Bienen sorgen für geschmackvollere Erdbeeren

Foto: Alexander Wietzke/Uni Göttingen

Geschmackvollere Erdbeeren durch Bienen: Ein interdisziplinäres Forscherteam der Universität Göttingen konnte erstmals zeigen, dass die Blütenbestäubung durch Bienen eine deutlich bessere Fruchtqualität bewirkt als bei Selbstbestäubung.

Während Umweltschützer und speziell Insektenforscher den starken Rückgang der krabbelnden und fliegenden Tiere beklagen, belegen Wissenschaftler jetzt erneut deren nützlichen und sinnvollen Beitrag. "Die Insektenbestäubung hat einen entscheidenden Einfluss auf die hormonellen Prozesse während der Fruchtentwicklung, die im Vergleich mit Früchten aus eigenbestäubten Blüten zu einem typischeren Geschmacksergebnis führen", schreiben die Forscher in einer Pressemeldung über ihre Studie.

 

Bienen sparen Geld und garantieren bessere Ernte

 

Zwar erziele, so die Wissenschaftler, die aufwändige Bestäubung per Menschenhand qualitativ ähnlich gute Früchte. Sie sei jedoch "umständlich, teuer und zeitintensiv". Sie uziehen daher den schluss ausihrer Forschung, dass "nur die Insektenbestäubung der steigenden Lebensmittelnachfrage gerecht werden sowie Ertrag und Qualität der Produkte und damit ihre Vermarktbarkeit garantieren" könne.

Etwa ein Drittel der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion stammt, so erklären die Wissenschaftler in Göttingen, von Kulturfrüchten, deren Ertrag durch Tierbestäubung, insbesondere Insekten, deutlich verbessert werden kann: "Studien zu Erdbeeren, Äpfeln, Zuckermelonen, Ackerbohnen und Raps konnten diesen Zusammenhang bereits belegen." Bislang jedoch sei nur wenig darüber bekannt, welchen Einfluss die Insektenbestäubung auf die pflanzenphysiologischen Prozesse – also die Lebensvorgänge in der Pflanze – während der Fruchtentwicklung und die damit zusammenhängende Fruchtqualität und Vermarktbarkeit habe. Das untersuchten nun die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Abteilungen Agrarökologie, Molekulare Phytopathologie und Qualität pflanzlicher Erzeugnisse.

 

Grafik: Uni Görttingen/Alexander Wietzke

Ihre Versuche: Auf einem Erdbeerfeld in der Nähe Göttingens wurden für diesen Zweck verschiedene Bestäubungsvarianten miteinander verglichen: Die Selbstbestäubung ist die Übertragung des eigenen Pollens der Blüte ohne das Zutun von Tieren. Bei der Handbestäubung erfolgt eine manuelle Bestäubung mit Pollen derselben Blüte durch Menschenhand mithilfe eines Pinsels. Die offene Bestäubung bezeichnet die Pollenübertragung durch Insekten und in geringeren Anteilen auch durch Wind.

 

Qualität der Ernte wird durch Bienen-Befruchtung besser

 

Ihr Ergebnis: Die Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass Selbstbestäubung zu kleineren und leichteren Erdbeerfrüchten führt.

Zudem waren über 90 Prozent dieser Früchte deformiert, wiesen eine kürzere Haltbarkeit auf und hatten folglich den mit Abstand geringsten Handelswert.

Fazit: Insektenbestäubte Blüten entwickelten sich hingegen zu wohlgeformten, schwereren und größeren Früchten, welche einen um 92 Prozent gesteigerten Handelswert aufwiesen. „Insekten- und Handbestäubung führte zudem, wie anhand des Zucker-Säure-Verhältnisses nachgewiesen wurde, zu einem sortenspezifischeren Verhältnis von Geschmackskomponenten in der Frucht“, erklärt dazu Inga Smit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Qualität pflanzlicher Erzeugnisse.

Diese Resultate führen die Forscherinnen und Forscher auf einen deutlich verbesserten und gleichmäßigeren Bestäubungserfolg – Fruchtansatz – durch Insekten- und Handbestäubung zurück. "Er resultiert in einer signifikant erhöhten Produktion des Phytohormons Indol-3-Essigsäure", beschreiben sie in ihrer Pressemeldung über die Studie: "Das Hormon ist maßgeblich an der Fruchtentwicklung der Erdbeere und vieler anderer Früchte beteiligt."


pit

 

 

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