Verbände fordern echten Tierschutz

Müller-Arke, Abel, Höfken Foto: Verbraucher Initiative

Deutschland soll Vorreiter im Tierschutz werden. Doch „bei der zuständigen Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) ist von diesem Geist nichts zu spüren“, prangern jetzt Verbände bei einer Pressekonferenz an.

Für eine artgerechtere Nutztierhaltung habe Ministerin Klöckner bisher noch immer nichts bewegt. Zusammen mit der VERBRAUCHER INITIATIVE machten Vertreter der Landespolitik und des Tierschutzes in Berlin deutlich, was sie von einer glaubwürdigen und zielführenden Politik für artgerechte Nutztierhaltung erwarten. Sie kritisierten, dass die bisherige Nutztierpolitik „aus Verbrauchersicht ambitionslos“ sei. Sie übergehe die Bundesländer, missachte die Erfahrungen bestehender alternativer Haltungssysteme und ignoriere die Erfordernisse des Tierschutzes.

Bundesgeschäftsführer Georg Abel von der VERBRAUCHER INITIATIVE machte bei der Veranstaltung in Berlin deutlich, dass ein „Tierwohllabel kein Ersatz für starkes Handeln ist“. Er betonte vielmehr: "Verbraucher warten nicht auf ein weiteres Label, sondern auf echte Verbesserungen für die Nutztiere in den Ställen." Deshalb müsse die Bundesministerin endlich ein tragfähiges Konzept für die Finanzierung dieses gesellschaftlichen Anliegens vorlegen. "Wie es den Tieren in deutschen Ställen geht, darf nicht allein vom Geldbeutel der Verbraucher abhängen. Die Ministerin muss auch Verarbeiter, Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie in die Pflicht nehmen", sagte Abel.

 

Unnötige Qualen für die Tiere zum Wohl der Menschen

 

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken kritisierte die Planungen der Bundesregierung beim Tierwohllabel: "Die Verzögerungspolitik der Bundesministerin hat nun dazu geführt, dass die Handelskonzerne selbst das Heft des Handelns übernommen haben und den Tierhaltern die Vorgaben machen. Da versagt die Politik. Das Bundesernährungsministerium sieht auch nach jahrelanger Ankündigungspolitik nur ein freiwilliges Label vor. Was wir brauchen, ist ein verbindliches staatliches Tierwohllabel, wie es selbst der Lebensmitteleinzelhandel fordert, um Wettbewerbsverzerrungen auch zu Lasten unserer Landwirtschaft zu vermeiden."

Zudem müsse ein Label leicht verständlich sein, um für die Verbraucherinnen und Verbraucher an der Ladenkasse für tatsächliche Transparenz zu sorgen, so Höfken weiter. "Das Label des Bundes läuft hier in die entgegengesetzte Richtung: Die Entwürfe sind kompliziert und nicht nachvollziehbar.“ Dabei liege die Lösung auf dem Tisch: Die vierstufige Haltungskennzeichnung bei Frischeiern sei bei Verbraucherinnen und Verbrauchern bekannt und etabliert. Daher setze sich Rheinland-Pfalz seit Jahren für eine einfache Haltungskennzeichnung für Frischfleisch analog zum Eierkennzeichnungssystem ein.

 

 

Tierschutz: 10 Jahren im Grundgesetz verankert

Zehn Jahre Tierschutzgesetz in Deutschland und noch immer zu viel Antibiotika im Stall: Anlässlich der Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz am 26. Juli 2002 kritisiert BUND-Chef Hubert Weiger jetzt Agrarministerin Ilse Aigner.

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Dieses berücksichtige auch die Bio-Zertifizierung in der höchsten Stufe. „Denn 'Bio' ist der einzige EU-weit gesetzlich festgeschriebene Standard für mehr Tierwohl", erklärte die Umweltministerin.

Ina Müller-Arnke, Agraringenieurin und Nutztierexpertin bei VIER PFOTEN Deutschland: "Die Situation der Nutztiere in Deutschland ist katastrophal. Es mangelt an allem, was eine konsequente Tierschutzpolitik ausmacht.“

Schwer verletzte Tiere, die gar nicht mehr hätten transportiert werden dürfen, würden am Schlachthof angeliefert, Millionen Schweine, schilderte Müller-Arnke, würden jedes Jahr verstümmelt. „Sie werden ohne Betäubung kastriert und ihnen wird der Ringelschwanz abgeschnitten. Sauen werden über Wochen in enge Käfige gesperrt.“

Die Verantwortlichen in der Bundesregierung müssten diesen tierschutzwidrigen Bedingungen endlich ein Ende setzen. Mit einer Gesetzgebung, die auch gelebt wird und Tierschutzaspekte deutlich stärker berücksichtigt, einer finanziellen Förderung von Betrieben, die auf tiergerechte Haltungsverfahren umstellen, und einem nationalen Tiergesundheitsmonitoring könnte allen sogenannten Nutztieren in Deutschland geholfen werden. „Mehr Transparenz für Verbraucher würde durch die Einführung einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung flächendeckend gewährleistet und könnte zu einem positiven Wandel in der landwirtschaftlichen Tierhaltung führen", ist sich die Tierschützerin sicher.


red

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