31.03.2019

Handelskrieg: USA und China holzen Regenwald ab

Foto: Pixabay CC/Publicomain/charlesricardo

Der Handelkrieg zwischen den USA und China zerstört den Regenwald. Weil die beiden Staaten sich gegenseitig mit Importzöllen befehden, um sich als stärker im Handelsstreit zu zeigen, weichen Hersteller etwa in China inzwischen auf andere Anbauländer etwa für Soja aus. Die Folge: Dort könnte zusätzlich Regenwald für Ackerflächen gerodet werden.

Am Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben nun Wissenschaftler genau diesen negativen Effekt der Muskelspiele der Staatslenker in Washington und Peking nachgewiesen. Sie waren, „vor den dramatischen Auswirkungen, die das für den Regenwald dort haben könnte“.

 

Handelskrieg USA-China tobt nun im Regenwald

 

„Wir befürchten großflächige Abholzungen in Brasilien als Folge des Handelskrieges. In der Vergangenheit hat die steigende globale Nachfrage nach Soja regelmäßig zu Waldrodungen im Amazonasgebiet geführt, um Platz für neue Anbauflächen zu schaffen. Im Jahr 2016 hat China 37,6 Millionen Tonnen Soja aus den USA importiert, die nun aus anderen Quellen bezogen werden müssen. Brasilien ist das einzige Land, das diese gewaltige Nachfrage kurzfristig decken könnte“, schlägt der Klimaforscher Richard Fuchs vom KIT Alarm, der gemeinsam mit seinen Kollegen Calum Brown und Mark Rounsevell vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung, dem Campus Alpin des KIT, sowie weiteren europäischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die möglichen Auswirkungen untersucht hat und nun im Fachmagazin „Nature“ vor den Folgen warnt.

Brasilien sei, so die Experten, mit Abstand der wichtigste Produzent für Sojabohnen, gefolgt von den USA und Argentinien. Rund 90 weitere Länder – inklusive der heimischen Produktion in China – produzierten gerade etwa so viel wie Brasilien alleine.

 

 

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Im Zuge des US-China-Handelskrieges sei, so ermittelten die Forscher, der Anteil von Sojaeinfuhren nach China aus Brasilien auf einen neuen Rekord angestiegen, 75 Prozent aller Sojaimporte Chinas kamen zuletzt aus Brasilien. Soja erde hauptsächlich als Tiernahrung in der Fleischindustrie verwendet, aber auch zunehmend zur Herstellung von Biokraftstoff genutzt.

„Nach unserer Einschätzung wird Brasilien nun versuchen, den zusätzlichen Bedarf Chinas zu decken. Dafür muss es die heutige Sojaanbaufläche um bis zu 39 Prozent vergrößern. Das würde einen Verlust von bis zu 13 Millionen Hektar Regenwald bedeuten, in etwa die Fläche Griechenlands“, erklärt Fuchs im Pressedienst idw: „Die bislang umfangreichsten Waldvernichtungen fanden 1995 und 2004 statt, als jeweils drei Millionen Hektar Regenwald verloren gingen.“

Nehme man diese Raten zur Hand, bräuchte Brasilien nur etwa vier Jahre, um genug Anbauflächen für den Bedarf aus China zu schaffen. Die Wissenschftler fordern daher die Vereinigten Staaten und China dazu auf, ihre indirekte Verantwortung für diese drohende Abholzung anzuerkennen und „sofort ihre Handelsvereinbarungen anzupassen, indem sie Soja von den Zöllen ausschließen“.

Neben einem raschen Gegensteuern der US-amerikanischen sowie der chinesischen Regierung – so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrem Kommentar – könnten auch einige weitere Maßnahmen dazu beitragen, den Druck auf den Amazonasregenwald zumindest teilweise zu verringern. So könnte China mehr Soja aus Argentinien oder der Europäischen Union kaufen und die Sojaproduzenten in diesen Anbaugebieten könnten sich gleichzeitig darum bemühen, ihre Ernten zu steigern. Allerdings müsste dann Europa zuerst seine Haltung zur Gentechnik überdenken, die derzeit einem großflächigen Anbau entgegensteht.

Auch China sollte nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die eigene Produktion steigern. Seit dem Jahr 2000, so schreiben die Wissenschaftler, sank die Anbaufläche in China um etwa 25 Prozent, weil es günstiger war, Soja aus Brasilien und den USA zu importieren und weil die heimische Landwirtschaft unter falscher Bewirtschaftung durch zu hohe Düngung, Bodenerosion und Pestizideinsatz stark beschädigt wurde.

Regierungen weltweit sollten außerdem dem Schutz des verbleibenden Amazonas-Regenwaldes eine höhere Priorität einräumen und entsprechend auf die brasilianische Regierung einwirken sowie Umweltschutzprogramme vor Ort unterstützen. Sollte dies nicht gelingen, würden ambitionierte Klimaschutz- und Biodiversitätsziele auf der Kippe stehen.

Um das Problem wirklich nachhaltig anzugehen, sieht Fuchs aber letztendlich nur eine Möglichkeit: „Der globale Fleischkonsum muss sinken. Eine solche Verhaltensänderung erreicht man unserer Ansicht nach allerdings nicht durch Apelle, Kampagnen oder Nachhaltigkeitszertifikate. Vielmehr müssen die ökologischen Folgekosten durch gesetzliche Vorgaben in Lebensmittel eingepreist werden. Auch Bioenergieprodukte wie Biodiesel müssen teurer werden.“


red

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