Bioplastik ist auch nicht die beste Lösung

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Auch nicht unbedingt das „Gelbe vom Ei“: Wissenschaftler der Universität Bonn fanden jetzt heraus, „dass eine Umstellung auf pflanzenbasierte Kunststoffe weniger positiv wirken könnte als gedacht“.

IN einer Pressemeldung des Informationsdienstes der Wissenschaft (idw) berichten sie über ihre Studie, die sie im Fachblatt Environmental Research Letters veröffentlichten. Deren Fazit: Eine steigende Nutzung von Bioplastik dürfte demnach „den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen zunächst sogar erhöhen“.

 

NAchwachsende Rohstoffe verdrängen CO2-Speicher Wald

 

Im Gegensatz zu Kunststoffauf Erdölbasis sei Bioplastik nahezu klimaneutral, da es auf nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Weizen oder Zuckerrohr basiere. „Für ihr Wachstum benötigen diese Pflanzen Kohlendioxid, das sie der Luft entnehmen“, erklären sie den Produktionsprozess: „Die Herstellung von Biokunststoffen verbraucht daher CO2, und zwar genauso viel, wie später bei ihrer Verbrennung oder Verrottung wieder frei wird.“

Bioplastik werde daher gerne als umweltfreundliche Alternative vermarktet.

Zumindest beim heutigen Stand der Technik sei die Sache nicht so klar wie oft angenommen, revidieren die Wissenschaftler dann aber: „Die Erzeugung großer Mengen Bioplastik verändert die Landnutzung“, sagt etwa Neus Escobar vom Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik in Bonn. „Global gesehen könnten dadurch zum Beispiel vermehrt Waldflächen zu Ackerland umgewandelt werden. Wälder binden aber erheblich mehr Kohlendioxid als etwa Mais oder Zuckerrohr, schon allein aufgrund ihrer größeren Biomasse.“

Dass dieser Effekt keine theoretische Spekulation ist, zeigen die Erfahrungen mit Biokraftstoffen. Die steigende Nachfrage nach der „grünen“ Energiequelle hatte in manchen Ländern massive Waldrodungen zur Folge.

 

Umstellung auf Bioplastik wird 20 Jahre dauern ehe Effekte werzielt sind

 

Escobar und ihre Kollegen Salwa Haddad, Jan Börner und Wolfgang Britz haben die Auswirkungen einer vermehrten Verwendung von Bioplastik mit einem Computermodell simuliert. „Wir haben die Annahme getroffen, dass der Bioplastik-Anteil bei den wichtigsten Produzenten – Europa, China, Brasilien und den USA – auf fünf Prozent steigt“, erklärt sie. „Dabei haben wir zwei verschiedene Szenarien durchgespielt: eine Steuer auf konventionelle Kunststoffe gegenüber einer Subvention für Bioplastik.“

 

 

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Am dramatischsten waren die Auswirkungen im Steuer-Szenario: Da dadurch herkömmlich hergestellte Kunststoffe erheblich teurer wurden, sank die Nachfrage nach ihnen deutlich. Weltweit wurden so pro Jahr 0,08 Prozent weniger Klimagase ausgestoßen. Allerdings ist ein Teil dieses Rückgangs auf ökonomische Verwerfungen zurückzuführen, da die Steuer insgesamt das Wirtschaftswachstum bremste. Gleichzeitig jedoch stieg in diesem Szenario die landwirtschaftlich genutzte Fläche, während die Waldfläche um 0,17 Prozent abnahm. Dadurch gelangten enorme Mengen Treibhausgase in die Atmosphäre. „Dabei handelt es sich zwar nur um einen einmaligen Effekt“, erklärt Escobar. „Dennoch dauert es nach unseren Berechnungen mehr als 20 Jahre, bis er durch die erzielten Einsparungen wettgemacht wird.“

Insgesamt braucht es also einen langen Atem, damit sich die Umstellung auf Bioplastik auszahlt. Und: Es wird teuer - die Forscher beziffern die Kosten dieser Strategie auf mehr als 2.000 Dollar pro Tonne Treibhausgas.

Eine Subvention von Bioplastik hätte zwar in vielen Punkten deutlich unterschiedliche Effekte. An der Kompensations-Zeit von gut 20 Jahren und den Kosten für die Klimagas-Reduktion würde sich aber auch hier wenig ändern.

„Eine vermehrte Verwendung von Bioplastik aus Nutzpflanzen scheint also keine effiziente Strategie zu sein, das Klima zu schonen“, betont die Wissenschaftlerin. Zumal sie eine Reihe weiterer Negativ-Effekte hätte, etwa steigende Nahrungsmittel-Preise. „Das sähe aber vermutlich anders aus, wenn zur Herstellung zum Beispiel pflanzliche Abfälle genutzt würden“, sagt Escobar. „Wir empfehlen, die Forschungsanstrengungen auf dieses Bioplastik der zweiten Generation zu konzentrieren und es so zur Marktreife zu bringen.“


red

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