Trinkwasser ist nicht überall genießbar

Trinkwasser ist nicht überall genießbar
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Trinkwasser ist nicht überall genießbar

Trinkwasser galt in Deutschland lange als das am besten kontrollierte und sicherste Lebensmittel. Das war gestern. „Im Dezember 2019 mussten die Stadtwerke des Rastatter Ortsteils Förch Trinkwasser in Flaschen zu ihren Kunden bringen“, berichtet jetzt das Wissenschaftsmagazin spektrum.de: „Das Leitungswasser war bei Teilen der Bevölkerung unbenutzbar.“

Im Trinkwasser des badischen Orts schwammen per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS). Laut dem US-Wissenschaftsblatt Nature sammeln sich diese giftigen Verbindungen „seit Jahren“ in Organismen an. Spektrum: „Studien haben messbare Konzentrationen der Stoffe im Blutserum der Inuit-Gemeinschaften in der grönländischen Arktis, in der Muttermilch norwegischer und deutscher Mütter und auch im Blut der gesamten europäischen Bevölkerung gefunden.“

Industrie widersetzt sich Kontrollen mit Hase-und-Igel-Spiel

Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) gelten Forschern seit gut 80 Jahren als Wundermittel. Sie weisen sowohl Öl als auch Wasser ab, sind resistent gegen Temperatur-Einfluss und viele andere Chemilalien. Ihre bekanntesten Anwendungen – Teflon und Imprägniermittel – schätzen auch viele Kunden. Inzwischen sind mehr als 4730 dieser Verbindungen bekannt. Erst allmählich jedoch entdeckten Wissenschaftler auch die die dunkle Kehrseite der Chemikalien. Seit einigen Jahren warnen Umweltaktivisten und Ökologen vor den Substanzen.

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Foto: J. Gorecki/Pixabay CC/PublicDomain

Die Chemikalien gelangen nicht nur – durch ihre häufige Verwendung in vielen Prozessen oder in Produkten – in großen Mengen in die Umwelt. Sie überdauern dort lange und reichern sich an. Am Ende gelangen sie auch in den Körper der Menschen. „Die Umwelteinträge von per- und polyfluorierten Chemikalien sind äußerst problematisch, und ihre Regulierung über die europäische Chemikalienverordnung ist ein mühsamer Prozess“, so zitiert Spektrum in dem Bericht PFAS-Experte Thomas Straßburger vom Bundesumweltministerium. Der beklage sich überein Hase-und Igel-Spiel: „Kaum sei die Verwendung einer bestimmten Verbindung eingeschränkt, habe die Industrie bereits neue PFC entwickelt, über deren Umweltverhalten man in der Regel noch weniger wisse. Das ist die dritte Ebene des Problems: eine Industrie, die nach wie vor neue PFAS entwickelt und auf den Markt bringt.“

PFAS aus dem Trinkwasser zu beseitigen ist nicht trivial

Fatal: Das Ausmaß der Trinkwasser-Belastungen sei wenig bekannt. „In Deutschland kennt man bislang im Raum Arnsberg, im Landkreis Altötting und in Mittelbaden auf größeren Flächen Belastungen von Boden, Grund- und Trinkwasser mit den fluorierten Chemikalien“, beschreibt Spektrum die Lage. Dem dem UBA lägen jedoch nur die Daten aus sechs Bundesländern vor. Immerin plane die Bundesregierung erstmalig eine bundesweite Untersuchung der Bodenbelastung mit PFAS-Verbindungen in Äckern, Wiesen und gegebenenfalls in Wäldern.

So lange aber bleibt es ein Fakt: Bislang müssen zum Beispiel die Trinkwasserversorger das Rohwasser nur bei einem konkreten Verdacht auf PFAS untersuchen und die entsprechenden Leitwerte darin einhalten. Einen Grenzwert gibt es nicht.

Und: PFAS aus dem Wasser zu entfernen ist gar nicht einfach.

pit

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