Nachhaltig schön: Alternativen zu Microplastik

Foto: Pixabay CC/PublicDomain/Collusor

Plastikmüll-Quelle Kosmetik: setzen die Hersteller kosmetischer Pflegeprodukte auf Mikroplastik, obwohl die umweltschädigenden Folgen hinlänglich bekannt sind. Winzige Kunststoffpartikel aus Peelings und anderen Hautpflegeprodukten gelangen über die Abwassersysteme ins Meer und schließlich in unsere Nahrungskette. Fraunhofer-Forscher suchten und fanden jetzt Alternativen.

In einem Forschungsprojekt hat das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) gemeinsam mit Partnern Materialien getestet, die Mikroplastik in Kosmetikprodukten ersetzen können und biologisch abbaubar sind.

 

Kosmetikhersteller suchen schonmlange nach Ersatz für Microplastik

 

Hintergrund der Forschung: In vielen Kosmetikartikeln wie Körperpeelings oder Deodorants sind kleinste Kunststoffteilchen, sogenanntes Mikroplastik, beispielsweise aus Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) enthalten. Als so genannte "sanfte Abrasiva (Schleifmittel)" entfernen sie durch Reibung abgestorbene Hautschuppen und regen die Durchblutung der Haut an.

Wegen ihrer chemischen Beständigkeit und ihrer Farb-, Geruchs- sowie Geschmacklosigkeit werden die Microplastikteilchen auch häufig als Stabilisatoren und Füllmittel in den Pflegeprodukten eingesetzt.

Fatal: "Polyethylen und Polypropylen sind biologisch nicht abbaubar und wegen der geringen Partikelgröße von weniger als 5 Millimetern kann das mit Kosmetika ins Abwasser gelangte Mikroplastik in Kläranlagen nicht ausreichend entfernt werden", sagen die Forscher in einer Pressemeldung zu ihrer Arbeit. Damit gelangt das Plastik in die Umwelt und in unsere Gewässer. Im Meer werden die Mikropartikel von Lebewesen aufgenommen und gelangen so in die Nahrungskette und auch auf den Tisch der Menschen.

Viele Kosmetik-Hersteller haben daher angekündigt, auf den Einsatz von Mikroplastik zu verzichten und stattdessen in Zukunft geeignete Alternativen einzusetzen.

 

Peeling und Zahnpasta: Holz, Hafer, Weizen und Mais als Alternative zu Plastik

 

Cellulose als Plastikersatz Mikroskop-Foto: IMWS

Mit dem jetzt abgeschlossenen Forschungsprojekt "KosLigCel" sucht das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) nach einer kostengünstigen Herstellung biologisch abbaubarer Cellulosepartikel aus Buchenholz, Hafer, Weizen und Mais, die die Anforderungen an Abrasivität und Reinigungsleistung in Zahn- und Hautpflege-Produkten erfüllen. Die Forscher testeten Alternativen für Körperpeelings und Zahncremes. Die besondere Herausforderung lag darin, die Cellulosepartikel so zu designen, dass ihre Größe, Form, Härte sowie Oberflächenstruktur zu den gewünschten Produkteigenschaften führt. Dazu wurde Cellulose aus Buchenholz speziell modifiziert und der Optimierungsprozess durch Mikrostrukturanalytik am IMWS begleitet.

 

"Wir haben nach zweijähriger Forschungsarbeit mit den Projektpartnern sehr gute Ergebnisse erzielt: eine Testzahnpasta mit den optimierten Buchenholz-Cellulosepartikeln zeichnet sich durch eine geringe Abrasionswirkung, aber dennoch gute Reinigungsleistung aus", sagt Projektkoordinatorin Sandra Sarembe. Die biologisch abbaubaren Partikel in der Zahnpasta dienen der mechanischen Entfernung von bakterieller Plaque, Zahnverfärbungen und Essensrückständen, dabei dürfen sie den Zahnschmelz allerdings nicht beschädigen. "Bei der Materialcharakterisierung mehrerer Cellulose-Typen haben wir durchweg positive Daten erhoben. Dies gilt auch für den Einsatz dieser Stoffe in Waschpeelings und anderen Hautkosmetika", sagt Sarembe.

 

»Die Nutzung von Cellulose als biobasierte Füllstoffe könnte auch in weiteren Einsatzfeldern wie in medizinischen Produkten möglich sein. Außerdem sind verschiedene Cellulose-Typen mischbar, die einen breiten Einsatz versprechen", ergänzt IMWS -Projektleiter Andreas Kiesow. Er will die gewonnen Ergebnisse zukünftig auch für die Entwicklung in anderen Kosmetikbereichen wie etwa in der dekorativen Kosmetik für Mascara, Puder oder Lippenstift testen.


red

 

 

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