18.12.2018

Der neue "Weltatlas der Wüstenbildung"

Screenshot: World Atlas of Desertification

"Es werden mehr Lebensgrundlagen verloren gehen"

Von dem in den 1990er-Jahren erstmals erschienene „World Atlas of Desertification“ (WAD), ist gerade die dritte Auflage erschienen. Hierin dokumentieren Wissenschaftler die weltweite Ausbreitung von Trocken- und Wüstengebieten. Der dritte „World Atlas“ geht weit über diese ursprüngliche Absicht hinausreicht und ist ein nachdenklich stimmender Zustandsbericht der globalen Umweltsituation.

 

„Wir müssen davon ausgehen, dass künftig noch mehr ökologische Lebensgrundlagen verloren gehen“, sagt Joachim Hill, Mitglied des sechsköpfigen internationalen Autorenteams des WAD. Der Professor für Umweltfernerkundung und Geoinformatik an der Universität Trier erwartet, dass von dieser Entwicklung auch die Industrienationen wie die USA und Staaten in Europa nicht verschont bleiben. Sei es, dass sie von einerm erhöhtem Migrationsdruck durch Klima- und Wirtschaftsflüchtlinge oder durch Verschlechterung von Bodenqualität und Ressourcen auf eigenem Territorium betroffen sind. „Vor dem Hintergrund des nicht mehr zu bestreitenden globalen Klimawandels geraten in Europa insbesondere die Mittelmeergebiete unter Druck. Auch die USA und Australien werden in ihren ausgedehnten Trockengebieten mit Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs und zurückgehenden Niederschlägen konfrontiert sein“, prognostiziert der Trierer Wissenschaftler.

Seit der WAD zuletzt vor 20 Jahren erschienen ist, hat eine Vielzahl von landschaftsverändernden Prozessen stattgefunden. Dabei geht es nicht mehr ausschließlich um regional wirksame Effekte des Klimawandels und um unangepasste Formen der Landnutzung. „Im Rahmen einer globalisierten Wirtschaft sind sie in vielfacher Hinsicht von Entwicklungen abhängig, die weit entfernt, unter Umständen sogar auf anderen Kontinenten ablaufen“, stellt Professor Hill fest. Der Atlas dokumentiert auch Hintergründe wie Bevölkerungswachstum, intensivierte Land- und Forstwirtschaft sowie Ausbeutung von Ressourcen und zeigt Modelle zur Erklärung von Ursachen auf.

 

Hill liefert dafür zwei Beispielen: In Nordchina habe man auf die explosionsartig steigende Nachfrage nach Fleischnahrung mit einer massiven Expansion der Landwirtschaft reagiert. „Neue Flächen können nur durch die rückhaltlose Ausbeutung wertvoller Grundwasserreserven erschlossen werden, die zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels führen.“ In Südamerika werden seit Jahrzehnten wegen der weltweit steigenden Nachfrage nach Fleisch im Amazonasgebiet oder in Trockenwäldern Argentiniens und Paraguays ökologisch wertvollste Waldgebiete gerodet, um Flächen zur Rinderzucht oder zum Anbau von Futtermitteln zu gewinnen. Das anfallende Holz wird dann teils als Holzkohle zu Billigpreisen in den europäischen und nordamerikanischen Supermärkten angeboten.

 

„Wir sind für einen bedeutenden Teil der Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Holzprodukten und Gütern verantwortlich, die in anderen Weltregionen erzeugten werden.“

Die am WAD beteiligten Wissenschaftler werden die globalen Entwicklungen im Auge behalten. Bis zur nächsten Auflage des WAD sollten nicht erneut 20 Jahre vergehen.

 

Foto: Universität Trier

Zur Person:

Prof. Dr. Joachim Hill hat als Mitglied des Editorenteams die Gesamtkonzeption des „World Atlas of Desertification“ mitverantwortet und das Kapitel zu repräsentativen Fallstudien betreut. Sein Mitarbeiter Dr. Achim Röder und er sind darüber hinaus Autoren einiger im WAD erschienener Studien, in die langjährige Forschungsarbeit eingeflossen ist. Der Leiter des Fachs „Umweltfernerkundung und Geoinformatik“ der Universität Trier beschäftigt sich bereits seit den 1990er Jahren mit der Nutzung von Erdbeobachtungsdaten zur Identifikation von Prozessen der Verschlechterung der Ökosystemleistungen des Bodens in Südeuropa, Asien und Afrika. (Quelle: idw)

 

Der „World Atlas of Desertification“ kann von der Publikationsstelle der Europäischen Union bezogen werden und steht kostenlos zum Download bereit: wad.jrc.ec.europa.eu


red

 

 

Foto: Pixabay CC0

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