Agrarrohstoffe: Kunststoff vom Acker

Stroh: Rohstoff für neue Kunststoffe Foto: ap/Stefan Schmidt

Zum Verbrennen zu schade: Aus Weizenstroh lässt sich nicht nur Energie gewinnen. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung (IAP) in Potsdam-Golm gelang es jetzt, aus dem Abfall vom Feld Kunststoffe zu produzieren.

2,8 Millionen Euro ließ sich das bandenburgische Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten die Förderung des Projekt Lignos kosten. Ziel war die Biopolymergewinnung durch neue biotechnologische Verfahren.

Die Wissenschaftler beschäftigten sich mit dem Aufschluss von Lignocellulose, die in Pflanzenzellwänden enthalten ist. „Mit Hilfe optimierter Vorbehandlung und enzymatischer Konversion wird die Lignocellulose fraktioniert und kann zur Herstellung biobasierter Kunststoffe genutzt werden“, beschreiben sie ihren Ansatz. Sie arbeiten dafür mit Stroh vom Weizenacker, da es eine große Menge Lignin enthält und zugleich in Deutschland in so großen Mengen abfällt, dass es nicht wieder vollständig für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden kann.

 

Vorteile der stofflichen Verwertung von Weizenstroh

 

Die Forschungsergebnisse lassen durchaus hoffen. Die Liste der Vorteile des IAP-Verfahrens lesen sich interessant:

„• Die eingesetzte Biomasse (Weizenstroh) war fast vollständig in Lignin und Saccharide (Zuckermoleküle unterschiedlicher Art) konvertierbar.

• Das bei relativ niedrigen Temperaturen ablaufende Verfahren ist zudem energetisch und ökologisch deutlich günstiger als die klassische Zellstoffkochung

• Die erhaltenen hochwertigen Lignine sind physiologisch unbedenkliche Biopolymere. Sie eignen sich für die Herstellung zahlreicher Kunststoffprodukte (z.B. Thermoplaste zur Fertigung von Formkörpern, Duroplaste zum Gießen besonders temperaturstabiler Formteile und biogene Schmelzkleber für industrielle Anwendungen).

• Die zudem durch enzymatische Spaltung der Polysaccharide Cellulose und Hemicellulose

gewonnenen Zuckermoleküle eignen sich sowohl für Bioraffineriezwecke, als auch prinzipiell für Anwendungen im Lebensmittelbereich.

• Als ebenfalls zukunftsträchtig erscheint die Gewinnung von Zuckerbausteinen für die Herstellung biobasierter Kunststoffe, wie z.B. Polymilchsäure.“


red

 

 

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