Weltweit dramatisches Wachstum der Gletscherseen

Weltweit dramatisches Wachstum der Gletscherseen
Der Imja-See in der Nähe des Mount Everest im Himalaya ist ein Gletschersee, der seit 1990 dreimal so lang geworden ist. Foto: Planetary Science Institute/Jeffrey S. Kargel

Weltweit dramatisches Wachstum der Gletscherseen

In der bislang größten Studie über Gletscherseen haben Forscher NASA-Satellitendaten der letzten 30 Jahre ausgewertet, mit dem Ergebnis, dass das Volumen dieser Seen weltweit seit 1990 um etwa 50% gestiegen ist, da Gletscher aufgrund des Klimawandels schmelzen und sich zurückziehen.

Die in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlichten Ergebnisse sollen Forschern helfen, die potenziellen Gefahren für Gemeinden stromabwärts dieser oft instabilen Seen zu bewerten und die Genauigkeit der Schätzungen zum Anstieg des Meeresspiegels zu verbessern, indem sie das Verständnis darüber verbessern, wie Schmelzwasser aus den Gletschern in die Ozeane transportiert wird. Die Gletscher ziehen sich nahezu global zurück und diese Studie liefert Wissenschaftlern ein klareres Bild davon, wie viel Wasser in den Seen gespeichert wurde.

„Wir haben gewusst, dass nicht alles Schmelzwasser sofort in die Ozeane gelangt“, sagte der Hauptautor Dan Shugar von der University of Calgary in Kanada. „Bisher gab es jedoch keine Daten, um abzuschätzen, wie viel in Seen oder Grundwasser gespeichert wurde.“ Der Studie nach, beträgt das derzeitige Gletscherseevolumen insgesamt etwa 156 Kubikkilometer Wasser, was etwa einem Drittel des Volumens des Eriesees entspricht.

Shugar und seine Mitarbeiter von Regierungen und Universitäten in Kanada, den USA und dem Vereinigten Königreich planten im Rahmen eines Zuschusses des High Mountain Asia-Programms der NASA zunächst zwei Dutzend Gletscherseen im Hochgebirge Asiens, dem tibetische Plateau und den umliegenden Gebirgszügen einschließlich des Himalaya zu untersuchen.

„Wir haben Skripte in Google Earth Engine geschrieben, einer Online-Plattform für sehr umfangreiche Analysen von Geodaten, um nur High Mountain Asia zu betrachten, und dann beschlossen, alle Gletscherseen der Welt zu betrachten“, sagte Shugar. „Von dort aus konnten wir eine Skalierungsbeziehung aufbauen, um das Volumen der Gletscherseen der Welt basierend auf der Fläche dieser großen Anzahl von Seen abzuschätzen.“

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Auf der Oberfläche des grönländischen Petermann-Gletschers bilden sich Schmelzwasserseen, die hier in einem Landsat-Bild vom Juni 2019 zu sehen sind. Foto: NASA/USGS

Das Team analysierte schließlich, in Zusammenarbeit mit dem United States Geological Survey (USGS), mehr als 250.000 Szenen aus den Landsat-Satellitenmissionen der NASA. Vor einem Jahrzehnt wäre es nicht möglich gewesen, dieses Datenvolumen zu verarbeiten und zu analysieren. Das Team untersuchte die Daten ab 1990 in fünf Zeitschritten, um alle vergletscherten Regionen der Welt mit Ausnahme der Antarktis zu untersuchen und zu analysieren, wie sich die Gletscherseen in diesem Zeitraum verändert haben.

Shugar weist darauf hin, dass Wasser aus schmelzenden Gletschern, die in Gletscherseen gespeichert sind, zwar einen relativ geringen Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels leistet, jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Berggemeinden stromabwärts dieser Seen haben kann. Sie sind bei weitem nicht so stabil wie die Seen, in denen wir schwimmen oder Bootfahren, da sie häufig von sogenannten Moränen, aufgestaut werden, die aus losen Steinen und Trümmern bestehen und die an die Vorderseite und die Seiten der Gletscher gedrückt werden. Sie können daher ziemlich instabil sein und ihre Ufer oder Dämme platzen lassen, was zu massiven Überschwemmungen stromabwärts führt. Diese waren im vergangenen Jahrhundert für Tausende Totesopfer sowie für die Zerstörung von Dörfern, Infrastruktur und Vieh verantwortlich. Im Mai 2020 war das pakistanische Hunza-Tal von einer solchen Flut betroffen.

„Dies ist ein Problem für viele Teile der Welt, in denen Menschen stromabwärts von diesen gefährlichen Seen leben, hauptsächlich in den Anden und in Orten wie Bhutan und Nepal, wo diese Überschwemmungen verheerende Folgen haben können“, sagte Shugar. „Glücklicherweise ermöglichen Organisationen wie die Vereinten Nationen viele Überwachungs- und Sicherungsmaßnahmen, bei denen sie die Seen absenken, um die Risiken zu verringern.“ (Quelle: NASA)

Mehr Infos zum Erderkundungsprogramm der NASA gibt es hier…

red

Video: NASA

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