Online-Welt: Wie nachhaltig und sozial ist das Web?

Für viele Menschen ist der Kauf im Online-Shop eine Selbstverständlichkeit. Foto: Mein Deal/CC0/ Public Domain

In den letzten Jahren ist das Internet für uns eine unerlässliche Komponente des täglichen Lebens geworden. Besonders durch die Verbreitung von Smartphones ist es heute für die meisten Menschen selbstverständlich, einen ständigen Zugang zu Informationen zu haben und mit anderen Menschen via Web zu kommunizieren. Dabei hat sich unser Alltag stark verändert, denn viele Dinge, die vorher einen großen Aufwand bedeutet haben, sind mittlerweile mit wenigen Klicks erledigt.

Das kann einerseits viele Vorteile bringen, hat jedoch auch starke Auswirkungen auf unsere Kommunikation und sogar auf unsere Umwelt. Wir haben uns deshalb gefragt: Wie nachhaltig und sozial ist das Web?

 

eCommerce – Die neue Art einzukaufen

 

Große Handelsplattformen wie eBay oder Amazon haben die Wirtschaft enorm verändert. Was vorher noch von zahlreichen Geschäften des Einzelhandels verkauft wurde, ist nun alles auf einer Website im Internet erhältlich.

Bei Unternehmen wie Amazon findet man tatsächlich fast alles. Angefangen von Büchern, welche zuvor als wichtigste Produktgruppe von Amazon zählten, bis hin zu Kleidung, elektronischen Geräten und sogar Lebensmitteln. Wer nicht weiß, wo er etwas kaufen kann, bestellt es auf Amazon. Aber natürlich ist das nicht der einzige Grund, um online zu shoppen.

Besonders der niedrige Aufwand ist für die meisten Käufer Grund Nummer eins. Von der Couch aus auf dem Laptop oder von unterwegs auf dem Smartphone können sämtliche Einkäufe getätigt werden, das Paket wird dann direkt an die Haustür geliefert. Um seine gewünschten Produkte zu erhalten, muss man sich nicht mehr in das Getümmel einer gut besuchten Einkaufsstraße begeben oder weite Strecken für ein Fachgeschäft auf sich nehmen. Dabei bedenken viele jedoch nicht, dass die Produkte trotz allem oft einen weiten Weg hinter sich legen müssen, denn bestellt werden kann aus aller Welt.

Man bestellt auch gerne mehrere Versionen oder Größen von einem Stück und schickt jene wieder zurück, die nicht perfekt passen. Dabei entsteht vor allem für die Umwelt ein großes Problem. Retouren sind in den letzten zehn Jahren stark angestiegen und viele Händler geben an, dass die Retourbestimmungen ein wichtiger Faktor für potenzielle Käufer sind. Bestellt ein Kunde ein Produkt, sendet es wieder zurück und bestellt eine Alternative, müssen die Pakete dreimal denselben Weg hinter sich legen und das oftmals via Flugverkehr oder im LKW über weite Strecken.

Die Auswirkungen auf die Umwelt sind dabei verheerend. Zusätzlich sind viele der zurückgesandten Güter keine A-Ware mehr, weshalb Händler sie nicht mehr als solche verkaufen können. Eine Infografik von Statista zeigt, dass 55 Prozent dieser B-Ware entweder entsorgt oder recycelt werden muss.

Weitere Problematiken entstehen für den Einzelhandel, der sowohl mit der Auswahl als auch mit dem Preisniveau kaum mithalten kann. Viele Geschäfte müssen daher entweder auf sehr spezielle Nischen umstellen und hoffen, dass ihre Produkte weiterhin genug gefragt sind oder die Preise absenken.

Dies führt jedoch oft dazu, dass sich die Einkünfte der Geschäftsinhaber nicht mehr lohnen. Wer helfen will, diesen Entwicklungen entgegenzusteuern, sollte vor allem bei Produkten, die mit großer Wahrscheinlichkeit zurückgeschickt werden, wie Kleidung und Schuhe, auf den Einzelhandel zurückgreifen. Wer trotzdem im Online-Handel einkaufen möchte, kann auf nachhaltige Onlineshops zurückgreifen.

 

Unterhaltungsbranche wird online

 

Auch im Entertainmentbereich sind die Veränderungen, die durch das Web entstehen, stark spürbar. Während immer mehr Filme gar nicht mehr in die Kinos gelangen, weil dafür größere Kosten auf Produzenten warten, werden viele Inhalte nur auf Plattformen wie Netflix, Hulu und Amazon Prime gestellt, wo Zuseher sie mit einer geringen monatlichen Gebühr jederzeit ansehen können. Auch Spiele werden immer öfter online gespielt, statt dass man sich zu LAN-Partys trifft oder in Offline-Games Multiplayer-Modi nutzt, um gemeinsam zu spielen.

Dadurch hat man zwar täglich mehr Kontakt mit verschiedenen Menschen, denn die Kommunikation wird stark vereinfacht, gleichzeitig werden direkte Treffen immer weniger. Dies hat starke Auswirkungen auf das soziale Verhalten. Die Kommunikation wird dadurch deutlich stärker auf das Wesentliche reduziert.

Auch soziale Medien tragen dazu bei, dass sich unsere Art zu kommunizieren verändert. Das hat aber natürlich nicht nur negative Auswirkungen. Tatsächlich sind viele Menschen durch soziale Medien mit deutlich mehr Menschen verbunden, als noch vor der Zeit von Facebook & Co. Über die Plattformen kann Kontakt mit alten Bekannten wiederaufgenommen werden und selbst bei Freunden im Ausland kann man über deren Profil mehr über ihr Leben erfahren und via Chat jederzeit kommunizieren, ohne teure Telefonkosten zu haben.

Dass sich Menschen nach einem direkteren Kontakt sehnen, kann in vielen Bereichen beobachtet werden. So steigt der Gebrauch der Videotelefonie jedes Jahr an und auch im Gaming-Bereich möchte man möglichst realistische Spielerfahrungen genießen und mit echten Menschen verbunden sein, statt gegen eine KI anzutreten. Immer mehr Spieler wollen z. B. im Live Casino spielen, da hier ein direkter Kontakt per Videostream hergestellt wird. Dabei agieren echte Croupiers vor der Kamera und reagieren auf Züge und Anweisungen der Spieler via Chat.

Der direkte Kontakt macht das Spiel nicht nur interessanter, sondern macht die Erfahrung geselliger – eine Komponente, nach der sich viele Menschen in der heutigen Zeit wieder sehnen.

 

Die neue Arbeitswelt im Web

 

Ein einfacher Laptop reicht oftmals schon aus, um von Zuhause aus zu arbeiten. Foto: Agnieszka Boeske/CC0/Public Domain

Nicht nur in der Freizeit sind wir heute stark mit dem Internet verbunden. Kaum ein Job im Büro kommt noch ohne eine ständige Verbindung aus. Dank des Internets entfernen sich Berufe jedoch langsam, aber sicher vom klassischen Büro, denn viele Unternehmen archivieren alle nötigen Informationen online und kommunizieren genauso. So ist die Anwesenheit in den Räumlichkeiten einer Firma oft gar nicht mehr Voraussetzung, um einen Beruf auszuführen.

Immer mehr Menschen fragen an, mehrere Tage von einem Homeoffice, also von zu Zuhause zu arbeiten, um lange Pendlerzeiten zu vermeiden. Das hat wiederum positive Einflüsse auf den Verkehr während der morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten und reduziert damit Autoemissionen.

Gleichzeitig werden viele Stellen auch gar nicht mehr an fixe Mitarbeiter einer Firma vergeben, sondern von Freelancern übernommen, die auf der ganzen Welt sitzen können. Das gibt jenen Freiberuflern große Freiheiten, da sie beim Arbeiten die Welt bereisen können.

Gleichzeitig werden damit jedoch Löhne in der Arbeitswelt stark gedrückt. Arbeitgeber müssen sie nicht versichern und oftmals auch deutlich weniger Steuern bezahlen, die Verantwortung liegt viel mehr bei den Freelancern. Auch hier sieht man also wieder Vor- und Nachteile im sozialen und umwelttechnischen Bereich.

Das Internet hat zahlreiche Veränderungen in unser tägliches Leben gebracht. Während einige davon sehr wünschenswert sind, müssen wir an anderen Seiten zurückstecken. Eines ist klar: Das Internet wird nicht mehr weggehen. Daher liegt es an uns, für ein soziales und nachhaltiges Web zu sorgen, bei dem die Kommunikation nicht zu kurz kommt und über Konsequenzen bei fahrlässigem Umgang besser nachgedacht wird. Dabei steht unserer Gesellschaft wohl ein langwieriger, aber interessanter Prozess bevor.

 

Steffi Schmidt

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