Leef: Startup tischt bei Partys nachhaltig auf

Foto: Leef

"Unsere Produkte kommen aus der Natur und gehen wieder vollständig zu ihr zurück", sagt Claudio Vietta über seine Teller und Schalen aus Palmblättern. Sie sind zwar Einwegprodukte - aber sie sind auch echte Kreislaufwaren - statt Plastik, das die Müllberge auftürmt, sind Teller des Berliner Startups Leef vollständig kompostierbar. Sie werden zu Humus, in dem neue Pflanzen wachsen. Der Berliner Unternehmer will damit die Partybranche nachhaltig aufmischen. Wie und warum, sagt er im Interview mit global°

 

Sie machen Teller aus Palmblättern: Gibt es davon genug Rohstoff-Nachschub, den Sie verwerten können, auch wenn Ihre Produktion steigen soll?

Claudio Vietta: Wir verwenden für die Produktion unserer Blattteller ausschließlich Blätter der Arekapalme, die eigentlich für ihre Nüsse angebaut wird. Der Großteil der Blätter wird hier auch heute noch als Abfall verbrannt, obwohl das Produkt in Amerika und Australien schon sehr populär ist. Es ist zwar schon so, dass es hier grundsätzlich eine Grenze an Rohstoffen gibt, doch ist diese noch sehr weit entfernt. Selbst wenn sich das Produkt in Europe weiter etabliert, wird diese Grenze lange nicht erreicht werden. 

 

Wie werden die Blätter haltbar und wie halten sie dicht, wenn Flüssigkeit auf das Geschirr kommt: Nutzen Sie dafür (chemische) Verarbeitungszutaten?

Faszinierend an den Tellern ist, dass wir hier gar nichts machen müssen. Die Blätter haben selbst schon eine wasserabweisende Oberfläche und werden einfach nur in Form gepresst. Ganz ohne Chemie oder andere Behandlung. Das macht sie auch so gut kompostierbar. Wir haben hinter unserer Produktionshalle sogar eine Kuh stehen, die den Verschnitt der Produktion auffrisst. 

 

Ist das Geschirr mehrfach nutzbar oder ist es klassische Einweggeschirr?

Das Geschirr ist Handabwaschbar und kann im Heimgebrauch auch mehrmals verwendet werden. Die Idee ist aber natürlich damit eine Einwegvariante anzubieten, die gänzlich nachhaltig ist und nicht nur nachhaltig wirkt, wie viele der so genannten nachhaltigen Biokunststoffe. 

 

Material, Herstellung und Verwendung: Plus für mehr Nachhaltigkeit

 

Claudio Vietta (re) mit Mitarbeiter aus Indien Foto: Leef

Was mache ich damit, wenn ich keinen Garten und/oder Kompost habe?

Wenn man keinen eignen Hauskompost hat, kann man die Teller einfach in die Biotonne geben. Hier werden sie ja auch kompostiert. Es ist übrigens ein schönes Gefühl wenn man nach einer Dinner- oder Grillparty auf der Terrasse kaum etwas im Restmüll entsorgen muss. Ich denke das immer wieder bei mir zu Hause, wo ich nach einer Einladung früher einen großen Müllsack produziert hätte.

 

Wie groß schätzen Sie Ihr Kundenpotenzial und wer sind diese Kunden?

Momentan beliefern wir noch primär die Gastronomie, Catering und Profigriller. Ich denke aber dass gerade im Heimgebrauch ein großes Potential liegt und das sogar noch eher wegen der schönen Ästhetik als der Nachhaltigkeit. Wenn die eigenen Teller für eine Einladung nicht reichen, gab es hier bisher ja nur die Option von unschönem Plastik oder Papier. Das ändert sich nun.

 

Sind statt Palmblätter auch heimische Rohstoffe denkbar, damit der lange Transportweg entfallen könnte?

Leider nicht. Die Blätter der Arekapalme sind in ihrer Dicke einzigartig und mit nichts vergleichbar, das in unseren Breiten wächst. Die Belastung durch die Transportwege hört sich dabei jedoch schlimmer an als es wirklich ist, da Schiffe mittlerweile sehr effizient transportieren. Der CO2 Ausstoß des Transports eines Vollcontainers mit 180.000 Tellern von Indien nach Deutschland, ist vergleichbar mit dem einer Lastwagenfahrt von Rom nach Frankfurt.

 

Kunden schauen meist auf den Preis: Wie konkurrieren Sie da mit herkömmlichen Plastiktellern?

Mit Plastiktellern können wir preislich nicht konkurrieren. Ich denke das müssen wir auch nicht. Unser Produkt erfüllt zwar die gleiche Funktion, ist dabei jedoch ein ganz anderes Produkt.

Ähnlich wie bei einem bequemen Auto und einem Traktor, können mich beide ans Ziel bringen, doch ist der Weg in letzterem nicht wirklich ein Genuss. Das Essen und dessen Präsentation stehen ja im Zentrum jeder Einladung. Wer hier gutes Essen anbietet, will dieses auch so präsentieren, dass der Verzehr ein Genuss ist. Und das ist selbst beim besten Essen auf einem Plastikteller nicht der Fall. Das gute Gefühl der Müllvermeidung ist dann eher noch das Sahnehäubchen am nächsten Morgen.


pit

 

 

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