Vom Glück am Herd

Vom Glück am Herd
Foto: unsplash/tarampi-nza

Vom Glück am Herd

Wer kocht lebt nicht nur viel gesünder, weiß der Journalist und Autor Manfred Kriener (Leckerland ist abgebrannt). Ein Koch bekommt oft Komplimente. Weil er „Substanzielles schafft“, sagt Kriener im global°-Interview. Zudem sei es „ hoch befriedigend“ aus guten Zutaten Leckeres zu zaubern. Weitere kluge Ansichten über das Kochen verrät er im Gespräch.

Was isst Du und was kochst Du selber am liebsten?

Manfred Kriener: Ich koche fast jeden Tag und immer noch mit Freude.

Was kochst Du denn?

Per Definition gehöre ich zu den Flexitariern, also zu jenen Zeitgenossen, die zwar Fleisch essen, den Konsum aber unbedingt reduzieren wollen. Zwei Tage die Woche sind bei uns immer vegetarisch, an den übrigen Tagen gibt’s weniger Fleisch und bis auf die Weißwurst am Samstag auch keine Wurst…

…und Dein Lieblingsricht?

Ist ein Bio-Brathühnchen mit geschmortem Fenchel und Aprikosen. Dazu trinken wir dann einen Mosel-Riesling. Es gibt wenig Besseres auf dieser Welt.

Was ärgert Dich am aktuellen Food-Hype am meisten und warum?

Die Egomanie, der ichbezogene Gesundheitsfanatismus nervt gewaltig.

Der Speiseplan von Egomanen zerstört den Planeten


Damit meinst Du was genau?

Ein Lebensmittel kann nur dann gesund sein, wenn es auch für den Planeten gesund ist, wenn es für die Böden, Pflanzen und Tiere, für Wasser und Klima gesund ist. Solche einfachen Zusammenhänge gehen aber am Selbstoptimierungswahn vieler Leute vorbei. Diese Egomanen wollen ewig leben und ihr Speiseplan ist dafür die Gebrauchsanweisung.

Warum reden heute so viele Menschen über Essen – und verstehen dennoch nicht, wie sie wirklich gut essen?

Cover Leckerland Hirzel 1

Identität geht durch den Magen. Für einige ist ihr Speiseplan fast schon eine Religion. Seitdem Essen ständig fotografiert und gepostet wird, hat es eine noch größere Bedeutung bekommen: Essen ist zum Statussymbol geworden, zum Distinktionsmerkmal, wie die Soziologen sagen. Auch die Offensive der Veganer hat dazu beigetragen, dass noch mehr übers Essen geredet wird. Es gibt aber auch einen realen Anlass: Wir essen in unserem Leben im Schnitt schließlich 90.000-mal und verbringen sechs Jahre unseres Daseins nur mit Essen und Trinken.

Also ist es doch eigentlich gut, wenn wir viel über Essen sprechen…

Leider ist das ständige Rhabarbern übers Essen oft sehr oberflächlich.

Gibt es etwas, was jede und jeder tun kann, um den Speisezettel zu verbessern?

Wer gärtnert und eigenes Obst und Gemüse anbaut, hat Spaß am Wachsen und Gedeihen, hat gute Lebensmittel und erspart sich vielleicht noch den Psychiater. Wer mein Buch liest, wird womöglich auch noch einiges Überraschende erfahren über Speis und Trank.

Ist gut essen teuer?

Muss nicht sein. Oft sind die preiswerteren Sachen besser als die teuren.


Von Küchensünden und dem Glück beim Kochen

Zum Beispiel?

Hühnerbrust halte ich für weitgehend geschmacklos. Hühnerschenkel und -flügel kosten deutlich weniger und schmecken sehr viel besser. Unsere Lebensmittel sind ohnehin relativ günstig.

Manfred Kriener Pixelmann Hirzel
Manfred Kriener
Foto: Pixelman, Hirzel

Was sind die größten Küchensünden?

Da fallen mir sofort zwei ein: Erstens Fertiggerichte, also der mit reichlich Chemie, Zucker und künstlichen Aromen zurechtgemachte Industriefraß. Und zweitens die extrem aufgesüßten Säfte, Limonaden und Fertigmüslis.

Was sind Deine Argumente dagegen?

Viele Verbraucher unterschätzen die gewaltigen Zuckerfrachten, die den Insulinspiegel nach oben jagen und so für die Adipositas-Epidemie mitverantwortlich sind.

Was rätst Du jemand, der sagt, er könne nicht kochen?

Dann kann er es ja lernen, wenn er Lust dazu hat. Es gibt eine Million Kochbücher und es gibt Kochkurse an jeder Ecke…

Wenn’s aber trotzdem nichts wird mit dem Kochen?

…ist die Alternative auch nicht schlecht: Verliebe Dich in jemand, der schon kochen kann. Aber im Ernst: Wer kocht und sich selbst und seine Lieben verköstigt, der schafft etwas wirklich Substanzielles, das ist hoch befriedigend. Und man wird ständig gelobt. „Liebling, was Du da wieder gezaubert hast. Hach!“

pit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.