Weltklimarat: Anpassung hat Grenzen

Weltklimarat: Anpassung hat Grenzen
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Weltklimarat: Anpassung hat Grenzen

Der aktuelle Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) macht deutlich: Die Weltgemeinschaft wird noch früher und stärker mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert als bislang angenommen. Das berichtet die Agentur Pressetext. als Reaktion auf den Bericht fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) von der Bundesregierung, „Treibhausgas-Emissionen sofort stärker zu reduzieren und eine Strategie zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise vorzulegen“, schreibt der Verband in einer Pressemeldung.

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Für den Bericht werteten internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Tausende von Studien aus, um die Folgen des Klimawandels zu bewerten. Matthias Garschagen, Inhaber des Lehrstuhls für Anthropogeographie mit dem Schwerpunkt Mensch-Umwelt-Beziehungen am Department Geographie der Luwig-Maxilmilian-Universität München (LMU), gehört zu den Leitautoren eines Kapitels, in dem Schlüsselrisiken des Klimawandels sowie die Anpassungskapazitäten und -grenzen übergreifend zusammengefasst und bewertet werden, und war auch an der Abstimmung der finalen „summary for policy makers“ beteiligt.

„Bisherigen Risikoabschätzungen zu optimistisch“

„Die bisherigen Risikoabschätzungen waren zu optimistisch“, sagt Garschagen. „Wir haben es immer mehr mit Verflechtungen und Komplexitäten im System zu tun, durch die sich Risiken gegenseitig hochschaukeln, etwa wasserbezogene und nahrungsmittelbezogene Risiken. Diese Komplexität hat die Wissenschaft erst in den letzten Jahren verstärkt in den Blick genommen.“ Die Autorinnen und Autoren sehen starke Auswirkungen des Klimawandels in allen Erdregionen und in allen Sektoren, beispielsweise in der Infrastruktur, in Städten, in der Nahrungssicherung, in der Landwirtschaft, oder im Fischfang.

Zudem macht der Bericht deutlich, dass Klimaanpassung zwar voranschreitet, aber bislang nicht alle Risiken kompensieren kann. „Gerade bei Erwärmungspfaden, die uns auf eine Temperaturzunahme von 3°C oder sogar mehr bis zum Ende des Jahrhunderts bringen, sehen wir deutliche Anzeichen, dass zumindest unsere momentane Anpassungsplanung nicht ansatzweise ausreichen wird“, betont Garschagen. „Selbst wenn wir die 2°C-Grenze einhalten, werden in vielen Erdregionen die Grenzen der Anpassungsfähigkeit erreicht werden, insbesondere in ärmeren Ländern mit geringen Anpassungskapazitäten.“ Deshalb müsse sowohl der Klimaschutz als auch die Klimaanpassung sehr zügig und effektiv vorangetrieben werden. Dabei müsse man wesentlich vorausschauender und integrierter agieren, als es bisher der Fall ist. „Noch haben wir es selbst in der Hand!“, so Garschagen.

„Irreversible und verheerende Schäden für Menschen, Ökosysteme und Arten“

„Eine Temperaturüberschreitung von mehr als 1,5°C wird zu irreversiblen und verheerenden Schäden für Menschen, Ökosysteme und Arten führen“, sagt Linda Schneider, Referentin für Internationale Klimapolitik bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin zu den neuen Daten des IPCC-Berichts: „Darüber hinaus besteht bei einer Überschreitung von 1,5°C die Gefahr, dass Kipppunkte und Rückkopplungen im Klimasystem ausgelöst werden, die die Klimakrise beschleunigen.“

Technik biete dafür keine Lösungen ist die Expertin überzeugt: „Hochriskante Geoengineering-Technologien wie die Veränderung der Sonneneinstrahlung (Solar Radiation Modification, SRM) und die großtechnologische Entfernung von Kohlendioxid (Carbon Dioxide Removal, CDR) produzieren neue, katastrophale Risiken für die Menschen und den Planeten und können daher keine Option sein.“

red

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