Trockene Flüsse

Trockene Flüsse
Nicht immer führt der Gelbe Fluss in China Wasser – er gehört zu den 60 Prozent der Fließgewässer die zeitweise trockenfallen. Foto: Zhangmoon

60 Prozent der Flüsse weltweit fallen zeitweise trocken – Tendenz steigend

Ein internationales Forscher-Team zeigt in einer im renommierten Fachjournal „Nature“ veröffentlichten Studie, dass 60 Prozent der globalen Fließgewässer an mindestens einem Tag im Jahr trockenfallen – über alle Kontinente und klimatischen Zonen hinweg. Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in der Nähe dieser zeitweise trockenfallenden Flüsse und es könnte zukünftig noch weit mehr Menschen betreffen.

Flüsse sind Teil des globalen Wasserkreislaufs, bedeutender Lebensraum für zahlreiche Arten, Wirtschaftsfaktor, Transportweg, Energielieferant und Erholungsort. Doch gerade die Bäche und Flüsse leiden immens unter dem globalen Klimawandel, der intensiven Landnutzung und dem Ressourcenverbrauch.

karte trockene fluesse senckenberg Mathis Messager
Auch in kühlgemäßigten und feuchten Klimazonen trocknen fast 30 Prozent der Fließgewässer immer wieder aus. Karte: Mathis Messager

„Aktuell konzentriert sich die Forschung und die daraus folgenden Schutzmaßnahmen überwiegend auf Gewässer, die permanent Wasser führen“, erklärt Prof. Dr. Klement Tockner, Gewässerökologe und Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sowie Professor an der Goethe-Universität Frankfurt, und fährt fort: „Doch sogar große, charismatische Flüsse, wie beispielsweise der Nil, der Gelbe Fluss in China oder der nordamerikanische Rio Grande, fallen bereits vollständig trocken. Dies kann zu einem erschwerten Wasserzugang für Millionen von Menschen führen und hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Ökosystem Fluss.“

urselbach hessen senckenberg Babitsch
Der hessische Urselbach im Juli 2020 – ein lokales Beispiel der Fließgewässer, die an mindestens einem Tag im Jahr trockenfallen. Foto: Senckenberg/Babitsch

Unter der Leitung des Doktoranden Mathis Messager, McGill Universität in Montreal, zeigt Tockner gemeinsam mit internationalen Kollegen und Kolleginnen in der neuen Nature-Studie, dass in besonders trockenen Gebieten der Erde, wie in Indien, Westaustralien oder der afrikanischen Sahelzone, sogar 99 Prozent der Fließgewässer sind. „Aber auch in den kühlgemäßigten und feuchten Klimazonen trocknen fast 30 Prozent der Fließgewässer immer wieder aus. Unter Berücksichtigung kleiner Bäche sind es dort sogar mehr als die Hälfte der Wasserläufe. Mit anderen Worten: Flüsse, die – zumindest temporär – trockenfallen sind eher die Regel als die Ausnahme auf der Erde“, fügt der Gewässerökologe hinzu. Regionale Beispiele hierfür sind der Urselbach, ein etwa 16 Kilometer langes Gewässer, das im Vordertaunus entspringt und durch Frankfurt führt, sowie die Weil, ein Zufluss der Lahn, welche im vergangenen Sommer trockenfielen. Tockner ergänzt: „Natürlich trockenfallende Gewässer sind wertvolle und einzigartige Lebensräume, aber trocknet ein permanent wasserführender Bach oder Fluss aus, dann hat das massive Auswirkungen auf die Natur und schlussendlich den Menschen.“

Anhand von hydrologischen, klimatischen, bodenkundlichen und geologischen Daten von 5615 Messstationen wurde klar, dass trockenfallende Flüsse auf allen Kontinenten und in allen Klimazonen zu finden sind. Zukünftig werden laut den Forschenden nicht nur die Hochwässer zunehmen, sondern insbesondere auch die Austrocknung der Gewässer. Das nächstgelegene Fließgewässer ist für 52 Prozent der Weltbevölkerung nicht durchgängig wasserführend. Die Ergebnisse der neuen Studie werden helfen, die Flüsse nachhaltiger zu bewirtschaften und damit auch die Menschen, die für ihren Lebensunterhalt und ihre Kultur direkt auf diese Ökosysteme angewiesen sind, zu schützen. (Quelle: Senckenberg Gesellschaft)

Publikation: https://www.nature.com/articles/s41586-021-03565-5

hjo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.