Kraftstoff aus Plastikmüll entschärft Müllproblem

Plastikmüll wird Kraftstoff Foto: Wikimedia CC/Doug Lee

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Chemiker Achyut Kumar Panda von der Centurion University of Technology and Management und sein Kollege Raghubansh Kumar Singh vom National Institute of Technology im indischen Odisha machen aus Plastiktüten Kraftstoffe. „Das“, so sagen sie, „verringert das Müllproblem und steigert zugleich die weitere Verfügbarkeit des Rohstoffs Erdöl.“

Klassischer Recycling-Ansatz: Mit ihrem Verfahren verbessern die beiden Chemiker die Nutzungsdauer des ursprünglich eingesetzten Rohstoffs.

Das Verfahren: Panda und Singh erhitzen die meist aus Polyethylen bestehenden Plastikabfälle. Bei Temperaturen zwischen 400 und 500 Grad Celsius spalten sich die Moleküle über Porzellanerde (Kaolin) in kürzere Kohlenstoffketten mit nur noch 10 bis 16 Kohlenstoffatomen. „Damit erhält unsere so gewonnene Flüssigkeit ganz ähnliche Eigenschaften wie herkömmliche Kraftstoffe“, erklären die Wissenschaftler.

 

Sturmlauf der Umweltschützer gegen Plastikmüll

 

Das Ergebnis: Aus jedem Kilogramm Tüten-Abfall, stellen Panda und Singh in ihrem Labor 700 Gramm Kraftstoff her. Sie glauben, dass sich das Verfahren weiter optimieren lasse: 80 Prozent Ausbeute halten sie für möglich. Das aber erfordere einen höheren Anteil des Katalysators: ein Kilogramm Kaolin für zwei Kilogramm Plastik.

Viele Umweltverbände laufen weltweit gegen die Flut des Plastikmülls Sturm. Die Überreste unseres Konsums verschandeln nicht nur die Landschaft oder heizen die feuer der Verbrennungsanlagen. Plastikpartikel sind inzwischen an den meisten Orten der Erde zu finden. In den Ozeanen treiben riesige Strudel und bilden große Gefahren für Tiere.

 

Cradle to Cradle: Neuer Ansatz vermeidet Müllproblem

 

Die Idee, die Überreste der Plastiktüten in neue Produkte zu verarbeiten löst damit ein drängendes Problem – allerdings nur als Zwischenlösung. Schlauer wäre es, die kaum verrottenden Plastiktüten erst gar nicht zu produzieren. Das aber erfordert einen Paradigmenwechsel: Recycling kann dabei nur das Etappenziel sein. Besser ist, sich schon beim Design eines Produkts am Vorbild der Natur zu orientieren wie dies dervon global°-Beirat Michael Braungart entwickelte Cradle to Cradle-Ansatz propagiert – er nutzt nur Materialien, die nach Gebrauch wieder zu Nähjrstoffen in den Stoffkreislauf eingespeist werden.


pit

 

 

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