Mehr Schutz für 40 weitere Spezies

Mehr Schutz für 40 weitere Spezies
taz: Riesenotter, Hammerhai, Schneeeule: Immer mehr wandernde Arten sind bedroht. Eine UN-Konferenz erweitert die Rote Liste und setzt so ein Signal.
Sie vernetzen Lebensräume, transportieren Nahrungsmittel, befruchten Pflanzen – rund 1.189 Wildtiere, darunter Wale, Zugvögel und Haie, zählen zu den wandernden Spezies. Jede vierte dieser Tierarten ist bedroht. 40 Arten sollen nun strenger geschützt werden. Das haben die Mitgliedsstaaten der 15. Vertragsstaatenkonferenz COP15 des Übereinkommens zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten beschlossen, die am Sonntag im brasilianischen Campo Grande zu Ende ging. Zu den neu oder stärker geschützten Arten zählen unter anderem Hammerhai, die Streifenhyäne, die Schneeeule und der im Pantanal ansässige Ariranha, der größte Fischotter der Welt.
Am Rande des Pantanal, dem größten tropischen Binnenland-Feuchtgebiet der Erde, hatten Politiker und Experten, Vertreter von internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft aus Dutzenden von Ländern eine Woche lang über den aktuellen Bestand der Arten, über den Einfluss der Klimakrise, über ökologische Vernetzungen und die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten diskutiert.
Lesen Sie auch:
Jede vierte Art vom Aussterben bedroht
Ein Anfang März veröffentlichter UN-Report zeigt: Bei fast der Hälfte der wandernden Arten sind die Bestände zurückgegangen, jede vierte Art ist vom Aussterben bedroht. In den vergangenen zwei Jahren sind 5 Prozent mehr Spezies verloren gegangen als im Vergleichszeitraum. Die Population von wandernden Süßwasserfischen ist sogar um 81 Prozent gesunken, wie die taz berichtete. Einzig bei Meeresschildkröten hat sich die Lage gebessert – möglicherweise ein Erfolg von Schutzmaßnahmen.
Verursacher der Schäden ist in jedem Fall der Mensch. Entweder, weil er zu viele Exemplare einer Art für eigene Zwecke fängt, oder weil er deren Lebensraum durch seine Zäune, Eisenbahnstrecken oder andere Aktionen zerstört.
Neue Schutzgebiete im Pantanal
Das rund 200.000 Quadratkilometer große Pantanal selbst hat zwischen 2020 und 2024 wiederholt unter verheerenden Bränden gelitten, bei denen Tiere verbrannt und deren Lebensräume schwer geschädigt wurden. Da es durch Flüsse gespeist wird, deren Wasserstand durch fehlende Regenfälle beeinträchtigt wird, leidet es besonders unter der Klimakrise. Präsident Lula unterzeichnete während der Konferenz Dekrete zur Schaffung von zwei neuen Schutzgebieten innerhalb des Sumpflands mit einer Gesamtfläche von 104.000 Hektar.
Ein Großteil des Pantanal ist allerdings in Privatbesitz. Das brasilianische Umweltministerium wirbt für die vermehrte Gründung von privaten Schutzgebieten, um die staatlichen Schutzzonen miteinander zu verbinden. Die Zivilbevölkerung solle durch Zahlungen für Umweltdienstleistungen und für den Erhalt von Biodiversität insgesamt stärker in den Schutz eingebunden werden. Zur Umsetzung und Finanzierung gab es allerdings keine Angaben.
Trendumkehr bis 2030
Bis 2030 soll dem Globalen Biodiversitätsrahmen zufolge der Verlust der biologischen Vielfalt gestoppt und der Trend umgekehrt werden. Colmán Ó Críodáin, beim WWF für Wildtierpolitik zuständig, warnt: „Der Weg hin zu diesen globalen Zielen wird noch in diesem Jahr bewertet, und aktuelle Indizien weisen darauf hin, dass die Länder nicht auf dem richtigen Weg sind. Der WWF fordert alle Länder auf, ihre Aktionen zu beschleunigen und auf den Fortschritten in Capo Grande aufzubauen.“ Als Beispiele für letztere nennt Mariana Napolitano vom WWF Brasilien „die ökologische Vernetzung im Zentrum der Entscheidungen, eine größere internationale Zusammenarbeit und der Protagonismus der Agenda für Meerestiere“.
Neben den Beschlüssen zur Aufnahme neuer Arten auf die Liste der bedrohten Spezies gab es auch Übereinkünfte zu sogenannten Nebenfängen und zu Meeresschildkröten. Eine Forschungsausschreibung soll neue Erkenntnisse über die Wandernden bringen… weiterlesen


