Nachhaltiges Obst-Recycling: Marmeladenglas statt Mülltonne

Foto: Unsplash/Ella Olsson

Alles begann mit einer gemeinsamen Vision. Vier StudentInnen setzten sich zum Ziel, wertvolle Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu bewahren. Die vorbildliche Idee, beschädigtes Obst zu verwerten begann als Uni-Wettbewerb.

Mittlerweile entstand daraus „Die Rettermanufaktur – Waste no Taste“, aktuell beheimatet in der Konditorinnung Berlin. Nachhaltige Produkte wie Fruchtaufstriche und Chutneys werden dort mit Hingabe und Kreativität hergestellt und online zum Verkauf angeboten.

 

Nachhaltigkeit betrifft uns alle

 

Der Umweltorganisation WWF zufolge, werden alleine in Deutschland 18 Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen. Pro Jahr. Weltweit liegt dieser Wert bei geschätzt 1,3 Milliarden Tonnen. Zwar werden nicht verkaufte Lebensmittel nicht immer gleich weggeworfen, sondern finden ihren Weg zu Tafeln – Vereine, welche Lebensmittelspenden annehmen und an Bedürftige weitergeben. Jedoch ist es für den Handel meist kostengünstiger, die optisch nicht mehr so ansprechende Ware direkt zu entsorgen. Würde diese als Spende deklariert werden, fällt nämlich die Umsatzsteuer an.

Lebensmittelverschwendung entsteht nicht erst beim Konsumenten selbst, sondern fallweise sogar bereits vor der Ernte. Hier bestimmen vor allem Umwelteinflüsse und die strengen Qualitätsvorgaben des Handels den weiteren Weg der Produkte. Passt die Qualität nicht, sind die erzielbaren Preise oftmals zu gering und die Nahrungsmittel enden als Tierfutter oder werden im Extremfall zu Biogas verarbeitet.

Schätzungen zufolge beläuft sich diese Menge auf 10-50 Prozent der Gesamtproduktion.

 

Foto: UNsplash/ja-ma

Der Prozess des Umdenkens beim Konsumenten kommt langsam in die Gänge und der Begriff Nachhaltigkeit gewann in den letzten Jahren an Bedeutung. Die Vermeidung von Lebensmittelmüll ist sogar Entwicklungsziel der Vereinten Nationen geworden. Ein Vorhaben, das die Pro-Kopf-Lebensmittelverschwendung weltweit um bis zu 50 Prozent senken soll.

Viele Supermärkte geben aktuell bereits nicht verkauftes, beschädigtes Obst und Gemüse billiger ab oder spenden dieses. Dass davon nicht nur Tafeln profitieren, sondern auch neue Produkte entstehen können, beweist ein Berliner Startup.

 

Vom Uni-Projekt zur persönlichen Leidenschaft

 

„Waste no Taste“ entstand im Rahmen des Funpreneur-Wettbewerbs der Freien Universität Berlin. Die vier GründerInnen starteten das Projekt unter dem Credo nichts verschwenden. Das Team bezieht die Zutaten für seine kreativen Produkte von Unternehmen wie Fruitful Office (fruitfuloffice.de) oder Fruiton (fruiton.de). Dort würde das Obst wegen optischer Mängel nicht angeboten werden können.

In der Konditorinnung Berlin beginnt dann die eigentliche Verarbeitung. Dort wird geschnitten, gehackt, kombiniert, gekocht – alles von Hand. Mit Gewürzen aus kontrolliert biologischem Anbau entstehen dabei verschiedenste Endprodukte in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen. Klassische Rezepte werden laut Aussage nicht verwendet. Gekocht wird mit den Zutaten, die zur Verfügung stehen. Darauf folgt die Abfüllung.

Das Team der Gläser und Flaschen GmbH ist selbst begeistert von Selbstgemachtem und stellt deshalb, gemeinsam mit JarJar und weiteren Anbietern die Behältnisse bereit. Versehen mit einem eigens für die Geschmacksrichtungen entworfenen Etikett, unterstützt von ident24, ist das fertige Produkt im Online-Shop erhältlich und bereit für den Versand.

Von der Idee bis zur finalen Umsetzung vergingen acht Wochen. In dieser Zeit wurden viele Unterstützer für das Projekt gewonnen, welche mit Spenden und weiteren Ideen dem Team zur Seite standen. „Waste no Taste“ hat sich vor allem zum Ziel gesetzt, Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln und deren langen Weg bis zum Endverbraucher zu schaffen. Dabei soll und die Wegwerfgesellschaft an die ökologischen Folgen erinnert und zu nachhaltigem Handeln motiviert werden.

 

Steffi Schmidt

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