Greenpeace-Plan zum Braunkohle-Ausstieg

Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Greenpeace Energy will die Braunkohle-Tagebaue und -Kraftwerke des RWE-Konzerns im Rheinischen Revier ab 2020 stufenweise übernehmen und bis 2025 stilllegen. Im Gegenzug sollen auf den ehemaligen Tagebauflächen Windkraft- und Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 8,2 Gigawatt entstehen.

Das kündigte Greenpeace Energy jetzt in einer Pressemeldung an. Das Unternehmen der Umweltorganisation will diesen Energieumbau im Rahmen eines Bürgerenergie-Konzeptes umsetzen, an dem sich Bürger privat oder indirekt über Energiegesellschaften beteiligen können.

„Auch kommunale Körperschaften und private Unternehmen können sich finanziell engagieren“, schreibt Greenpeace Energy. Dabei werde regionalen Interessenten ein Vorrang eingeräumt. „Was wir vorschlagen, ist eine Riesenchance für das Rheinische Revier – und bringt uns beim Klimaschutz einen großen Schritt voran“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand des Energieunternehmens. „Unser Konzept ist finanziell fair für alle Seiten und so angelegt, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden können.“

 

Klimaschutz: So soll der Umbau des Braunkohle-Reviers verlaufen

 

Für das Gelingen sei eine Einigung mit RWE sowie staatliche Unterstützung des Strukturwandels wichtig, betont Tangermann laut der Pressemeldung. Greenpeace Energy habe dem Konzern und weiteren Beteiligten von der kommunalen Ebene bis zur Bundesregierung Gespräche zur Umsetzung dieses Plans angeboten.

Konkret schlägt Greenpeace Energy laut der Meldung vor,

  • im Jahr 2020 den Tagebau Hambach und die sechs ältesten und am wenigsten effizienten Kraftwerksblöcke stillzulegen,
  • 2022 den Tagebau Inden und sechs weitere Kraftwerksblöcke,
  • 2025 Garzweiler und die letzten drei Blöcke.

    Insgesamt belaufe sich der Preis dafür auf rund 384 Millionen Euro, zitiert die Pressemeldung Fabian Huneke vom Analyseinstitut Energy Brainpool, das die Wirtschaftlichkeit des Projekts berechnet hat: Dies ergebe sich aus den Gewinnen, die mit den Kraftwerken noch am Strommarkt erzielt werden könnten, bis sie wegen steigender CO2-Preise unrentabel würden.

    Für die anstehenden Aufgaben will Greenpeace Energy mehrere neue Gesellschaften gründen: Eine Betreibergenossenschaft setze das Bürgerenergie-Konzept um und soll auf allen geeigneten ehemaligen Tagebauflächen Windkraft- und Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 3,8 beziehungsweise 4,4 Gigawatt bauen. Die grünen Kraftwerke könnten laut Greenpeac Enery im Jahr 2030 mehr als 15 Terawattstunden Strom – rund ein Viertel dessen, was die Rheinische Braunkohle derzeit liefert, erzeugen. Allerdings sinke die Stromerzeugung aus Braunkohle ohnehin stetig und würde Anfang der 2030er-Jahre unter das Niveau der dort neu geplanten Bürgerenergie-Anlagen fallen.

    Der Aufbau des gesamten erneuerbaren Kraftwerksparks würde nach Berechnungen von Greenpeace Energy rund sieben Milliarden Euro kosten. Es wäre das mit Abstand größte Erneuerbare-Energien-Projekt Europas und dank Skaleneffekten gerade deshalb besonders günstig zu errichten. „So können wir auf eine Vergütung nach dem EEG verzichten und erwarten trotzdem Renditen zwischen fünf und sieben Prozent, wenn man durchschnittliche Marktwerte zugrunde legt“, so Sönke Tangermann. „Vor allem aber können wir für wesentlich mehr erneuerbaren Strom und für mehr Klimaschutz sorgen als sonst auf Basis des EEG möglich wäre.“

    Die Standorte für die Solar- und Windparks will die Betreibergenossenschaft von einer ebenfalls neu zu gründenden kommunalen Flächengesellschaft pachten, in der alle Grundeigentümer organsiert sind.

     

     

    Solar-Kunden fördern Ausstieg aus Braunkohle

    Der Ausbau erneuerbarer Energien biete ausreichendes Potenzial, um „die Braunkohlearbeitsplätze in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen vollständig zu ersetzen“. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).

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    Die Pachteinnahmen belaufen sich in der letzten Ausbaustufe auf jährlich 45 Millionen Euro. Zudem ist die Flächengesellschaft für die Renaturierung zuständig, und über eine Beschäftigungsgesellschaft nimmt sie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Vertrag, die aus der RWE-Braunkohlesparte ausscheiden. Diese können zum Beispiel in der Renaturierung der Tagebauflächen und im Kraftwerksrückbau arbeiten. Andere werden für neue Arbeitsplätze in den erneuerbaren Energien und anderen Branchen weiterqualifiziert. Für ihre Aufgaben erhält die Beschäftigungsgesellschaft Mittel aus einem öffentlichen Strukturfonds, wie ihn auch die Kohlekommission vorschlägt, um den Strukturwandel in den Braunkohleregionen zu finanzieren. In welchem Umfang sich auch RWE finanziell an den Maßnahmen zu beteiligen hat, handeln Staat und Konzern separat aus.

    „Durch den Bürgerenergie-Ansatz mit der weitreichenden Beteiligung regionaler Akteure erfüllt das Konzept zentrale Kriterien, um eine möglichst hohe Wertschöpfung und Arbeitsplatzwirkung im Rheinischen Revier zu erzielen“, urteilt Prof. Dr. Bernd Hirschl vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) „Das Projekt kann wie eine Initialzündung wirken für die Transformation dieser traditionellen Energie-Region in eine Energiewende-Modellregion.“

    Durch die Umsetzung des Greenpeace Energy-Plans würden – im Vergleich zur RWE-Planung – insgesamt 441 Millionen Tonnen weniger CO2 ausgestoßen, wie das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Energy errechnet hat. Dadurch würden gesellschaftliche Folgekosten durch Klimaschäden in Höhe von rund 60 Milliarden Euro eingespart.

    Der positive Effekt für das Klima bleibe auch nicht aus, schreiben die Projekt-Initiatoren: Schon im Jahr 2020 sinken die Emissionen um rund 13 Millionen Tonnen CO2. Bis 2030 werden 338 Millionen Tonnen CO2 eingespart. „Der Greenpeace Energy-Plan zahlt somit direkt auf die 2020er- und 2030er-Klimaziele ein“, sagt FÖS-Experte Florian Zerzawy.


    red

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