Wirkung auf Amphibien ist nachgewiesen.

Foto: Wikimedia commons/Bangin

2017 doppelt so viel Glyphosat wie heute?

 

In Brötchen, Haferflocken und Weizenmehl – in insgesamt 14 von 20 Proben - fand Öko-Test ebenfalls Spuren von Glyphosat. Zu allem Unglück übersteht das Gift im Grundnahrungsmittel also auch noch die hohen Temperaturen im Backofen. Bereits im Jahr 2012 hatte eine Studie der Universität Leipzig Glyphosat im Urin von Testpersonen nachgewiesen. Unklar sei jedoch, wie das Gift den menschlichen Stoffwechsel beeinflusse, erläuterte Professor Dr. Monika Krüger damals gegenüber der Süddeutschen Zeitung. "Wir wissen nicht, welche Mengen für Erkrankungen des Menschen relevant sind“, fügte sie hinzu.

 

In jedem Fall ist das Gift da, und zwar in Massen. „Roundup“, in den Siebziger Jahren vom US-amerikanischen Konzern Monsanto entwickelt, galt als der Durchbruch auf dem Weg zu höheren Ernten und besseren Erträgen. Die weltweite Produktion beläuft sich auf 740.000 Tonnen pro Jahr. 2017 wird sich die Menge verdoppelt haben, prognostiziert die GIA (Global Industry Analysts) in Kalifornien.

 

Risikocheck auf 2015 verschoben!

 

Und was tut die Politik? Trotz der vielen Hinweise auf die Schädlichkeit von „Roundup“ nicht viel. Laut Öko-Test hätte 2012 ein Routine-Risikocheck des Herbizids auf EU-Ebene angestanden. Dieser wurde jedoch auf 2015 verschoben!

 

Zudem nahm das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Studien aus Frankreich und Argentinien nicht ernst, weil es sich bei diesen nicht um „echte“, wissenschaftliche Belege handele. Besonders brisant in diesem Zusammenhang: Der Testbiotech-Report attestierte dem BfR im Jahr 2012 eine „ungesunde“ Nähe zur Agrarindustrie. Und die dürfte von strengeren Auflagen oder gar einem Glyphosat-Verbot schwerlich zu begeistern sein. 

niso

 

 

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