Mit dem Essen spielt man nicht!

Müsli-Schüssel; Foto: wikimedia commons/ Evan-Amos

Das Zocken hat ein Ende! Deutschlands viertgrößte Bank, die DZ Bank, steigt aus dem Geschäft mit Spekulationen auf Lebensmittel aus. Dies bestätigte Vorstandmitglied Lars Hille in einem Brief dem Verbraucherportal foodwatch.

 

Die DZ Bank, Dachorganisation von über 900 genossenschaftlichen Banken, und ihre Tochtergesellschaft Union Investment verzichten in Zukunft auf Nahrungsmittelspekulation. Auf Rückfragen von foodwatch erklärte Hille, „dass entsprechende Produkte mit Agrarrohstoffen von uns [DZ Bank und Union Investment] nicht mehr angeboten werden und auch keine entsprechenden Produkte neu aufgelegt werden. Ein Vertrieb von Finanzprodukten anderer Häuser wird nicht mehr vorgenommen.“

 

Die Bank hat bereits die Investitionen in Fonds mit Agrarrohstoffen zum 1. März eingestellt bzw. Produkte ohne festes Laufzeitende von der Börse genommen und zum 3. Juni gekündigt. Ausnahmen sind lediglich Papiere mit Laufzeit bis 2016/17, in denen Kundengelder gebunden sind. Hille erwähnt in seinem Brief, dass auch die fehlende Nachfrage nach solchen Finanzprodukten die Entscheidung des Vorstands und der Stakeholder beeinflusst hat.

 

Lob kommt von Agrarministerin Aigner

 

Mit der DZ Bank und Union Investment wird die Liste der „Aussteiger“ immer länger. Zuvor erklärten bereits die Commerzbank, die Landesbanken Baden-Württemberg und Berlin und die DekaBank der Sparkassen, auf Nahrungsspekulationen zu verzichten. Dies erhöhte natürlich den Druck auf andere große Geldhäuser, allen voran die Deutsche Bank, die an dem lukrativen, aber leider auch oft tödlichen Geschäft festhalten wollen.

 

Lob für die Entscheidung kommt von Agrarministerin Ilse Aigner. Wie spiegel online meldet, sagte ein Sprecher der Ministerin: „Die Entscheidung ist zu begrüßen und setzt ein klares Signal“. Man müsste klar „zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen verstärken können“ unterscheiden, so der Sprecher. Er fügte hinzu: „Wer als großes Geldinstitut angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen auf der Welt hier keinen Unterschied macht, handelt verantwortungslos.“

 

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse von Reinhard Dachlauer; Foto: wikimedia commons/ Eva Kröcher

Wetten, dass der Weizen teurer wird?

 

Das Problem mit den Spekulationen auf Nahrungsmittel ist, dass sie die Preise für Grundnahrungsmittel, wie Weizen, Mais und Soja, künstlich nach oben treiben. In Entwicklungsländern sind Lebensmittel für Menschen mit geringen Einkommen dadurch oft schlichtweg zu teuer. Die Folgen sind Hunger und Unterernährung.

 

Spekulanten bestreiten allerdings den Zusammenhang zwischen ihren Wetten und dem Hunger in der Welt. Eindeutig belegt ist diese These noch nicht und es bedarf aussagekräftiger Studien, um die Politik zum Handeln zu bewegen. Der Vorstand der DZ Bank ist da schon weiter: „Wir begrüßen und fördern es zugleich ausdrücklich, dass die Wissenschaft sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt,“ sagt Hille. JET

 

 

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