Chinas Politik: Wachstum vs. Klimaschutz

Zementfabrik in der chinesischen Provinz Kunming Foto: Paula Liersch/Uni Göttingen

Enormes Wachstum bei weltweit größtem CO2-Ausstoß - Chinas Wirtschaft geht es prächtig. Sie soll auch in Zukunft wachsen. Auf ein verbindliches Ziel zur Reduktion von Kohlendioxid-Emissionen möchte sich die Führung der Volksrepublik nicht festlegen: Das gefährde sonst das Wachstum und die Reduzierung der Armut im Land. So wird aber auch gleichzeitig das ehrgeizige Ziel verfehlt, die Emissionsintensität der Wirtschaft zu senken.

 

Ursprünglich hatte sich China vorgenommen, die Emissionsintensität seiner Wirtschaft (Emissionen pro Dollar Wirtschaftskraft) zwischen 2005 und 2010 um 40 bis 45 Prozent zu senken. Ein internationales Forscherteam fand nun heraus, dass die Emissionen im Gegensatz dazu von 2002 bis 2009 noch um drei Prozent angestiegen sind. Das berichtet jetzt die Fachzeitschrift Nature Climate Change. Somit ist China seit 2009 der größte CO2-Emittent unter den Industrienationen.

 

Seit 2005 keine Fortschritte bei Chinas CO2-Reduktion

 

„Eine Reduzierung der Emissionsintensität kann erreicht werden, indem Energie effizienter genutzt wird, auf erneuerbare Energiequellen gesetzt wird oder Wirtschaftssektoren gefördert werden, die wenig Emissionen verursachen“, erklärt Prof. Stephan Klasen, Göttinger Entwicklungsökonom und Mitautor der Studie.

Seit 2005 hätte es in China aber keine Fortschritte mehr gegeben, so der Wissenschaftler. Gemeinsam mit Kollegen aus den USA, China und Großbritannien, untersuchte Klasen, wie es zu dieser Verschlechterung kommen konnte. Zwar wurde die Energienutzung in vielen Wirtschaftssektoren in Chinas Provinzen effizienter gestaltet, „die Verbesserung der Effizienz wurde aber in vielen Provinzen überkompensiert durch eine Verlagerung der Produktionsstruktur hin zu Sektoren, die besonders viele Emissionen generieren, wie beispielsweise die Schwer- und Bauindustrie oder der Energiesektor“, erläutert Klasen.

Durch Wachstums- und Investitionsstrategien förderten die Provinzverwaltungen die Produktion in emissionsintensive Sektoren. „Durch diese auf quantitatives Wachstum orientierte Politik der Provinzen wurde das Ziel, die Emissionen pro Wirtschaftseinheit zu verringern, konterkariert. China wird so seine Klimaziele nicht erreichen“, stellt Klasen fest und fordert, dass viel mehr Anreize gesetzt werden müssten, um die in der Produktion verwendete Energie effizienter zu nutzen und weniger Emissionen im Produktionsprozess zu generieren. JET

 

 

Lesen Sie auch:

 

China kann trotz Wirtschafts-Boom Klima schonen

Preis des Wirtschafts-Booms: Smog über China

Chinas Problem mit Schwermetall-Belastungen

Most Wanted

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Warwick333

Handy-Daten überführen Nashorn-Wilderer

Mobilfunk-Daten vermasseln Wilderern in Südafrika das blutige Geschäft: In einem Prozess vor dem...


Foto: Pixabay CC/PublicDomain/toromeart

Haie verhungern wegen zu vieler Touristen

Armer weißer Hai: Touristen sind mitverantwortlich dafür, dass die Jäger der Meere vom Aussterben...


Filmplakat

Film-Tipp: "Guardiens of the Earth"

Als wir entschieden die Erde zu retten. Willkommen auf dem Klimagipfel zur Rettung der Erde: In nur...


Neu im global° blog

Foto: Gemeinfrei

FBI soll gegen EPA-Chef ermitteln

In den USA ziehen die Demokraten die Daumenschrauben bei EPA-Chef Scott Pruitt fester: Im...


Grafik: Codepink

Shakira sagt Israel-Konzert ab

Nur wenige Stunden, nachdem wir unser Video hochgeladen hatten, in dem wir Shakira baten, ihr...


Foto: MIT

Mobilität: Autonome Boote aus dem 3D-Drucker

Forscher des MIT-Labors für Informatik und künstliche Intelligenz (CSAIL) und der Abteilung für...


Folgen Sie uns: