Wertewandel: Weniger Wachstum, mehr Gemeinwohl

Wertewandel: Weniger Wachstum, mehr Gemeinwohl
Foto: Joerg Buntrock / Pixabay CC0

Wertewandel als größte Chance: Weniger Wachstum, mehr Gemeinwohl

Die internationale Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung (GWÖ) veröffentlicht konkrete Empfehlungen für die Wirtschaftspolitik nach der Corona-Krise in ihrem Positionspapier „Grundkonturen einer Post-Corona-Ökonomie“.

Die größte vergebene Chance wäre es, zu einem Normalzustand vor der Krise zurückzukehren – denn Klimawandel, Verlust von Artenvielfalt, Hunger und Ungleichheit sind in Summe bei weitem größere Gefahren für die Gesundheit und das Leben der Menschen als ein einzelnes Virus.

„Mit gleicher Konsequenz müssen jetzt auch die anderen relevanten Kurven abgeflacht werden: Flächenverbrauch, Energie- und Ressourcenverbrauch, Emission von Treibhausgasen, Gefährdung und Ausrottung von Arten, sowie der Anstieg der Ungleichheit und der Instabilität auf den internationalen Finanzmärkten und im Welthandel“, so die GWÖ-Sprecher*innen in ihrem Expert*innenpapier.

Resilienz und Regionalität sollten an die Stelle profit-getriebener Globalisierung treten. Nähe und überschaubare Strukturen nach menschlichem Maß sollen die Wirtschaftsbeziehungen und -strukturen bis an den Beginn der Lieferketten prägen.

„Ethischer Welthandel“ solle Freihandel als Maxime der Welthandelsordnung ablösen. Anstelle der Optimierung von Finanzkennzahlen – und immer höherer Effizienz, Produktivität und Innovation zu diesem Zweck – sollte generelle Gemeinwohl-Orientierung handlungsleitend werden.

Die Gemeinwohl-Ökonomie bietet sowohl ein ethisch fundiertes, nachhaltiges Wirtschaftskonzept als auch ein verantwortliches Unternehmensmodell an, das von immer mehr Privatunternehmen, Bildungseinrichtungen und öffentlichen Gebietskörperschaften in immer mehr Staaten umgesetzt wird.

Wertewandel als größte Chance

Globalisierung → Regionalisierung und Resilienz
Wirtschaftswachstum → ökologisches Gleichgewicht
Eigennutzenmaximierung → Gemeinwohl-Orientierung
Konkurrenz → Kooperation und Solidarität
Konsumorientierung → Lebendigkeit und Beziehungsreichtum
Macht-Durchsetzung → Gerechtigkeitsprinzip

Empfohlene Maßnahmen und Übergangsinstrumente zur EU-weiten Umsetzung

  • Sicherung von Personen mit bedingungslosem Grundeinkommen und Mindestlohn
  • Hilfe für Unternehmen mit Gemeinwohl-Konditionalität
  • Fiskal- und Geldpolitik kombinieren
  • CO2-Steuern und -Zölle zum Schutz des Weltklimas
  • Kerosinsteuer für mehr Kostenwahrheit im Flugverkehr
  • Einführung einer Finanztransaktionssteuer
  • Regionalisierung und Biologisierung der Ernährungsgrundlage
  • Gesundheitsschutz durch öffentlichen Verkehr und kürzere Wege
  • Gemeinwohl-Orientierung des Gesundheitssystems

Empfehlungen der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) für die Wirtschaftspolitik nach der Corona-Krise:

Positionspapier (PDF) „Grundkonturen einer Post-Corona-Ökonomie“

Über die Gemeinwohl-Ökonomie

Die weltweit agierende Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung wurde 2010 ins Leben gerufen. Sie basiert auf den Ideen des österreichischen Publizisten Christian Felber. Aktuell umfasst sie weltweit rund 11.000 Unterstützer*innen, mehr als etwa 4.800 Aktive in über 180 Regionalgruppen, 35 GWÖ-Vereine, etwa 600 bilanzierte Unternehmen und andere Organisationen, knapp 60 Gemeinden und Städte sowie 200 Hochschulen weltweit, die die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie verbreiten, umsetzen und weiterentwickeln — Tendenz steigend! Seit Ende 2018 gibt es den Internationalen GWÖ-Verband, in dem sich die neun nationalen Vereine abstimmen und ihre Ressourcen bündeln. 

ecogood.org

Weitere Informationen: ecogood.org

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