So viel Aufwand für den Wal? Ja, bitte!

So viel Aufwand für den Wal? Ja, bitte!
süddeutsche.de: Die Anteilnahme am Bemühen, in der Ostsee einen gestrandeten Buckelwal zu retten, zeigt uns: Sehr viele Menschen sind eben nicht gleichgültig gegenüber der Natur.
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Man müsste schon Augen und Ohren verschlossen haben, um in der vergangenen Woche nicht am Schicksal des Buckelwals in der Ostsee teilzuhaben. Vom Timmendorfer Strand, wo er zuerst lag, konnte er durch eine ausgebaggerte Rinne entkommen, aber er hat sich noch tiefer ins Schlamassel manövriert. Statt Richtung Nordsee bog er nach Südosten ab und landete in der Wismarer Bucht. Nun liegt er in zwei Meter tiefem Wasser und schwimmt nicht weg, sein Zustand hat sich deutlich verschlechtert. Was ist los mit dem jungen Wal, ist er womöglich lebensmüde? Sollte man ihn einfach sterben lassen?
Man sollte die Emotion des Moments nutzen
Der Greenpeace-Biologe Thilo Maack sprach sich am Samstag dafür aus, Rettungsversuche vorerst einzustellen. Freilich nicht mit dem Ziel, den Wal dem Tod zu überlassen, sondern um seine Überlebenschancen durch Ruhe zu erhöhen. Nachdem Bagger und anderes schweres Gerät ihm einmal geholfen haben, ruft die erneute Notlage aber auch zynische Stimmen auf den Plan: So viel Aufwand für ein einziges Tier, zudem einer nicht gefährdeten Art?
Natürlich bricht kein Ökosystem zusammen, wenn ein einzelner Wal verendet. Aber dieses Einzelschicksal schafft enorme Kraft. Wenn Herzen weich werden und ein gemeinsames Ziel sie vereint, entsteht mehr als nur ein Nachrichtenhype um einen jungen Buckelwal. Das Gefühl von Gemeinschaft, geteilten Werten und Tatendrang, sei es auch nur eine gefühlte Beteiligung, trägt weiter – egal, wie die Tortur des Buckelwals am Ende ausgeht. Man sollte die Emotion dieses Moments nutzen und selbst Kraft schöpfen für Kämpfe wie den Erhalt der Artenvielfalt, die schwerer zu fassen sind und sich vergebens anfühlen können… weiterlesen


