Kostbare Ressource: Der Handel mit Sand

Foto. Pixabay CC/PublicDomain/croisy

Sand ist nach Wasser der im größten Umfang ausgebeutete natürliche Rohstoff der Welt. Die Bauwirtschaft kommt ohne die kleinen Körner nicht aus und obwohl man meint, er sei auf der ganzen Welt zu finden, wird er immer knapper und damit auch wertvoller. Das hat auch der Schwarzmarkt erkannt und kriminelle Händler machen mit den kleinen Körnchen viel Geld.

Der Sandabbau hat Konfliktpotential. Nicht nur wegen des Schwarzmarktes, der sich weltweit rund um das neue Öl entwickelt hat. In Indien ist die Sandmafia die größte kriminelle Vereinigung des Landes.

 

Illegaler Sandabbau und Handel mit Maffiamethoden

 

Zwei Drittel der indischen Abbaugebiete haben keine Genehmigung. Während die indischen Behörden die Existenz des illegalen Sandabbaus leugnen, riskieren etliche Sandabbauer ihr Leben für Indiens Bauboom. Obwohl es keine offiziellen Daten gibt schätzen Studien, dass die illegale Sandgewinnung jährliche etwa 127 Millionen Euro generiert. In Vasai Creek zum Beispiel arbeiten rund 75.000 Männer als illegale Sandabbauer. Hier tauchen sie 12 Meter ins Wasser – nur mit einer Metallstange für die Balance und einem Eimer. Trotz Gefahr und mehrerer Todesfälle in den letzten Jahren arebtien die Männer weiter. 13€ bekommen sie für eine Bootladung Sand.

 

In Marokko werden über die Hälfte der Strände abgebaut, 40 bis 45 Prozent davon illegal gestohlen. Männer und Jugendliche fülle Körbe mit Sand und schleppen diese mit Eseln zum Lastwagen. Dann wird er illegal an Bauunternehmen verkauft – oft ohne die nötige Bearbeitung. Der salzige Meeressand muss gereinigt werden, damit der Beton ausreichend stark ist.Der Sand wird für die zahlreichen Hotelbauten gebraucht. Es scheint paradox, da die Touristen wegen der Strände hier her reisen.

 

Auch in Jamaika, Malaysia oder im Senegal ist die Sandmafia aktiv.

Grafik: Trade Machines

Hierzulande ist der Bausektor nicht auf Importe angewiesen. Dank der eiszeitlichen Prägung ist Deutschland reich an Sand- und Kiesvorräten. Dennoch besteht auch hier Konfliktpotential, wie zum Beispiel auf Sylt: Dort versuchen Küstenschützer und Green Peace Aktivisten die Strände mit Sand aufzustocken, um das Sylter Riff zu schützen. Obwohl das Riff seit 2004 unter Naturschutz liegt, betreibt die Hamburger Firma OAM DEME Mineralien dort weiterhin Abbau. Die Saugbagger zerstören den Lebensraum für tausende Meerestiere. Greenpeace versuchte das Riff mit Natursteinen vor den Saugbaggern zu schützen, bis Behörden einschritten und die Abbauarbeiten im Naturschutzgebiet letztendlich gestoppt wurden.

 

Neben dieser positiven Entwicklung, überwiegen jedoch die negativen Konsequenzen für Mensch und Natur. Solange sich keine billigere Alternative für den Betonbau durchsetzt, wird der Vorrat weiter geplündert. Prognosen gehen davon aus, dass es schon bis 2100 keine Strände mehr gibt!

 

Maike Radermacher

 

 

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