Nachhaltig produzierte gesunde Lebensmittel

Berliner Stadtfarm Herzbegre Foto: Topfarmers/ Julia Schmidt

Mit einer neuen Technologie für eine zukunftsfähige Ernährungswirtschaft wollen die Berliner Topfarmers nicht weniger als "die Welt verändern". Seit einigen Jahren erforscht das Unternehmen Aquaponik: Ziel ist die wirtschaftlich sinnvolle Ernährung der stetig weiter wachsenden Weltbevölkerung - die Lebensmittel produzieren die Topfarmers auf möglichst innerstädtischen, gläsernen Betrieben. global° sprach mit einer der Gründerinnen des Projekts: Anne-Kathrin Kuhlemann.

 

Welche Kunden wollen Sie ansprechen?

Anne-Kathrin Kuhlemann: Im Gegensatz zu den meisten anderen Betreibern von Urban Farming Projekten wollen wir keine Technik verkaufen, sondern gesunde, nachhaltige Lebensmittel erzeugen....

 

Wie geht das?

Bei AquaTerraPonik werden Fische und Pflanzen in einem gemeinsamen Wasserkreislauf gezüchtet, wobei unsere Pflanzen in Erdsubstrat wachsen. Da es ein echter Kreislauf ist, wird kein Wasser ausgetauscht, und sowohl Gemüse als auch Südfrüchte wie Bananen oder Maracuja werden erst reif geerntet - die Ware ist unvergleichlich frisch und schmackhaft. Unsere Vermarktung richtet sich daher vor allem an gesundheitsbewusste Endkunden als auch an Gastronomen, die mit lokalen Erzeugnissen arbeiten möchten. Die Nachhaltigkeit (80 Prozent weniger Wasser, 80 Prozent weniger Fläche, 85 Prozent weniger CO2 als konventionelle Ware) ist das Sahnehäubchen.

 

Wieviel Platz benötigt jede Ihrer Stadtfarmen?

Wir haben unsere Technologie auf 2.500 Quadratmeter standardisiert, die Größe lässt sich gut multiplizieren und erzeugt 50 Tonnen Fisch und 30 Tonnen Gemüse und Südfrüchte im Jahr. Wir wollen so gut es geht direkt in städtischen Lagen produzieren, werden aber sicher auch mal an den Stadtrand oder auf Dächer ausweichen, um eine Flächenkonkurrenz mit dringend benötigtem Wohnraum zu vermeiden.

 

African Catfish: der ideale Zuchtfisch für die Stadtfarmen

 

Anne-Kathrin Kuhlemann Foto: Gordon Welters

Und wie lange dauert es bis zur ersten Ernte?

Etwa 9 Monate nach Baubeginn können die ersten Produkte geerntet werden, um die Bevölkerung vor Ort zu beliefern.

 

Was ist das besondere an Ihrem Fisch, warum ausgerechnet African Catfish?

Clara (clarias gariepinus) erfüllt mehrere Kriterien, die für uns unverzichtbar sind: Sie fühlt sich in Aquakultur nachweislich wohl, entwickelt keine Stresssymptome, gerade wenn sie in hoher Dichte gehalten wird. Sie ist nicht überzüchtet, kommt daher ohne Hormone oder präventive Antibiotika aus. Sie kann Futter optimal verwerten, aus 1 Kilogramm Futter wird auch 1 Kilogramm Fisch, selbst wenn sie vegetarisch ernährt wird - da können sogar Insekten nicht konkurrieren. Sie ist nach 5 bis 6 Monaten durchschnittlich 1,2 kg schwer und damit schlachtreif, und liefert ein sehr vielseitiges, leckeres und bissfestes Filet. Deswegen wird sie auch von WWF und Greenpeace empfohlen - wo sonst fast alles gelb und rot in den Fischampeln ist.

 

Wie ist das Preis/Leistungs-Verhältnis im Vergleich zum Einkauf frischer Bioware im Bioladen oder Supermarkt?

Wir liegen preislich knapp unter dem Niveau von Bioware - und das obwohl wir von unserer Anbaumethode her dem biodynamischen Anbau sehr nahe kommen. Bei uns wird außerdem alles von Hand gemacht: Aufzucht, Ernte, Verarbeitung, sogar die Auslieferung unserer Mittagsangebote erfolgt mit dem Fahrrad. Bei aller technischen Überwachung schaffen wir also auch viele Arbeitsplätze und bieten eine Qualität, die es so vergleichbar kaum gibt.

 

Wie groß schätzen Sie das Potenziel ihrer Anlagen und deren Produktion ein?

Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren in zehn Ballungszentren Deutschlands jeweils mehrere Stadtfarmen aufzubauen - dann sind wir immernoch unterhalb des Promill-Bereichs des Marktbedarfs. Aber wir wären dann schon sehr sichtbar und vielleicht überlegt dann auch der ein oder andere Konzern, seine Strategie zu ändern. Das wäre der ideale Impact: 100 Prozent nachhaltig an den Grassroots und 10 Prozent mehr Nachhaltigkeit in der Masse, da hätte unser Planet wirklich viel gewonnen.


pit

 

 

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