Outdoor-Kleidung ohne Problemchemie

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Nachhaltige Outdoorausrüstung: Ob der erste Schnee, Ski-Fans auf Berge lockt, oder die letzten Sonnenstunden im Spätherbst noch einmal Wanderer in die Wälder - wer draußen die Natur genießen will, muss sich gegen die Unbill des Wetters schützen. Fatalerweise zwang dies jedoch gerade Naturfreunde bisher zur Entscheidung zwischen Teufel oder Belzebub, denn moderne Outdoorkleidung ist meist mit polychlorierten Chemiekalien imprägniert - die sind alles andere als nachhaltig. Nun jedoch gibt es - endlich - umweltfreundliche Alternativen.

Wandern ist in: Über 8 Prozent der Menschen in Deutschland spazieren monatlich mindestens einmal durch Wald und Flur. Im Urlaub zählt Wandern für über 17 Millionen Menschen in Deutschland zur beliebtesten sportlichen Betätigung. Dabei suchen sie Erholung, beobachten Tiere, pflücken Beeren und Pilze oder erfreuen uns an der Landschaft.

Wandern ist auch ein Wirtschaftsfaktor: Für die dafür nötige Kleidung, ihre Rucksäcke oder Schuhe investieren die deutschen Wanderer jährlich fast 7,5 Milliarden Euro.

 

Ausrüstung der Outdoorkleidung oft mit PBT-Chemiekalien

 

Während die Menschen sich noch vor wenigen Jahren mit dicken Pulloverschichten vor Kälte und mit Ölzeug vor Nässe schützten, setzen sie heute auf moderne Funktionskleidung. Die ist nicht nur leichter. Sie schottet gegen kühlen Wind ab und lässt Regen nicht auf die Haut. Weil der Schweiß verdampft, bleibt der sportliche Naturfreund in dieser Kleidung warm und trocken. Das steigert die Freude am Naturgenuss.

Den Komfort erkauft sich der Outdoorenthusiast aber mit wenig umweltgerechten Hightech-Texttilien. Die Hersteller greifen tief in den Chemiebaukasten, um ein Gewebe wasserdicht und aktmungsaktiv zu weben. Sie benutzen dafür PFC. Das sind Per- und polyfluorierte Chemikalien. Sie machen die Textilie zum Kunststoff. PFC macht sie fett-, wasser- und schmutzabweisend.

Ökologen jedoch warnen seit Jahren: PFC seien "zumindest bedenklich für die Umwelt", sie gelten sogar als "krebserzeugend". Ihre stabilen Bindungen sorgen zudem dafür, dass PFC sich kaum zersetzen und sich daher in der Umwelt anreichern.

Die Outdoorbranche geriet wegen der Verwendung von PFC zunehmend unter Druck. Die Stiftung Warentest, das Ökotest-Magazin oder Aktivisten von Greenpeace prangern die mit den chlorierten Wasserstoffen veredelten Textilien an. Ihr Vorwurf: Sie gehören zur Gruppe der PBT. Das Kürzel steht für Persitenz (die Produkte bleiben unverändert und bauen sich nicht durch chemische, biologische oder physikalische Prozesse ab), Bioakkumulation (sie reichern sich in Organismen durch Aufnahme oder der Nahrungskette an) und Toxizität (sie sind giftig).

 

Seit 2014 gibt es schon PFC-freie Outdoor-Jacken

 

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Immer mehr Hersteller ziehen daher die Reissleine um die Gunst der Kunden nicht zu verscherzen. Schöffel und Mammut waren die Vorreiter. 2017 kündigten auch Gonso und Pinewood an, Ihre Outdoorkleidung PFC-frei auszurüsten. Vaude und Jack Wolfskin wollen laut einem GreenpeaceBlog bis 2020 nachziehen.

Auch wenn noch heute einige Hersteller behaupten, es gäbe keine Alternative zur PFC-Ausrüstung der Stoffe, wenn diese die gewünschten Eigenschaften auf sich vereinigen sollen, gibt es laut einem Blog schon seit 2014 Produktionsverfahren, die auch ohne PFC eine Performance erzeugen, die wasserdicht und atmungsaktiv ist. Mit dem von der deutschen Rudolf GmbH auf den Markt gebrachten Bionic Finish Eco oder dem in der Schweiz entwickelte "Ecorepel" sowie „Purtex WR“ sind sogar drei Alternativen am Start. Alle verzichten auf die Problemchemikalien.

  • Die Bionik-Forschung stand Pate für „Bionic Finish Eco“. Das Verfahren basiert auf hochverzweigten Polymeren, so genannte Dendrimeren mit einer möglichst hohen Dichte von hydrophoben Elementen. Wissenschaftler am Deutschen Wollforschungsinstitut der Rheinisch-Westfälischen TH Aachenprüften „Bionic Finish Eco“. Das Verfahren wenden etwa die Hersteller Sympatex bei Laminaten und Elkline an.
  • "Ecorepel" basiert auf Parafinketten, die sich wie ein „sehr dünner Film spiralförmig um die einzelnen Fasern, Filamente oder Garne legen“ (Herstellerangaben).
  • "Purtex WR" entwickelte Freudenberg New Technologies. Die Polyurethan-Emulsion enthält laut den Entwicklern keine Problemstoffe, sei wasserbasiert und vollständig lösungsmittelfrei.


    pit

     

     

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