„Risikoradar“ macht Firmen zu Klimaschützern

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Eine Klima-Kennzahl für Unternehmen: right. based on science (right.), eine Frankfurter Beratungsagentur hat das wissenschaftsbasierte Modell X-Degree Compatibility (XDC) entwickelt. Damit können einzelne Unternehmen berechnen, um wieviel Grad Celsius (°C) sich die Erde erwärmen würde, wenn alle Unternehmen so emissionsintensiv wirtschaften würden wie das betrachtete. global° fragte Geschäftsführerin Hannah Helmke, wie das Modell funktioniert und was Unternehmen damit machen, um künftig weniger klimaschädlich zu wirtschaften.

 

Hannah Helmke Foto: right.

Sie geben Unternehmen mit Ihrem XDC Modell eine Kennzahl an die Hand, die deren Wirkung auf den Klimawandel ausdrücken soll: Wie berechnen Sie den Index genau?

Hannah Helmke : In einem ersten Schritt berechnen wir, wie viele Emissionen in die Atmosphäre bis 2050 gelangen würden, wenn jedes Unternehmen so emissionsintensiv wirtschaften würde, wie das betrachtete. In einem zweiten Schritt berechnen wir dann auf Basis anerkannter Erkenntnisse aus der Klimawissenschaft, zu welcher Erderwärmung diese Menge an Emissionen führen würde...

 

Das führt dann zu welchen Ergebnis?

Die resultierende Gradzahl nennen wir X-Degree Compatibility („XDC“). Sie ist eine wissenschaftsbasierte Vergleichskennzahl für die Risikokategorie Klima...

 

Und das bedeutet?

Hat ein Unternehmen beispielsweise eine XDC von 2.3°C, dann bedeutet das, dass sich die Erde um 2,3°C erwärmen würde, wenn alle Unternehmen so emissionsintensiv wirtschaften würden, wie das betrachtete.

 

 

Klimaschutz ist Billionen Euro wert

20 Billionen Euro: Mit dieser enormen Investitionssumme soll nach aktuellen Berechnungen des International Finance-Corporation (IFC) das jetzt in Kraft getretene Klimaschutzabkommen von Paris die Wirtschaft vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern beflügeln und damit für mehr Arbeit und Einkommen sorgen.

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Wie viel Zeit und oder Geld muss ein Unternehmen investieren, um die Zahl zu kennen?

Die Berechnung der unternehmensweiten sogenannten Standard XDC – also der Basisversion mit Standardannahmen – ist kostenfrei über unsere XDC webApplication möglich. Liegen einem Unternehmen Emissionsdaten und Daten zur Bruttowertschöpfung (EBITDA und Personalkosten) vor, geht das innerhalb von 10 Minuten.

Möchte das Unternehmen die unternehmensweite Standard XDC in Scope 1 bis 3 Kategorien heruntergebrochen haben und sich mit dem Sektor vergleichen, dann kann es eine Lizenz für 1.400 € kaufen.

 

Was kann ein Unternehmen mit dieser erweiterten Version machen?

Die Lizenz enthält auch einen Emissionsreduktionspfad, welcher das Unternehmen auf eine XDC von 2.0°C oder 1.5°C führen würde. Diese Basisauswertung ist eine super Grundlage zur Diskussion der Relevanz und des Nutzens wissenschaftsbasierter Klimametriken für die Klimastrategie eines Unternehmens. Die darüberhinausgehende Arbeit wird nach Aufwand bemessen.

 

Nutzt die Kennzahl einem Unternehmen wirtschaftlich (z. B. Wettbewerbsvorteil, Kundenimage etc.)?

Klimarelevante Risiken etablieren sich derzeit als ein sogenanntes materielles Risiko – also ein Risiko mit Bedeutung für die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens. Dementsprechend reguliert ist die Handhabe dieses Risikos. Unternehmen müssen zunehmend berichten, wie sie selbst betroffen sind und wie sie selbst auf den Klimawandel einwirken. Genau diese Informationen generieren wir. Dabei ist es spannend, mit Banken und Investoren darüber zu diskutieren, wie hohe XDC-Kennzahlen Kapitalkosten steigen lassen könnten. Die XDC könnte auch genutzt werden, um zu bewerten, ob ein Unternehmen gegen klimarelevante rechtliche Regularien verstößt und damit Strafzahlungen fällig werden. Von den Reputationsrisiken eines Unternehmens mit einer hohen XDC in der Situation einer nächsten Naturkatastrophe, die auf den Klimawandel zurückzuführen ist, mal ganz zu schweigen.

 

Ist das Modell auf jede Art von Unternehmen - von Produktion bis Dienstleistung - anwendbar?

Ja, das XDC Modell ist sektorübergreifend anwendbar.

 

Hannah Helmke Foto: right.

Wer sind denn Ihre typischen Kunden?

Typische Kunden sind Unternehmen, die die massiven Anforderungen des Übergangs in das Wirtschaften in einer unter 2°C-Welt erkannt haben. Dies sind Unternehmen der Real- sowie der Finanzwirtschaft.

 

Wie reagieren denn unterschiedliche Branchen auf Ihr Angebot?

Im Dienstleistungssektor haben die Unternehmen meistens eine niedrige XDC. Ihre Herausforderung liegt darin, das Emissionsreduktionspotential durch ihre Lösungen bei Unternehmen mit einer hohen XDC geschickt zu kommunizieren und diesen Markt für sich zu erschließen.

Im Produktionssektor haben die Unternehmen höhere XDC Werte. Ihre Herausforderung ist die Entkopplung von Emissionen und Geschäftsmodell, sodass sie sich entlang rechtlicher und marktwirtschaftlicher Anforderungen einer unter 2°C-Welt entwickeln.

 

Was hat ein Unternehmen (heute und/oder in Zukunft) davon, diese Kennzahl zu kennen: Wie fördert der Index künftig den Klimaschutz?

Beim Übergang in eine unter 2°C-Welt gibt es offensichtlich Gewinner und Verlierer. Die Herausforderung, die damit einhergeht, zu den Gewinnern zu gehören ist definitiv größer als dass erst dann reagiert werden kann, wenn das Wasser bis zum Hals steht. Die Antizipation klimarelevanter Chancen und Risiken zahlt sich also in einem Geschäftsmodell aus, das in den neuen Realtäten funktioniert...

 

...wobei dann Ihr XDC helfen kann?

Die XDC wird gerne als „Risikoradar“ gesehen und motiviert Unternehmen, sich mit morgen zu beschäftigen. Durch die Berechnung der XDC unter verschiedenen Zukunftsszenarien lernen Unternehmen Schritt für Schritt die Klimakrise und ihre Bedeutung für das Unternehmen selbst kennen – das aber in einem Tempo und auf fast spielerische Art und Weise. Die Ergebnisse wirken nicht abschreckend, sondern können mobilisieren.


pit

 

 

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