Biomasse: Energiequelle und Gesundheitsproblem

Die arbeitsgruppe um Prof. Reto Gieré an der Univeresität Freiburg Foto: Biocombust

Biomasse gilt als Baustein der Energiewende. Es ist ein nachwachsender Rohstoff, seine Verbrennung daher klimaneutral. Dennoch entstehen aber Partikel, die in die Luft geraten und die wir einatmen. Sie können potenziell auch krank machen. Deshalb untersuchen Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz deren Wirkung in ihrem internationalen Projekt Biocombust.

„Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen sowohl die Partikelemissionen als auch die zurückbleibenden Aschen der Biomasseverbrennung“, erklärt Sophia Noz das Projekt. Der Fokus liegt auf den Auswirkungen der Biomasseverbrennung auf die Luftqualität in der Oberrheinregion und auf die menschliche Gesundheit.

 

Biomasse-Öfen: Feinstaubbelastung überwiegt jene aus Verkehr

 

 

Prof. Reto Gieré Foto: Uni Freiburg

Neben der Grundlagenforschung organisieren die Forscher unter dem Slogan „Wissenschaft hautnah“ Veranstaltungen und informieren über ihre Biomasse-Plattform. Die EU fördert die Forschung mit einer Million Euro aus dem Programm Interreg IV über zweieinhalb Jahre. Im April 2015 erklären die Wissenschaftler in Straßburg ihre Ergebnisse. Schon jetzt konnte global° mit Projektleiter Reto Gieré von der Freiburger Albert-Ludwigs Universität über Biocombust sprechen.

 

Biomasse gilt als ein wichtiger Baustein im Puzzle der Energiewende. Sie ersetzt Kohle und Atomstrom. Aber sie verschmutzt die Luft. Wie groß ist dieses Problem?

 

Reto Gieré: Wir haben Daten vom Bundesumweltamt, die besagen, dass seit 2010 die Feinstaubbelastung durch Biomasseverbrennung höher ist als durch den Straßenverkehr.

 

Ist das schlimm?

Man kann das natürlich nicht vergleichen mit der Luftverschmutzung, die in vielen asiatischen Ländern herrscht. Aber bei ungünstigen Wetterlagen, besonders in Tälern und Niederungen, sammeln sich die Partikel in der Luft und führen zu beträchtlichen Belastungen, besonders im Winter während der Heizperiode.

 

Treiben wir in der Euphorie der Energiewende den Teufel mit dem Belzebub aus?

 

Biomassenutzung spielt für den bei der Energiewende wichtigen Energiemix eine kleine aber entscheidende Rolle. Neben der Vergasung von Biomasse ist die Verbrennung von Holz und Pellets eine leicht steuerbare Energiequelle, die im besten Fall lokal produziert und genutzt wird...

 

...und welche Nachteile hat Biomasseverbrennung?

Wir sollten uns mit den möglichen Effekten auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit rechtzeitig auseinander setzen bevor man alte Probleme durch neue ersetzt.

 

Problem sind vor allen die privaten Öfen und Kamine

 

 

Schadstoffquelle Ofen Foto: Biocombust

Wie können wir dem Problem begegnen?

Die größeren, industriellen Verbrennungsanlagen sind mit guten Filtertechniken ausgerüstet. Mechanische und elektrostatische Filter reinigen die entweichenden Emissionen sehr gut und man kann mit der Abluft aus den Öfen zufrieden sein.

 

Und die Privat-Öfen?

Schwieriger ist es mit der privaten, unkontrollierten Verbrennung: die richtige Nutzung des Ofens und des Brennstoffes sind entscheidende Parameter, die jeder einzelne Nutzer eines Kamins oder Kachelofens beachten sollte.

 

Was hat gerade die Wissenschaftler in der Region am Oberrhein für dieses Problem sensibilisiert?

Die grenzüberschreitende wissenschaftliche Zusammenarbeit birgt viel Potential. Die unterschiedliche Expertise unserer Projektpartner beiderseits des Rheins ist bei einem vielschichtigen Thema, wie das der Biomasseverbrennung und der Effekte auf die menschliche Gesundheit, unerlässlich. Es ist eine besonders schöne Aufgabe mit der eigenen Forschung einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zu leisten, damit die Lebensqualität in der Oberrheinregion erhalten bleibt.


pit

 

 

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