Ewigkeitschemikalien : Gefahr für Ungeborene?

Ewigkeitschemikalien : Gefahr für Ungeborene?
Foto: Pixabay CC/PublicDomain

Ewigkeitschemikalien : Gefahr für Ungeborene?

faz.net: PFAS im Trinkwasser könnten Früh- und Fehlgeburten verursachen. Wie die Chemikalien die Funktion der Plazenta beeinträchtigen, zeigen Zellkulturen.

Frauen, die in Gegenden mit erhöhten Konzentrationen von PFAS, den sogenannten Ewigkeitschemikalien, im Trinkwasser leben, erleiden häufiger Fehl- und Frühgeburten, und ihre Kinder haben häufiger ein geringeres Geburtsgewicht. Zudem sterben dort mehr Babys im ersten Lebensjahr. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of Arizona. Die Umweltwissenschaftler haben dafür die Daten von 11.000 Geburten zwischen 2010 und 2019 im US-Bundesstaat New Hampshire ausgewertet.

PFAS, perfluorierte Alkylsubstanzen, sind eine Gruppe aus mehr als 14.000 Stoffen. Sie werden Ewigkeitschemikalien genannt, da sie in der Umwelt nicht abgebaut werden. Sie werden in der Industrie sowie in Alltagsprodukten wie Imprägniermitteln oder Pappbeschichtungen eingesetzt. Beispielsweise über Feuerlöschschäume, wie sie Flughafenfeuerwehren nutzen oder genutzt haben, aus Mülldeponien oder Chemieanlagen gelangen sie ins Grundwasser. Stromabwärts von solchen Standorten ist das Grundwasser deshalb höher belastet als oberhalb davon. In Menschen und anderen Lebewesen reichern sich PFAS an.

Lesen Sie auch:
Schaden für die Volkswirtschaft berechnet

In New Hampshire zeigen die Daten in Gegenden, wo die Topographie eine höhere Belastung der Trinkwasserbrunnen vermuten lässt, 20 Prozent mehr Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche, 43 Prozent mehr Neugeborene mit einem Geburtsgewicht unter 2500 Gramm und eine um 168 Prozent erhöhte Säuglingssterblichkeit. Die Forscher haben 41 Standorte untersucht, New Hampshire haben sie vor allem deshalb ausgewählt, weil dort Daten sowohl über Schwangerschaften und Geburten als auch über kontaminierte Standorte und Trinkwasserquellen vorliegen.

Da Ökonomen an der Studie beteiligt waren, haben sie den Schaden für die Volkswirtschaft berechnet, der durch die zu früh geborenen oder toten Kinder entsteht. Auf die US-Bevölkerung hochgerechnet wären das 7,8 Milliarden US-Dollar, mehr als doppelt so viel, wie die Reinigung des Trinkwassers kosten würde, wie die Autoren im Wissenschaftsjournal „PNAS“ schreiben. Einige PFAS lassen sich über Aktivkohlefilter aus dem Trinkwasser entfernen. Ab dem 12. Januar 2026 gilt in Deutschland ein Grenzwert für das Trinkwasser: Die Konzentration von 20 PFAS darf in der Summe 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten.

Das Einnisten des Embryos wird erschwert

Den Verdacht, dass PFAS als hormonähnliche Stoffe Ungeborene schädigen, gibt es schon länger, bisher vor allem aufgrund von Tierversuchen und Studien an zweidimensionalen Zellkulturen. Wissenschaftler um Violeta Stojanovska und Ana Zenclussen haben nun am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung ein Modell entwickelt, das sich der Wirklichkeit besser annähert, wie sie im Fachjournal „Environmental Research“ schreiben. Die Forscher haben dafür kugelförmige Gebilde aus Trophoblasten kultiviert. Diese Zellen bilden die äußere Schicht um den Embryo zu Beginn seiner Entwicklung. Deswegen spielen sie eine entscheidende Rolle, wenn ein Embryo sich in die Gebärmutterschleimhaut einnistet und sich die Plazenta bildet.

Um herauszufinden, welchen Belastungen mit PFAS die Trophoblasten in der Realität ausgesetzt sind, haben die Forscherinnen 31 Plazentaproben auf 56 verschiedene PFAS untersucht. Die Proben stammten aus dem Jahr 2023, und alle aus dem ersten Drittel der Schwangerschaft. 16 PFAS waren nachweisbar, zwölf Sub­stanzen waren in einem Großteil der Proben zu finden.

Perfluornonansäure, PFNA, war die Substanz, die in den höchsten Konzentrationen gefunden wurde, gefolgt von Perfluor­oktansulfonsäure, PFOS, obwohl die Produktion dieser Chemikalie bereits seit Anfang der 2000er-Jahre eingeschränkt und inzwischen sogar verboten ist. Anhand der Analyseergebnisse stellten die Wissenschaftlerinnen eine Mischung aus den zwölf am häufigsten gefundenen PFAS zusammen und setzten die Trophoblasten ihr in zunehmenden Mengen aus… weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.