Sommer in der Stadt: Mit Fake-Bäumen gegen Hitze

Sommer in der Stadt: Mit Fake-Bäumen gegen Hitze
swr.de: In Stuttgart steigen die Temperaturen im Sommer besonders stark. Eine mögliche Lösung könnten sogenannte „Ecotriis“ sein.
In Stuttgart steigen die Temperaturen im Sommer besonders stark – die Kessellage und viele versiegelte Flächen verschärfen das Problem. Eine mögliche Lösung könnten sogenannte „Ecotriis“ sein. Also ein Konstrukt in Form eines Sonnenschirms, in dem Begrünung gepflanzt wird und somit ein kleines grünes Dach entsteht. Der Wasserspeicher ist integriert, das Gießen wird per Tablet gesteuert.
Die Stuttgarterin Rosa Pöttinger hat das „Ecotrii“ Startup mitgegründet und erklärt, dass sich die Hitze unter den begrünten Konstruktionen „deutlich“ reduzieren lasse. Vor allem in aufgeheizten Innenstadtbereichen entstünden spürbare Unterschiede. Teilweise könne der Effekt „bis zu 10, 15 Grad“ betragen.
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„Ecotriis“ sollen mehr als nur Schatten bringen
Der Effekt gehe über einfachen Schatten hinaus. Pöttinger betont, Ziel sei gewesen, „nicht nur mehr Stadtgrün in die Städte zu bekommen“. Entscheidend sei die Verdunstungskühlung durch Pflanzen. Diese gäben Feuchtigkeit ab und sorgten so für zusätzliche Abkühlung. Ein „Ecotrii“ biete rund 18 Quadratmeter Fläche für Kletterpflanzen. Ähnliche Effekte seien auch von begrünten Fassaden bekannt, die Innenräume deutlich herunterkühlen könnten.
Fake-Bäume: Ergänzung statt Ersatz
Für Städte wie Stuttgart seien „Ecotriis“ vor allem eine Ergänzung, kein Ersatz für Bäume. „Dort, wo ein Baum stehen kann, soll unbedingt ein Baum stehen“, stellt die Gründerin im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Böhnisch klar. Die Systeme seien speziell für stark versiegelte Flächen entwickelt worden, etwa über Tiefgaragen oder Leitungen. Viele Kommunen in Baden-Württemberg hätten genau dieses Problem. Gleichzeitig biete die mobile Bauweise Vorteile, etwa für flexibel genutzte Plätze wie Märkte oder Veranstaltungen.
„Ecotriis“: Sinnvolle Investition in kühlere Städte?
Auch die Kosten spielen eine Rolle: Ein „Ecotrii“ liegt bei etwa 30.000 Euro. Trotz knapper Haushalte sieht Pöttinger darin eine sinnvolle Investition. Große Bäume benötigten 15 bis 20 Jahre für vergleichbare Schattenflächen und könnten deutlich teurer sein. In München beispielsweise werde über bis zu 95.000 Euro pro Baum diskutiert. Vor diesem Hintergrund sei der „Ecotrii sicherlich eine Investition, aber auch eine sicherlich sehr gut angelegte“.
BUND Stuttgart mit ähnlichem Hitzeschutz
Das Thema Hitze in der Stadt beschäftigt auch den Umweltschutzorganisation BUND Kreisverband Stuttgart. Modelle wie der „Ecotrii“ seien absolut nötig und die Zukunft, sagt Ulrich Schmidt vom BUND. „Die Stadt muss lebenswert bleiben“ – trotz Hitze. Deshalb arbeitet auch der BUND an Lösungen. Im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt auf dem Marga-von-Etzdorf Platz steht seit Mai die erste begrünte, städtische Laube namens „Living Green“.
Die Konstruktion ist denkbar einfach: Zwei Holzbänke verbunden durch einen Bogen aus einfachen Weideästen, an denen Pflanzen entlang wachsen sollen. Ähnlich wie beim „Ecotrii“ gibt es einen integrierten Wasservorrat und eine automatische Bewässerung. Der Wasservorrat stammt vor allem aus Regenwasser. Kostenpunkt hier: um die 4.000 Euro… weiterlesen


