RePro-Planer – recyclete Energie

Foto: wikimedia commons/ Ra Boe

Ressourcen werden knapper, die Energiepreise steigen. Wissenschaftler des inter 3 Instituts für Ressourcenmanagement bieten nun eine Lösung an: den RePro-Planer für Kommunen. Er zeigt auf, wie man bisher ungenutzte „Abfälle“, beispielsweise Grünschnitt, Holz und Klärschlamm, in Wertschöpfungsketten einspeist und zur Energiegewinnung heranziehen kann. Oft wird vergessen, dass diese Abfallprodukte nicht nur entsorgt sondern auch wieder verwendet werden können.

 

In Deutschland belasten zwei ganz konkrete Probleme die Gemeinden auf dem Land: Klimawandel und demografischer Wandel. Im Zuge des Klimawandels werden die Sommer heißer und trockener, die Winter nasser. Extreme Wetterereignisse, wie Hitzewellen und Starkregen, nehmen zu. Es drohen verstärkt Ernteausfälle und Waldbrände.

Der demografische Wandel verändert die ländlichen Kommunen insofern, dass die jungen, gut ausgebildeten Menschen abwandern, weil sie in ihrer Heimat oft keine berufliche Perspektive haben. Zurückbleiben die alten und schlecht ausgebildeten Menschen. Das stellt alle Verantwortlichen, politische wie unternehmerische „Macher“, vor große Herausforderung.

 

Die Suche nach Problemlösungen hat bereits begonnen. Das Projekt „RePro – Ressourcen vom Land“ entwickelte einen Lösungsansatz, um die Energieversorgung auf dem Land zu sichern und für die Bevölkerung bezahlbar zu halten. Die Gesamtprojektleiterin von inter 3, Dr. Susanne Schön, bringt die Vorteile auf den Punkt: „Die Zusammenarbeit von Unternehmen, Verwaltung und Wissenschaft stärkt den Kompetenzaufbau in den Regionen bei der intelligenten Nutzung ihrer Ressourcen. Im Endeffekt profitieren Bürger und Betriebe, beispielsweise von stabilen Wärmepreisen. Die Zweitverwertung schont die Umwelt. Und die Wertschöpfung bleibt vor Ort.“

 

 

Foto: wikimedia commons/ H. Link

Ressourcen-Verwertung im ländlichen Raum

 

Forscher der BTU Cottbus, Hochschule Anhalt, TU Berlin und des Berliner inter 3 Instituts für Ressourcenmanagement identifizierten zunächst verschiedene regionale Wertschöpfungsketten, die heutzutage technisch machbar und auch wirtschaftlich betrieben werden können. Grünschnitt und Klärschlamm werden in Strom und Dünger umgewandelt; sie decken den Eigenverbrauch der Gemeinde oder werden direkt vermarktet. Biogas, Abwasser und Restholz liefern Wärme für lokale Nahwärmenetze. Gereinigtes Abwasser ermöglicht den Anbau von Energieholz auf ungenutzten Flächen.

 

Im zweiten Teil des Projekts „RePro – Ressourcen vom Land“ entwickelten die Wissenschaftler ein Instrument für regionale Wertschöpfungsketten. Das neue Planungsinstrument umfasst vier Schritte: informieren, Potenziale erkennen, Aufbau planen, Umsetzung vorbereiten. Gemeinden können mithilfe des RePro-Planers herausfinden, welche Wertschöpfungsketten in ihrer Region vorhanden sind und welche ländliche Ressource erfolgversprechend gefördert werden kann. Daraus leiten sich Projekte ab, die technisch möglich und finanziell lohnenswert sind.

 

Zwei Regionen zeigen wie es geht

 

Im Zuge des Projekts richteten die ländlich geprägten Modellregionen Elbe-Elster in Brandenburg und Wittenberg in Sachsen-Anhalt ihre Wasser- und Energiekonzepte neu aus. Hauptziel der Anstrengungen ist eine gesicherte Versorgung der Bevölkerung unter veränderten demografischen und klimatischen Bedingungen. Die Region Elbe-Elster setzt vor allem auf den Klimaschutz und baut die Nutzung von Abwärme aus, treibt den Ausbau des Nahwärmenetzes voran und plant die Energieholzbewässerung mit Brauchwasser.

 

Andreas Claus, Bürgermeister der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, ist von dem Projekt begeistert und spricht aus Erfahrung: „Es gibt in Deutschland bereits Dutzende funktionierende Beispiele von Nahwärmenetzen. Dennoch sind die Rahmenbedingungen immer unterschiedlich und auf die konkrete Situation vor Ort anzupassen. Dabei haben wir Neuland betreten. Und wir haben mit der Konzentration auf eine Re-Produktionskette einen lokalen Kreislauf entwickelt, der uns künftig unabhängiger macht und vor Ort Wert schöpft.“

 

In der angrenzenden Region Wittenberg planen die Verantwortlichen, bis 2030 ihre Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbarer Quellen zu decken. Eine Restholzverwertung für das Nahwärmenetz Gräfenhainichen ist bereits in Planung. Die beiden Modellregionen zeigen deutlich, wie praxisnah Gemeinden die Herausforderungen der Zukunft angehen und bewältigen können. JET

 

 

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