Die Müllabfuhr der Meere

Großräumiger Testversuch auf den Azoren Foto:The Ocean CleanUp 2014

Junger Niederländer mit innovativem Konzept im Kampf gegen den Plastikmüll der Weltmeere.

 

Als Boyan Slat bei einem Tauchgang im griechischen Mittelmeer auf mehr Müll als Fische gestoßen ist, war er mehr als erschüttert und machte sich ernsthaft Gedanken darüber, wie das Problem gelöst werden könne. Damals war er gerade einmal 17 Jahre alt. Heute, mit 19 Jahren ist er auf der Suche nach Unterstützern und Geldgebern für seinen mehrfach ausgezeichneten und vielversprechenden Vorschlag: das Ocean CleanUp Projekt.

 

Auf der Erde gibt es fünf sogenannte Meeresdriftströme, welche die Bewegung der Wassermengen maßgeblich beeinflussen. In den Driftströmen sammeln sich seit vielen Jahren all jene Plastikreste, die weltweit in die Gewässer gelangen. Es entstehen regelrechte Plastikinseln in den Meeren, an denen sich aufgrund der Wasserbewegungen, erhebliche Maßen von Plastikabfällen ansammeln.

 

Rund 100 Millionen Tonnen Plastik im Pazifik

 

Die größte und wohl bekannteste Plastikinsel ist der sogenannte Great Pacific Garbage Patch, in dem rund 100 Millionen Tonnen Plastikabfälle zirkulieren. Wie sein Name schon verrät liegt der Great Pacific Garbage Patch im Pazifik. Er hat eine Fläche, die mit der Mitteleuropas vergleichbar ist. Die Auswirkungen für die Ökosysteme, Mensch und Tier sind denkbar enorm. Das Problem ist seit Langem bekannt. Doch scheitern konventionelle Lösungsansätze immer wieder an der enormen Menge an Plastik, an dem finanziellen Aufwand der aufgebracht werden müsste, an dem scheinbar unvermeidbaren Beifang an weiteren Lebewesen, die nur schwer von dem Plastik differenzierbar sind und nicht zuletzt auch an dem mangelnden Verantwortungsbewusstsein der Weltgemeinschaft.

 

Boyan Slat Foto:The Ocean CleanUp 2014

All diese Schwierigkeiten werden durch Boyan Slats- Konzept umgangen. Anstelle von Fangnetzen, die unter energetischem Aufwand auf die Meere hinausgebracht und bewegt werden müssten, konzentriert sich Slat auf die Frage „Warum auf dem Ozean bewegen, wenn sich der Ozean doch schließlich selbst bewegt?“. Gleichermaßen liegt dem Konzept die Annahme zugrunde, dass das Plastik auf der Oberfläche der Meere schwimmt und wenn überhaupt nicht tiefer als 3 Meter in die Tiefe gelangt.

 

Schwimmende Barrieren sollen den Müll konzentrieren

 

Folglich ist die Konstruktion des Niederländers eine Anordnung von mehreren schwimmenden Barrieren, die in sich ein geschlossenes System ergeben und somit effektiv den ebenfalls schwimmenden Plastikmüll in die Mitte der Barrieren konzentrieren. Die Meeresbewohner können die Barrieren problemlos durchtauchen. In der Mitte dieser Barrieren- Konstruktionen, die rund 10.000 Quadratmeter groß werden sollen, befindet sich dann die Sammelplattform, die über zwei Arme, den, in der Barriere angesammelten Plastik aufsammeln. Da für diese Strom benötig wird, ist die Sammelplattform ebenfalls mit einer Solaranlage ausgestattet. Das eingesammelte Plastik kann problemlos wieder eingeschmolzen und somit recycelt werden. Innerhalb von zehn Jahren, könnten durch die sich stetig mit dem Wellengang fortbewegenden Barrieren, gut die Hälfte des Great Pacific Garbage Patch eingesammelt werden. Die erwarteten Kosten pro eingesammelten Kilogramm Plastikmüll belaufen sich bisher auf 4,53 Euro. Dies wäre somit um die 33 Mal günstiger als jegliche, konventionelle Methoden. Gleichzeitig auch noch 7900 Mal schneller.

Eine ausführliche Machbarkeitsstudie, die von April 2013 bis Mai 2014 durchgeführt wurde kommt ebenfalls zu einem vielsprechenden Ergebnis, nachdem die Umsetzung des Konzepts sowohl aus finanzieller als auch ökologischer Sicht absolut empfehlenswert ist.

Jetzt suchen Boyan Salt und sein mittlerweile enorm gewachsenes Team nach der nötigen finanziellen Unterstützung durch Spenden. Schon in 3 bis 4 Jahren soll das erste Pilotprojekt einsatzbereit sein. Wenn das kein Grund zur Hoffnung ist… JK

 

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