Sonnencreme lässt Korallen sterben

Cremen schützt vor Sonnenbrand Foto: elementgirls

Was Menschen schützen soll, zerstört Korallen: Israelische und US-Wissenschaftler warnen vor Chemikalien in Sonnencreme und vielen Kosmetika. Benzophenon-2 (kurz: BP-2) führt bereits in geringsten Spuren im Wasser zur tödlichen Korallen-Bleiche. Das veröffentlichen die Forscher am Haereticus Environmental Laboratory jetzt in einer umfangreichen Studie.

BP-2 verändert schon in so winzigen Konzentrationen von wenigen Teilen pro Milliarden anderer Teile (ppb: 10-9) die Erbsubstanz. Das kann zu erheblichen Schäden an der DNA eines Organismus führen.

Die Wissenschaftler untersuchten deshalb gemeinsam mit Kollegen am U.S. National Oceanic & Atmospheric Administration 380 verschiedene im Handel und ohne Rezept erhältliche Sonnenschutzcremes, Seifen, Waschlotionen und Kosmetika auf die fragliche Chemikalie. Sie wird über das Waschbecken aus Badezimmern oder von Kreuzfahrtschiffen, durch Kläranlagen in Gewässer gespült – und verunreinigt dort am Ende das Meer.

 

80 Prozent der Korallen in der Karibik schon abgestorben

 

Die Folgen sind dramatisch: In der Karibik verschwanden seit den 1960er-Jahren, in denen Chemikalien wie BP-2 auf den Markt kamen, über 80 Prozent der auf Riffen lebenden Korallen im Meer. Die meist in Küstennähe liegenden Korallenbänke sind nach geltendem Wissen etwa auch der U.S. Commission on Ocean Policy vor allem durch solche Verschmutzungen gefährdet.

In ihren Versuchen am Haereticus Environmental Laboratory stellte die Arbeitsgruppe um Institutschef C.A. Downs jetzt fest, dass BP-2 sogar schon bei Konzentrationen von nur 120 ppb im Wasser die Hälfte der betroffenen Korallen absterben lässt!

Weitere Gefahrenquellen für die Meeresbewohner sind die durch den Klimawandel stetig ansteigende Temperatur des Wasers in den Ozeanen sowie eine Übernutzung der Riffe. Der Toxikologe Joseph DiNardo, der Jahrzehnte auch für die Kosmetikindustrie geforscht hat, ist sich inzwischen sicher: „Wir haben die Welt auch mit unzähligen Chemikalien überbevölkert, über deren fatale wirkung auf die Umwelt und andere Organismen wir so gut wie nichts wissen“, räumt er ein und fordert: „Damit müssen wir aufhören.“


pit

 

 

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