Urin: zu schade um einfach im Abwasser zu landen

Urin-Sammlung in Amsterdam Foto: Chris Toala Olivare

Pippi als Rohstoff: In Amsterdam startete jetzt die lokale Entwässerungsbehörde Waternet demonstrativ eine Urin-Sammlung. Publikumswirksam machten die Entsorger mitten auf der „Place de la Bourse“ auf den Wert des im Urin enthaltenen Phosphors aufmerksam. Das Mineral soll schon bald knapp und damit teuer sein.

2030, so vermuten Rohstoff-Experten, überschreite die Menschheit den „Peak-Phosphorus“. Dann dürfte Dünger rar und sein Preis astronomisch werden. Rich Heap von der Agentur Future Cities entwickelte daher ein Sammelsystem: Da auch Menschen in ihrem Urin Phosphor ausscheiden, will Heap diesen wertvollen Stoff einfach nur durch den Kanal ins Klärwerk schicken. Er entwickelte mit WAternet eine Aufbereitungsanlage. So sollen die Ausscheidungen gesammelt und der Phosphor zurückgewonnen werden.

 

Auch in Schweden gibt es Urin-Sammelstellen

 

Schon 2014 soll die neue Aufbereitungsfabrik mit der Arbeit beginnen. Dann will Waternet aus dem Urin von einer Million Einwohner in Amsterdam jährlich 1.000 Tonnen Phosphor extrahieren. So soll dem Engpass vorgebeugt werden. „Andere Kampagnen sammeln Kleidung oder Geld, sogar Essen“, begründet Rich Heap, seine Initiative: „Wir wollen den grünen Dünger.“

Mit dem Naturdünger will Waternet die Bepflanzung von Dächern in der Stadt vorantreiben.

Übrigens sind die Niederländer keinesfalls die ersten, die den Wert des Phosphors im Urin ihrer Bürger entdecken. Schon 2002 baute die Verwaltung in der schwedischen Stadt Tanum die Wasserspülungen in öffentlichen Toiletten aus. Der Urin und damit auch der Phosphor soll dort schon lange nicht mehr in die Kanäle fließen. Er wird zurückgewonnen und als Dünger auf den Feldern dienen.


pit

 

 

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