Öko-Toilettenhäuschen: Mit Sch... Geld verdienen

Kompost-Toiletten: sauber und geruchlos Foto: Ecotoi

„Warum eigentlich Chemie-Toiletten?“, fragten sich Thomas Jakel und seine Freunde. Wer Naturkleidung, Ökowaschmittel oder Bio-Essen kaufe, sei bestimmt auch für ihre neue Geschäftsidee zu begeistern: Die Ecotoiletten Komposttoiletten, die sie bei Musik- und Straßen-Festivals für die Besucher aufstellen, liefern immerhin wertvollen Dünger. Eine Streuschicht aus Rindenschrot und Sägespäne saugt Feuchtigkeit auf und „sorgt für angenehmen Geruch“, sagt Jakel. Übrig bleibt nach den Festen ein prima Bodenverbesserer, der „allerhand wichtige Pflanzennährstoffe“ enthalte.

Begonnen hat alles mit einer Radtour von Berlin nach Indien: Dort lernten Jakel und seine Freunde die sozialen Probleme des Subkontinents kennen – und Kompost-Toiletten. Aus der Erfahrung schmiedeten sie ein Hilfsprojekt und ihre Business-Idee und gründeten ihr Start-up. Heute beliefern sie Baustellen und Weihnachtsmärkte mit ihren Öko-Häuschen für alle Fälle. global° traf Thomas Jakel und sprach mit ihm über Ecotoiletten.

 

 

Wer hatte die Idee, mit Fäkalien Geld zu verdienen?

 

Thomas Jakel: Wir halfen, ein Toilettenprojekt für arme Familien in Indien zu realisieren und überlegten dabei, wie wir humanitäre Projekte im Ausland finanzieren könnten. Uns kam die Idee, ein Projekt zu starten, das die mobile Sanitärversorgung in Deutschland ökologischer macht und gleichzeitig etwas Geld abwirft, das wir in unsere Auslandsprojekte stecken können, um Menschen in Indien und anderen Ländern zu helfen.

 

Klappt das Verdienen denn (schon)?

 

Wir sind natürlich noch am Anfang. Aktuell reinvestieren wir unsere Einnahmen in weitere Toiletten und den Ausbau unserer Infrastruktur. Die kompostierten Fäkalien selbst verkaufen wir auch (noch) nicht als Humusboden.

 

Wäre das das Ziel?

 

Langfristig ist es genau das. Dafür möchten wir natürlich auch Forschung betreiben. Wir sammeln Fakten, die belegen, dass unser Humusboden gefahrenfrei zu benutzen ist:beispielsweise für Energiepflanzen und Baumschulen und später auch für Zier-und Futterpflanzen.

 

Thomas Jakel sitzt in seiner Komposttoilette Foto: Ecotoi

Worin liegt dabei die größte Herausforderung - Technik, Geschäft, Kunden?

 

Bisher hatten wir sehr angenehme Kunden. Die größte Herausforderung ist für uns noch die Infrastruktur und Logistik. Wir müssen uns erst noch einen eigenen Transporter anschaffen, was wir noch diesen Monat tun möchten. Außerdem möchten wir unsere Toiletten natürlich immer weiter verbessern. Erfreulich ist, dass es immer mehr Veranstalter gibt, denen der Nachhaltigkeitsaspekt wichtiger wird und die auch bei der Sanitärversorgung auf ökologische Varianten wechseln wollen.

 

Wie funktioniert eine Kompost-Toilette?

 

Die Idee der ökologischen Toiletten ist es, Urin und Fäkalien nicht mit Wasser in Verbindung zu bringen, damit dieses nicht verschmutzt. Das entlastet energieintensive Kläranlagen und schont Grundwasserspeicher. Bei der Komposttoilette wird einfach nach jeder Benutzung der Toilette eine kleine Menge saugfähiges Streumaterial hinzugegeben: in der Regel Sägespäne oder Rindenmulch - das verhindert Geruch und beschleunigt den späteren Kompostierungsprozess.

 

Wie viel Kompost produziert ein Ecotoiletten-Häuschen und wohin kommt der?

 

Wie viel Kompost produziert wird, hängt ganz von der Anzahl der Nutzer ab. Wir arbeiten meistens mit 75 Liter-Fässern. In Zukunft möchten wir noch größere Behälter nehmen. Wenn die Fässer voll sind, werden die Reststoffe auf einen Kompostplatz gebracht und etwa zwei Jahre gelagert. Das stellt sicher, dass die Krankheitserreger abgetötet werden. Anschließend kann der so entstandene Humus in Baumschulen oder für Energiepflanzen den Boden verbessern.

 

Wo sehen Sie sich und Ihr Geschäft in fünf Jahren?

 

In fünf Jahren werden wir in der Lage sein, grundsätzlich jedes Festival in Deutschland mit mobilen ökologischen Sanitärlösungen zu versorgen. Außerdem soll sich Ecotoiletten bis dahin zu einem Unternehmen entwickelt haben, das nicht nur ökologisch und finanziell nachhaltig ist, sondern auch faire Jobs schafft. Zu guter Letzt ist ein wichtiger Teil unserer Mission, Sanitärprojekte im Ausland zu unterstützen. Wir hoffen, pro Jahr mindestens ein Projekt umsetzen zu können und mehr Menschen Zugang zu sanitärer Versorgung zu ermöglichen.


pit

 

 

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