Fett: Jetzt kennen wir Ötzis letzte Mahlzeit

Foto: Southtyrolarchaeologymuseum\Eurac Research\M.Samadelli

Der "Eismann" vom Ötztalgletscher gibt auch fast 30 Jahre nach seiner zufälligen Entdeckung durch Touristen bei einer Wanderung im Grenzgebiet zwischen Italien und Österreich auf über 3.000 Meter noch Geheimnisse von sich preis: Wissenschaftler enträtselten seinen gut 5.300 Jahre alten Speiseplan.

Stück für Stück offebahrt Ötzi auf dem Seziertisch Einblicke ins Leben vor über 5.000 Jahren. Die Wissenschaftler fanden bereits heraus, dass Ötzi durch einen Pfeil ermordet wurde. Sie kennen seine Augenfarbe, DNA und Blutgruppe, schreibt etwa die ZEIT. Sie wissen, dass Ötzi Karies hatte und dass der Gletschermann laktoseintolerant und tätowiert war.

Ötzis Speiseplan wurde aber erst jetzt analysiert, weil der Magen der Mumie zunächst nicht auffindbar gewesen war. Nun aber ist er bekannt: Ötzi liebte offenbar Fett.

Der Steinzeitjäger verspeiste es in Mengen. Fast die Hälfte seines jetzt von einer Wissenschaftler-Crew um den Mumienforscher Frank Maixner vom Bozener Forschungsinstitutes Eurac Research gefundenen Mageninhalts bestand aus diesem Energieträger. "Zwei Stunden bis eine halbe Stunde vor seinem Tod hat er ein ausgiebiges Mahl zu sich genommen", schreibt der Mikrobiologe, nachdem er Ötzis Mageninhalt jetzt mit seinem Team auf Biomoleküle wie Proteine, Lipide und Kohlenhydrate und deren Ursprung untersucht hat.

Dank der Ergebnisse können die Forscher erstmals eine kupferzeitliche Mahlzeit rekonstruieren. Ötzi verzehrte einen Steinbock. Ihre Studienergebnisse veröffentlichten sie jetzt im Fachjournal Current Biology.

 

Ötzi war optimal mit Nährstoffen für das Leben in großen Höhen versorgt

 

Die Wissenschaftler überraschte der komplett mit Fett gefüllte Magen Ötzis. „Es schien Ötzi bewusst gewesen zu sein, dass Fette eine ausgezeichnete Energiequelle sind. Die hochalpine Umgebung, in der der Mann aus dem Eis lebte und 5.300 Jahre nach seinem Tod gefunden wurde, stellt für die menschliche Physiologie eine besondere Herausforderung dar. Sie erfordert eine optimale Nährstoffversorgung, um einen schnellen Energieverlust zu vermeiden.“, erläutert Maixner.

Zum Speiseplan des Gletschermanns aus der Kupferzeit gehörte demnach auch frisches oder getrocknetes Wildfleisch von Steinbock und Rothirsch sowie Einkorn. In seinem Magen fanden die Wissenschaftler aber auch Spuren von giftigem Adlerfarn.

 

 

Vom Jäger zum Angler

„Angeln ist mehr als Fische fangen“ Die Erklärung liegt in unserer Vergangenheit. Bereits in der ausgehenden letzten Eiszeit vor circa 12.300 Jahren erlegten steinzeitliche Jäger nicht nur Wild, sondern angelten bereits Fische.

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Die Forscher wissen nun auch, wie Ötzi seine speisen zubereitete. Das Steinbockfleisch in Ötzis Magen war noch sehr gut erhalten. An der quergestreiften Fleischfaserung konnten die Forscher erkennen, dass es sich dabei um Muskelfleisch handelt, das luftgetrocknet beziehungsweise nur sehr mild erhitzt worden war – wahrscheinlich um es haltbar zu machen. Nur bis zu einer Erhitzungstemperatur von 60 Grad bleibt die Fleischfaserung nämlich so gut strukturiert.

Was die pflanzlichen Bestandteile des Mageninhalts betrifft, stellten die Forscher in Ötzis letzter Mahlzeit Einkorn in nicht gemahlener Form und Spuren von Adlerfarn fest.

Wie die Spuren des giftigen Adlerfarns in Ötzis Magen gelangt sind, darüber können die Forscher nur Mutmaßungen anstellen: „Es kann sein, dass Ötzi aufgrund der Parasiten, die bereits in vorangehenden Studien in seinem Darm festgestellt wurden, an inneren Beschwerden litt und er den Adlerfarn als Medikament dagegen eingenommen hat. Es ist jedoch auch möglich, dass er die Farnblätter verwendet hat, um das Essen darin einzuwickeln und die Farnbestandteile unbeabsichtigt in seine Nahrung gelangt sind“, erklärt Albert Zink als Leiter des Instituts für Mumienforschung von Eurac Research.


red

 

 

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