Frankreich: Auf „hässliches Obst“ gibt’s Rabatt

Frankreich: Auf „hässliches Obst“ gibt’s Rabatt
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Frankreich: Auf „hässliches Obst“ gibt’s Rabatt

fr.de: Hitze und Dürre haben Tomaten, Äpfel und Kürbisse verformt. Die großen Ketten bieten die Produkte nun in eigenen Abteilungen an.

Einen Schönheitspreis werden die Tomaten, Äpfel und Kürbisse dieses Jahr nicht gewinnen. Die Trockenheit der Böden und die vier Hitzewellen, die Westeuropa seit Mai heimgesucht haben, hinterlassen auch in den Auslagen für Frischprodukte gut sichtbare Spuren – und das auch abgesehen von den geringeren Volumen und steigenden Preisen: Die Trauben sind kleiner, die Zucchini verbogen und die Karotten schlagen in alle Richtungen aus, nur nicht geradeaus.

In Frankreich, einem der europäischen Hauptproduzenten von Gemüse und Früchten, ist das Phänomen nicht neu. Der Unternehmer Nicolas Chabanne hatte schon 2024 ein Logo geschaffen, auf dem ein Apfel ziemlich lädiert aus der Wäsche schaut. Das Etikett heißt „gueules cassées“, auf Deutsch und deutlich: „kaputte Fressen“, wie die zahlreichen Soldaten des Ersten Weltkrieges, die schwere Gesichtsverletzungen davongetragen hatten.

Lesen Sie auch:
Produkte mit „Imageschaden“

Die Zeit war vor zwei Jahren aber offenbar noch nicht reif: Die wenigen Bauern, die ihre Produkte mit dem Logo auf den Märkten anboten, blieben meist auf ihren kleinen, krummen oder verschrumpelten Produkten sitzen, auch wenn diese gut gereinigt waren. Der Nationale Verband der Früchteproduzenten sprach sich gegen die Operation „gueules cassées“ aus, da sie einen Imageschaden und indirekte Preissenkungen auch für die gelungenen Früchte- und Gemüse-Exemplare befürchteten.

Die jüngste Serie schwerer Hitzewellen und Waldbrände hat nun aber in Frankreich ein Umdenken bewirkt. In der Zeitung „Le Parisien“ äußerten sich viele Befragte sehr positiv zum Logo des zerknitterten Apfels. „Ja, ja und nochmal ja“, sagte eine Studentin. Andere drückten ihre Hoffnung aus, dass auch die Preisschwemme für Frischprodukte dadurch eingedämmt werde.

Denn dieses Mal wollen sämtliche großen Supermarktketten wie Leclerc, Carrefour, Auchan, Intermarché oder Casino mitmachen. Die unschöneren Produkte sollen mit einem Abschlag von 30 Prozent angeboten werden. Außerdem sollen sie nicht einfach inmitten der gutgewachsenen auf Kundschaft warten, sondern in eigentlichen Abteilungen für Makelprodukte. „Eine verformte Melone inmitten perfekt gerundeter Exemplare kauft niemand – aber wenn die ‚Hässlichen’ unter sich sind, durchaus“, sagte ein junges Pärchen vor dem Stand der Cavaillon-Melonen.

Millionen Tonnen im Regal

Logo-Gründer Chabanne rechnet damit, dass diesen Herbst in Frankreich „Millionen Tonnen“ von Frischprodukten mit Schönheitsfehlern in die Auslagen der Märkte und Supermärkte kommen werden.

Dass die großen Lebensmittelmärkte bei der Operation der ramponierten Früchte und Gemüse mitspielen, liegt auch an einem Anti-Verschwendungsgesetz, das Präsident Emmanuel Macron 2020 in Kraft setzte… weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.