Appell aus Landau: Freie Wissenschaft für alle!

Foto: flickr/FrÄulein Schiller

Haben Sie sich auch schon mal geärgert, wenn in einem Artikel auf eine wissenschaftliche Studie verlinkt wurde und sich dann herausstellte, dass davon nur die Zusammenfassung frei verfügbar war? Während das Einsehen vom Rest kostenpflichtig war? Dann geht es Ihnen wie vielen von uns.

 

Der persönliche Ärger ist das eine- doch das Zurückhalten wissenschaftlicher Inhalte sorgt auch für echte Probleme, weiß Juniorprofessor Ralf B. Schäfer vom Institut für Umweltwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau. „Die Wissenschaft lebt von der Verbreitung und Diskussion neuer Ergebnisse, doch die Rohdaten sind selten verfügbar und neue Artikel erscheinen meist nur in kostenpflichtigen Fachzeitschriften“, erläutert er. „In der Folge fehlen Forschungsgruppen oft aktuelle Ergebnisse ähnlicher Projekte, wodurch sie gleiche Problemstellungen ein zweites Mal lösen müssen.“ Die Folge: Die Forschung, etwa zum Umwelt- und Gewässerschutz, geht lange nicht so schnell voran wie sie könnte- von der Verschwendung öffentlicher Gelder ganz zu schweigen.

 

Zentrales Internet-Informationsportal gefordert

 

Wo wir gerade beim Geld sind: Davon verlangen Verlage immer mehr, während Universitäten und Forschungseinrichtungen immer weniger haben. Folge: Sie können sich die Kosten für die neuesten Veröffentlichungen schlicht nicht leisten. Die Veröffentlichung in frei zugänglichen Fachzeitschriften ist ebenfalls alles andere als gängige Praxis. Schäfer: „In Deutschland wäre ein zentrales Internetportal für alle sicherheitspolitisch oder datenschutzrechtlich unbedenklichen Daten wünschenswert.“ Deren unproblematisches Einsehen sei das gute Recht eines jeden Bürgers, der ja über Steuergelder für die Forschung mit aufkomme.

 

Die Betonung liegt auf „unproblematisch“- denn eigentlich steht es laut Umweltinformationsgesetz jedem Bürger zu, innerhalb von ein von zwei Monaten über die von ihm gewünschten Informationen in Kenntnis gesetzt zu werden. In der Praxis kann dies jedoch bis zu einem Jahr dauern. Das muss sich ändern, sind sich die Wissenschaftler einig.

 

Schließlich geht es nicht nur um Informationsfreiheit, sondern auch um mehr Sicherheit: Wer will schon erst Monate später von giftigen Substanzen oder schwer belasteten Lebensmitteln in der Umwelt erfahren? Hier könnten auch soziale Netzwerke mithelfen, Sicherheitsrelevantes möglichst schnell und weitreichend zu verbreiten. Gerade in Entwicklungsländern hat sich diese Praxis bereits durchgesetzt: In El Salvador etwa sollen künftig Smartphone-Apps in Bananen- oder Zuckerrohrplantagen auf Risikogebiete mit hohem Pestizideinsatz hinweisen- dieser steht als Hauptursache für die Niereninsuffizienz vieler Plantagenarbeiter unter Verdacht.

niso

 

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